Internet

Web 2.0 verschiebt Gewichte in der Online-Werbung

12. August 2007 Web- 2.0-Gemeinschaften verschieben zur Zeit die Gewichte auf dem deutschen Online-Werbemarkt. Nach der jüngsten Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung (Agof) hat Sevenone Interactive als erster großer Vermarkter stark vom Web 2.0 profitiert. Das Unternehmen, das zum Fernsehsender ProSieben Sat.1 gehört, hat seine Reichweite im deutschen Internet binnen eines Jahres fast verdoppelt und den Aufstieg in die Spitzengruppe geschafft. Dies verdankt das Unternehmen vor allem seiner Videoseite MyVideo, die laut Agof rund 6,5 Millionen Besucher im Monat anzieht und damit doppelt so viele Menschen wie das Konkurrenzprodukt Clipfish.de des Senders RTL erreicht. Sevenone Interactive vermarktet auch die Online-Gemeinschaft Lokalisten, die im Monat von 530000 Menschen genutzt wird.

United Internet will in Unddu.de investieren

Im schnell wachsenden Markt der Online-Werbung, der in Deutschland in diesem Jahr erstmals die 2-Milliarden-Euro-Marke übersteigen wird, hat Sevenone Interactive zu den beiden Platzhirschen United Internet Media und dem Telekom-Vermarkter Interactive Media aufgeschlossen. United Internet Media vermarktet ausschließlich die Marken des eigenen Hauses, also 1&1, GMX und Web.de. United Internet hat mit Unddu.de zwar auch eine Online-Gemeinschaft am Markt, die nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Ralph Dommermuth seit dem Start im April aber erst einige tausend Nutzer gewonnen hat. Das soll sich ändern. "Wir investieren in Unddu.de und stocken die Entwicklung auf. Erst danach wird sich entscheiden, ob das Unternehmen angenommen wird", sagte Dommermuth dieser Zeitung.

Interactive Media hat außer seinem Flaggschiff T-Online zwar auch andere Internetangebote wie die Zeitschrift "Bunte", die "Computerwoche", die "Frankfurter Rundschau", RTL2.de und die "PC-Welt" in seinem Portfolio. Web-2.0-Angebote sind bei der Telekom aber nicht zu finden.

StudiVZ wird GWP einen Schub geben

GWP Online Marketing, die Vermarktungsgesellschaft der Holtzbrinck-Gruppe, zählt mit einer Reichweite von 2,29 Millionen bisher nicht zu den großen Anbietern. GWP dürfte aber bald aufholen, denn das Unternehmen vermarktet auch die Studentengemeinschaft StudiVZ, deren Seiten im Juli mehr als 3 Milliarden Mal aufgerufen wurde - rund 700 Millionen Mal häufiger als die Seite des langjährigen Spitzenreiters T-Online. Exakte Reichweitenwerte für StudiVZ liegen noch nicht vor; sie werden aktuell rund 2 Millionen betragen.

Besonders stark hat auch Unister Media zugelegt. Das Unternehmen hat von seinem Flaggschiff Preisvergleich.de profitiert und erreicht 9,1 Millionen Menschen. Preisvergleichsseiten sind als Orientierungshilfen für den Einkauf im Netz sehr beliebt, zumal die Seiten es mit Hilfe einer geschickten Suchmaschinenoptimierung immer wieder schaffen, bei Google oder Yahoo ganz vorne - und meist vor den eigentlichen Händlern - unter den Suchtreffern aufzutauchen.

Welte will Bild.T-Online.de ausbauen

Einen aggressiven Wachstumskurs hat auch der neue Chef von Bild.T-Online.de, Philipp Welte, angekündigt. Welte, der von Burda zu Springer gewechselt ist, plant für den Herbst einen Umbau und Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe. Welte will Spiegel Online als Marktführer im Online-Nachrichtengeschäft ablösen und die Internetausgabe der Zeitung gegen die wachsende Konkurrenz neuartiger Nachrichtenportale wie Google News oder Netvibes stärken.

Auf diesen Seiten können die Nutzer Nachrichten aus vielen Quellen zusammenstellen und nach ihren Wünschen mit kleinen Zusatzprogrammen (Widgets) ergänzen. Viele Nutzer schauen sich dann nur noch die Überschriften und Kurzzusammenfassungen der Artikel an. Erst dann wird entschieden, ob der Volltext auf der ursprünglichen Nachrichtenseite überhaupt noch angeklickt wird.

Tomorrow Focus setzt auf Sevenload

Die Reichweite von Tomorrow Focus ist im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Millionen gefallen. Damit ist das Unternehmen in der aktuellen Rangliste auf Platz vier abgerutscht. Nach der Trennung vom Partner Microsoft, der sein Portal MSN inzwischen selbst vermarktet und damit die achte Position in der Vermarkterrangliste einnimmt, haben die Münchner den Landkartendienst Map24.com als reichweitenstärkstes Angebot in ihrem Portfolio.

Marketingvorstand Christoph Schuh setzt ebenfalls auf das Web2.0, um den Rückstand schnell wieder aufzuholen. "Vermarktungspartner aus dem Web-2.0-Umfeld wie die Videogemeinschaft Sevenload werden aber erst in der nächsten Agof-Welle ausgewiesen", sagt Schuh. Die Geschäfte laufen trotz des Reichweitenverlustes gut. Das Unternehmen hat den Umsatz im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf 32,2 Millionen Euro gesteigert. Das Vorsteuerergebnis wurde auf 2,6 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Das Unternehmen befindet sich nach eigenen Angaben in konkreten Beteiligungs- und Übernahmeverhandlungen, um seine Portale und den elektronischen Handel im Netz zu stärken.

Text: ht. / F.A.Z., 13.08.2007, Nr. 186 / Seite 19
Bildmaterial: F.A.Z.

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