Die Übernahme der Pro Sieben Sat.1 Media AG durch den Springer-Konzern erntet unterschiedliche Reaktionen. Während von den Mediengewerkschaften große Sorgen über die neu entstehende Medienmacht geäußert werden, lobt der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) den Deal als klare Stärkung des Medienstandorts Deutschland und Bayern.
Stoiber erhofft sich neue Arbeitsplätze vom Zusammengehen der Unternehmen. Ich erwarte von diesem starken Medienhaus mit Sitz in Deutschland, daß die Arbeitsplätze nicht nur gesichert, sondern in der Perspektive auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden können, sagte Stoiber laut Mitteilung am Freitag in München.
Während Stoiber mit seiner postiven Aufnahme der anstehenden Fusion auf Rückhalt in der eigenen Fraktion stieß, äußerten sich Politiker anderer Parteien skeptisch. Der medienpolitische Sprecher FDP-Bundestagsfraktion Hans-Joachim Ottoh sprach von einem ordnungspolitischen Sündenfall, wenn ein Unternehmen, das eine wirklich sehr starke Stellung am Printmarkt und insbesondere bei den Tagesmedien hat, jetzt auch im privaten Fernsehbereich die Mehrheit an einem der wichtigsten Sender hat. Die Übernahme sei auch ein Bruch mit der bisherigen medienpolitischen Geschichte in Deutschland.
Auch die Grünen zeigten sich kritisch. Ihre medienpolitische Sprecherin im Bundestag, Grietje Bettin, verlangte eine genaue Prüfung hinsichtlich einer konzentrationsrechtlichen Zulässigkeit und der möglichen Entstehung einer vorherrschenden Meinungsmacht.
Die Mediengewerkschaften DJV und ver.di äußerten große Bedenken gegen die geplante Übernahme. Eine solche Medienmacht in einer Hand ist verheerend für die Meinungsvielfalt in Deutschland, kommentierte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Konken, am Freitag in Berlin.
Die Gewerkschaft ver.di forderte Regelungen der Konzentrationskontrolle für die gesamte Medienwirtschaft über Branchengrenzen hinweg. Der DJV-Vorsitzende appellierte an das Bundeskartellamt, der geplanten Übernahme der Sendergruppe durch Springer die Zustimmung zu verweigern. Er argumentierte: Eine solche Vormachtstellung kann nicht im Sinne der Demokratie und des möglichst umfassenden meinungsbildenden Auftrags der Medien sein.
Nach Ansicht des DJV entsteht durch die vollständige Übernahme der Stimmrechtsaktien durch Springer ein Medienmonopol mit gewaltigem Einfluß auf die öffentliche Meinung. Die Pläne, die Fernsehsender nicht nur wirtschaftlich, sondern auch publizistisch dem Springer-Konzern einzuverleiben, hätten ein bedenkliches Komplettangebot von Information und Meinung zur Folge, meinte Konken. Deutschland braucht kein Springer TV, sondern Meinungsvielfalt statt Einheitskost.
Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke meinte: Kartellrecht und Rundfunkstaatsvertrag reichen nicht aus, um konzentrierte Medienmacht zu begrenzen. Cross-mediale Strategien großer Konzerne würden zu einer wechselseitigen Verstärkung von Meinungsmacht in Print- und audiovisuellen Medien führen. Sie böten das ideale Umfeld, um die öffentlich interessierenden Themen vorzugeben und wettbewerbsbegrenzende Vermarktungsstrategien zu entwickeln, die für die Nutzer und Verbraucher undurchschaubar blieben, meinte Werneke.
Auch Aktionärsvertreter äußerten Bedenken gegen die bevorstehende Übernahme, doch sind ihre Sorgen ganz anderer Art. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sehen das geplante Angebot an die freien Pro-Sieben-Aktionäre in Höhe von voraussichtlich 14,10 Euro je Vorzugsaktie skeptisch. Das Angebot an die freien Aktionäre wird vermutlich nicht angenommen werden, sagte Daniela Bergdolt von der DSW. Der Preis, der jetzt angeboten wird, erscheint mir niedrig. Grundsätzlich sei die Übernahme aber von Vorteil für Pro Sieben Sat.1. Mir ist es lieber, Pro Sieben hat nun einen Großaktionär, der Profi im Mediengeschäft ist, anstatt eines Finanzinvestors. Das kann für das Unternehmen nur gut sein.
Markus Straub von der SdK sagte, der Fall illustriere erneut die Ungleichbehandlung von Vorzugs- und Stammaktien. Anleger sollten sich überlegen, ob sie Vorzüge kaufen. Die amerikanischen Investoren um Haim Saban hätten ein schönes Schnäppchen gemacht. Man müsse sich daher fragen, warum Springer nicht schon vor drei Jahren eingestiegen ist. Der Deal an sich aber gehe in Ordnung. Strategisch paßt das natürlich sehr schön zusammen.
Text: FAZ.NET mit Material von AP und DPA
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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