Online-Partnervermittlung

"Wir vermitteln Menschen, keine Bits"

Von Holger Schmidt

Parship will den Partner fürs Leben vermitteln

Parship will den Partner fürs Leben vermitteln

17. März 2008 Etwa jeder zweite deutsche Single ist inzwischen in einer Kontaktbörse oder Partnerschaftsvermittlung im Internet registriert, sucht im Internet nach der großen Liebe oder auch nur einem Flirt. Die Suche lassen sich die Alleinstehenden auch etwas kosten: Rund 85 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr für die Partnersuche im Internet ausgegeben, hat das Marktforschungsinstitut Jupiter Research errechnet. Andere Schätzungen liegen sogar bei mehr als 100 Millionen Euro.

Branchenprimus - wenn es nach dem Umsatz geht - ist Parship. Das Unternehmen hat sich ganz auf anspruchsvolle Singles mit gehobenem Einkommen und Bildungsniveau spezialisiert. 38 Prozent der Mitglieder finden tatsächlich auch einen Partner. Das zahlt sich aus: "Parship hat im vergangenen Jahr 46 Millionen Euro Umsatz erzielt, 100 Prozent mehr als im Jahr zuvor", sagte Arndt Roller, der Geschäftsführer von Parship, dieser Zeitung. Das Unternehmen arbeite seit einigen Jahren profitabel, sagte Roller, ohne jedoch konkret zu werden. 20 Prozent Umsatzrendite scheinen aber eine gute Schätzung zu sein. Die Holtzbrinck-Gesellschaft ist inzwischen in 14 Ländern aktiv und hat sich gerade nach Mexiko vorgetastet.

Sieben Millionen Menschen nutzen Partnerbörsen

Arndt Roller ist mit Parship Marktführer in Deutschland

Arndt Roller ist mit Parship Marktführer in Deutschland

Roller ärgert sich, dass die Ranglisten der Partnervermittlungen und Singlebörsen immer nach der Zahl der registrierten Mitglieder erstellt werden. "Die Zahl der registrierten Mitglieder sagt nichts aus. Der Umsatz mit zahlenden Mitgliedern ist entscheidend", sagte Roller. Viele Singles haben sich im Laufe der Zeit bei mehreren Börsen angemeldet und dann vergessen, sich wieder abzumelden. Nach Schätzungen des Branchenportals Singlebörsen-Vergleich.de besuchen aber regelmäßig sieben Millionen Menschen im Monat diese Internetseiten.

Im Segment der seriösen Partnervermittlungen, die dauerhafte Beziehungen knüpfen wollen, gilt Parship als Marktführer vor ElitePartner, die zu Tomorrow Focus gehören und im vergangenen Jahr ihren Umsatz auf rund 9 Millionen Euro mehr als verdoppelt haben. In diesem Segment werden in Europa etwa 70 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Weitere 250 Millionen Euro Umsatz erzielen nach Jupiter-Schätzungen die Anbieter, die sich auf "Flirt & Dating" spezialisiert haben.

Wachstum auf eine Milliarde Euro

Obwohl der Markt nach dem stürmischen Wachstum der vergangenen Jahre inzwischen nur noch mit etwa 30 Prozent wächst, sieht Roller noch genügend Potential. "Der europäische Markt wird in den kommenden fünf Jahren auf eine Milliarde Euro wachsen. Alle soziodemographischen Trends wie die Versingelung der Gesellschaft zeigen für uns in diese Richtung", sagte Roller, dessen Unternehmen inzwischen 135 Menschen beschäftigt.

Um das Wachstum hoch zu halten, investiere Parship kräftig in Produktentwicklung, Marketing und Informationstechnik. In den kommenden zwölf Monaten werde sich Parship noch auf Europa konzentrieren, um dann in andere Kulturkreise vorzustoßen. "Die internationale Expansion ist sehr schwierig. Wir vermitteln schließlich Menschen, keine Bits", sagte Roller. Die sogenannten Matching-Algorithmen, mit denen die Parship-Software versucht, die richtigen Menschen füreinander zu finden, funktionieren in jedem Land anders. "Die Algorithmen unterscheiden sich schon zwischen Deutschland und Frankreich - ganz zu schweigen von Indien oder Japan."

Marktbereinigung wird erwartet

Anders als in vielen europäischen Ländern dominieren in Deutschland noch heimische Anbieter, die bisher den beiden großen internationalen Spielern Meetic und Match Paroli geboten haben. Unter den Singlebörsen, die eher auf schnelle Kontakte spezialisiert sind, hat die Telekom-Tochtergesellschaft Friendscout24 die Nase vorn, deren Umsatz auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt wird. Daneben tummeln sich Anbieter wie iLove, Flirt-Fever und Neu.de, der inzwischen zum europäischen Marktführer Meetic gehört. Meetic ist wegen seiner Zukäufe ebenfalls stark gewachsen und wird auf 120 Millionen Euro Umsatz geschätzt. Auch das amerikanische Unternehmen Match, das seine europäische Niederlassung aus England steuert, gehört mit geschätzten 80 Millionen Euro Umsatz zu den Dickschiffen der Branche.

Vor allem auf dem hart umkämpften Markt der Singlebörsen wird mit einer Bereinigung gerechnet, in der wohl viele Unternehmen ihre Selbständigkeit verlieren oder ganz vom Markt verschwinden werden. Denn für die 2500 Anbieter, die Singlebörsen-Vergleich.de gezählt hat, ist auf Dauer sicher kein Platz. Dass Meetic sich Neu.de einverleibt hat, gilt erst als der Anfang der Konsolidierung. Immerhin hat das Aufkommen der sozialen Netzwerke wie StudiVZ, in denen das Dating zu den Hauptbeschäftigungen der rund 5 Millionen Mitgliedern, gehört, dem Geschäft der Singlebörsen bisher offenbar nicht geschadet.

Text: F.A.Z., 17.03.2008, Nr. 65 / Seite 19
Bildmaterial: Parship

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