Google-Handy

Suchmaschine im Handformat

Von Johannes Winkelhage, Barcelona

Das „gPhone” soll Google bald mobil machen

Das „gPhone” soll Google bald mobil machen

13. Februar 2008 12. Februar. Das Internetunternehmen Google will seine Präsenz auf dem Feld der Online-Werbung auch auf das mobile Internet ausdehnen. Das erklärte Rich Miner, der für Google als Group Manager Mobile Plattforms arbeitet. Als Vehikel dazu soll das im November von Google angekündigte Handy-Betriebssystem Android dienen.

„Wir betrachten Android als strategische Investition. Das Produkt wird aber kostenlos abgegeben. Langfristig werden wir durch die Werbung auf den Handys Geld verdienen“, erklärte der Google-Manager während der Messe Mobile World Congress und fügte hinzu: „Wir werden aber erst damit anfangen, Werbung im mobilen Internet zu vermarkten, wenn klar ist, dass der Nutzer etwas davon hat.“ Das kann seiner Ansicht nach zum Beispiel Werbung sein, die den Kunden auf Angebote in seiner direkten Umgebung aufmerksam macht.

Langsame Entwicklung des mobilen Internets führt zu Frustration

Einen Zeitpunkt, wann Google mit der mobilen Werbung beginnen werde, nannte Mines nicht, sagte aber: „Wir sind sehr zuversichtlich, damit Geld zu verdienen.“ Als Grund für die Android-Initiative nennt Miner auch eine „leichte Frustration“ über die bisher langsame Entwicklung auf dem Markt des mobilen Internet. Die hochgradige Fragmentierung auf der Seite der Betriebssysteme habe für Google dazu geführt, dass mehr Leute für das Testen der verschiedenen Internetanwendungen auf unterschiedlichen Geräten gebraucht wurden als Programmierer für die Anwendungen selber.

„An dieser Stelle haben wir uns entschieden, der Branche ein wenig unter die Arme zu greifen und eine einheitliche und offene Plattform zu entwickeln“, sagte Miner. Jetzt hofft Google darauf, dass die Multimediahandys mit Android auch preiswerter werden könnten. „Die Lizenzkosten für andere Betriebssysteme können bis zu 20 Prozent der Herstellungskosten für ein Multimediahandy betragen. Android ist kostenlos. Daher können auch die Geräte preiswerter werden.“

Erste Prototypen in Barcelona gezeigt

Miner verspricht sich davon eine stärkere und schnellere Durchdringung des Marktes mit multimedia- und internetfähigen Mobiltelefonen, was wiederum schneller zu einer kritischen Masse für eine effektive Werbung auf den Geräten führen würde.

Für Android hat Google gemeinsam mit mehr als 30 Unternehmen die Open Mobile Alliance gegründet, die das Projekt nach Angaben von Miner seitdem gut vorangebracht hat. Schon in Barcelona zeigen einige Hersteller erste Prototypen solcher Geräte.

Nokia noch kein Partner der Allianz

Die Unternehmen, die ihre Vorstellungen eines solchen Handys präsentieren, sind bisher aber nicht die klassischen Handyhersteller, sondern die Anbieter der Chips - wie Texas Instruments oder Qualcomm -, welche die Handys erst zum Leben erwecken. Als Partner auf der Seite der Handyhersteller sind bisher Samsung, LG sowie Motorola und die HTC an Bord.

Der weltgrößte Handyhersteller Nokia ist bisher nicht in der Allianz. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Finnen der größte Aktionär von Symbian sind, dem Unternehmen, das bisher den Markt für die Betriebssysteme der Oberklasse-Handys dominiert. Allerdings kündigte Nokia am Dienstag in Barcelona an, dass in einige dieser Geräte künftig die Suchmaschine von Google integriert werde.

Nutzer sollen auf offener Plattform eigene Anwendungen gestalten

Zu den Netzbetreibern, die in der Open Mobile Alliance teilnehmen, gehören neben Telefónica und China Mobil auch T-Mobile. Das Unternehmen kündigte am Dienstag in Barcelona das erste Gerät mit dem Android-System für das vierte Quartal des laufenden Jahres an.

Android soll die Produktion mobiler Anwendungen jetzt deutlich günstiger machen als bisher. Dafür nutzt Android das kostenlose Betriebssystem Linux als Kern. Auf dieser offenen Plattform sollen jetzt Tausende von Programmierern eigene Anwendungen für Android gestalten - und vielleicht später von deren Erfolg profitieren.

Aus Sicht des Initiators Google soll Android auch die eigenen Programme im mobilen Internet populär machen. Dazu gehört nicht nur die Suchmaschine, sondern auch der E-Mail-Dienst Gmail oder der Landkartendienst Maps.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

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