Internet

Google baut ein digitales Zeitungsarchiv auf

Von Holger Schmidt und Roland Lindner

Im geplanten Zeitungsarchiv können die Artikel nur mit Genehmigung der Verlage digitalisiert werden

Im geplanten Zeitungsarchiv können die Artikel nur mit Genehmigung der Verlage digitalisiert werden

09. September 2008 Das Internetunternehmen Google will die Archive von Zeitungen auf seine Seiten bringen. Google hat ein Programm angekündigt, mit dem das Unternehmen Zeitungsseiten digitalisieren und für Nutzer kostenlos abrufbar machen will. Es ist ein weiterer Schritt von Google, Inhalte aus der Vergangenheit in digitale Form zu übertragen. Das Unternehmen verfolgt dabei ein ähnliches Muster wie mit seinem im Jahr 2004 gestarteten Projekt, in großem Umfang Bücher zu scannen. Allerdings will Google diesmal Konfrontationen vermeiden und setzt auf Zusammenarbeit mit den Zeitungsverlagen. Im Buchprojekt hatte Google eigenmächtig mit der Digitalisierung begonnen und löste damit einen Aufschrei unter vielen Verlegern und Autoren aus, die ihre Urheberrechte bedroht sahen.

In der Aufbereitung von Zeitungen will Google jetzt mit den Verlagen kooperieren und verspricht ihnen eine zusätzliche Umsatzquelle für ihre alten Inhalte. Google bietet den Verlagen an, alte Zeitungsseiten einzuscannen und zu digitalisieren, die bislang zum Beispiel auf Mikrofilmen gespeichert sind. Die Seiten können dann von den Google-Nutzern im Internet in ihrer ursprünglichen Form angesehen und auch durchsucht werden. Wie die meisten Programme von Google soll auch das digitale Zeitungsarchiv mit Werbung finanziert werden, die neben die Inhalte gestellt wird. Nach Angaben eines Sprechers will Google den Zeitungsverlagen „einen Großteil der Werbeerlöse“ geben. Das Zeitungsprojekt von Google ist zunächst auf Amerika und Kanada beschränkt. „Wir planen aber die Ausweitung auf andere Länder“, sagte der Sprecher. Gespräche mit deutschen Verlegern seien aber noch nicht geführt worden.

Viele große amerikanische Zeitungen arbeiten mit Google zusammen

Das Archivprojekt ist im Grundsatz nicht neu. Google ermöglicht seit zwei Jahren die Suche nach Zeitungsartikeln, die schon in digitalisierter Form vorliegen. Viele große amerikanische Zeitungen wie die „New York Times“ oder die „Washington Post“ arbeiten mit Google zusammen. Allerdings ist das Angebot bislang für die Internetnutzer nicht vollständig kostenfrei: Bei einigen Zeitungen sind zusätzliche Gebühren fällig, wenn der Nutzer die Inhalte vollständig abrufen will. Künftig sollen für die Nutzer keine Kosten mehr anfallen. Google hat nach eigener Aussage für das neue Programm eine Reihe von Partnerschaften geschlossen, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Als Beispiele für Partner führte Google Regionalzeitungen aus Städten wie Pittsburgh oder St. Petersburg in Florida an.

Die Initiative fällt in eine Zeit, in der immer mehr Verlage ihre Archive online kostenlos zur Verfügung stellen, um Nutzer auf ihre Internetseiten zu locken. Viele Verlage realisieren, dass sie neue Umsatzquellen im Internet finden müssen, weil das Geschäft mit gedruckten Zeitungen in Bedrängnis gerät. Allerdings bringen die bisherigen Geschäftsmodelle oft nicht die erhofften Einnahmen. Es muss sich zeigen, ob die Verlage bereit sind, ihre Inhalte von Google aufbereiten zu lassen.

Eine Sprecherin des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) sagte, der Blick auf Amerika zeige, dass das Projekt vor allem für kleine Verlage interessant sei, die nicht die Ressourcen hätten, ihre Archive selber zu digitalisieren. Zudem müssten die Verlage abwägen, ob Google ihnen neue Umsätze bringe, dabei aber auch bedenken, dass sie die Präsentation ihrer Inhalte im Internet nicht mehr allein kontrollierten. Dadurch könne die Marke leiden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: The New York Times

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