Von Wolfgang Tunze
29. Juli 2007 Das gute alte Antennenfernsehen, in Analogzeiten schon kurz vor dem Exitus, erfreut sich heute landauf, landab wachsender Beliebtheit. Kein Wunder, denn seit es beinahe flächendeckend digital funktioniert und auf den schmucklosen Namen DVB-T hört, bringt es die bunten Bilder in zeitgemäßer Vielfalt und Qualität ins Wohnzimmer, behält aber seine angestammten Vorzüge bei: Die Satellitenschüssel entfällt, die Kabelgebühr ebenfalls, und oft reicht sogar eine unscheinbare Zimmerantenne für tadellosen Empfang.
Passende Settop-Boxen, mit denen sich die digitalen Funksignale für den konventionellen Fernseher aufbereiten lassen, gibt es in überbordender Vielfalt für ein Taschengeld. Wir aber haben uns eines der raren Modelle näher angesehen, die ein bisschen mehr können: eine Box, die mit zwei separaten Tunern auf Empfang geht und dank einer eingebauten Festplatte auch gleich noch den Videorekorder ersetzt. Praktisch bedeutet das: Bringt der Apparat ein spannendes Fußball-Länderspiel live auf die Mattscheibe, kann er gleichzeitig im Hintergrund eine seriöse Dokumentation aufnehmen - kein Problem. Hersteller dieser Maschine ist der Settop-Boxen-Spezialist Topfield, ihr branchenübliches Typenkürzel lautet TF 5000 PVRt.
Als Stapelware gerät sie in Lebensgefahr
Topfield liefert den Empfänger mit Festplatten von 80 Gigabyte an, die Preisliste beginnt bei 300 Euro. Wir empfehlen aber, gleich ein üppigeres Speicher-Kaliber zu wählen: Die Geräte-Elektronik verkraftet Festplatten-Exemplare bis 300 Gigabyte, was angesichts der üblichen DVB-T-Datenraten von 3 Megabit je Sekunde einer Aufnahmekapazität von etwa 220 Stunden entspricht. Je größer die eingebaute Platte, desto stärker tendiert sie allerdings zu Wärmeentwicklung. So bringt es die kompakte Box locker auf Temperaturen zwischen 40 und 50 Grad. Deshalb sollte sie möglichst frei im Regal stehen; als Stapelware gerät sie in Lebensgefahr.
Zur Kontaktaufnahme mit seiner Umwelt bringt der Topfield-Empfänger die üblichen Schnittstellen mit: zwei Scart-Buchsen zum Anschluss an den Fernseher und an einen zusätzlichen Videorekorder, eine vierpolige S-Video-Buchse, Cinch-Anschlüsse für den Stereoton und einen digitalen Ausgang für Mehrkanal-Sound nach Heimkino-Art. Die Eingänge der beiden Empfangsteile kommen mit einer einzigen Antenne aus; eine Durchschleifverbindung stellt alle nötigen Kontakte her.
Komplizierte Menüs voll pfiffiger Funktionen
Zur Entschlüsselung von Abo-Programmen hat das Topfield-Kästchen außerdem zwei Common-Interface-Schächte an Bord, die passende Dekoder-Module aufnehmen können. Für diese Schnittstellen gibt es hierzulande allerdings noch keine Verwendung; Premiere etwa strahlt nicht terrestrisch aus. Dafür ist ein anderer Anschluss umso interessanter: Eine USB-2-Buchse auf der Rückseite erlaubt den Anschluss eines Computers, der dann mitgeschnittene Fernsehsendungen von der Topfield-Festplatte kopieren und zu DVDs weiterverarbeiten kann. Umgekehrt lassen sich auf diesem Weg MP3-Archive in die Settop-Box übertragen; das Topfield-Aggregat versteht sich auf ihre Wiedergabe. Für den Datentransfer zwischen Rechner und Settop-Box gibt es eine spezielle, Altair genannte Software, die man kostenlos aus dem Internet herunterladen kann. Zur kompletten PC-Anbindung noch ein Hinweis: Ältere Versionen des TF 5000 PVRt wurden noch nicht mit der USB-Schnittstelle ausgestattet; wir können nicht auszuschließen, dass solche Exemplare noch im Handel kursieren. Also sollte man auf dieses Detail besonders achten.
Die Handhabung des Geräts erscheint dem Einsteiger zunächst ein bisschen kompliziert; die Gestaltung der Bildschirm-Menüs und der Fernbedienung sind nicht gerade selbsterklärend. Aber mit etwas Übung und nach den üblichen Installationsprozeduren, zu denen auch der automatische Sendersuchlauf und das nachträgliche Sortieren der Stationen gehören, geht die Bedienung recht flott von der Hand. Und je mehr sich der Topfield-Besitzer mit seinem Empfänger beschäftigt, desto mehr pfiffige Funktionen entdeckt er. Dazu zählt eine Bild-in-Bild-Darstellung - die beiden Tuner liefern den nötigen Inhalt; oder ein Navigationsbalken, der beim schnellen Vor- und Rücklauf aufgenommener Programme die Suchposition symbolisiert.
Geringere Datenrate als vom Satelliten
Natürlich erschließt die Festplatte auch die Funktion des zeitversetzten Fernsehens, also die Möglichkeit, ein laufendes Programm einfach mit der Pausentaste zu unterbrechen und später weiterzugucken. Sogar eine simple Schnittfunktion hat Topfield eingebaut, mit der sich zum Beispiel Werbeblöcke entfernen lassen. Für komfortable Timer-Programmierungen bringt die Topfield-Box einen Programmführer mit. Ein Klick auf die Wunschsendung, und die Aufnahme ist vorgemerkt. Gut gefallen hat uns auch der Ordnungssinn der kompakten Maschine. So lassen sich die Lieblingssender in verschiedene Favoritenlisten sortieren, und auch die Aufzeichnungen kann man säuberlich in Ordnern ablegen.
An der Bild- und der Tonqualität des Empfänger-Kästchens gibt es nichts auszusetzen. Grenzen setzen allenfalls die im Antennenfernsehen üblichen Datenraten: Die Hauptprogramme auf Satellitenkanälen kommen fast mit doppelter Datenfülle ins Haus, ein Unterschied, der sich vor allem auf großen Flachbildschirmen zeigt. Auf Fernsehern mittlerer und kleiner Kaliber aber sehen die bunten Bilder scharf und klar aus - besser jedenfalls, als die analoge Ausstrahlung sie je ins Wohnzimmer brachte.
Text: F.A.Z., 24.07.2007, Nr. 169 / Seite T2
Bildmaterial: Hersteller
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