25. Februar 2004 Brian Roberts weiß, was er will. Und wenn er es nicht gleich bekommt, weiß er, wie man Druck erzeugt. Der erst 43 Jahre alte Vorstandschef des größten amerikanischen Kabelanbieters Comcast will jetzt den Unterhaltungsriesen Disney übernehmen. Da dessen Vorstandschef Michael Eisner sich sperrt, versucht Roberts, seinen Zielen über Druck in der Öffentlichkeit Nachdruck zu verleihen. "Es ist bedauernswert, daß Du nicht willens bist", schreibt Robert in einem Brief an Eisner. Aber jetzt bliebe eben nur ein öffentliches Angebot.
So einfach ist das. Dabei steht der 61 Jahre alte Eisner seit zwanzig Jahren an der Spitze von Disney und ist einer der bekanntesten Manager Amerikas. Roberts und das Unternehmen Comcast sind trotz ihrer dominierenden Position in der Kabelbranche dagegen eher unbekannt. Wenn Roberts mit dem Coup einer Übernahme des Traditionskonzerns Walt Disney durchkommen sollte, wird das schlagartig anders werden.
Schon immer ein Faible fürs Geschäft
In der Kabelbranche ist die Familie Roberts allerdings schon seit über dreißig Jahren ein Begriff. Ralph Roberts, der Vater von Brian, hatte Comcast 1963 mit dem Kauf eines kleinen Kabelunternehmens in Mississippi aus der Taufe gehoben. Brian Roberts hatte im Gegensatz zu seinen vier Geschwistern schon immer ein Faible für das Geschäft seines Vaters gehabt.
Er begleitete ihn schon als Teenager zu dessen Treffen mit Investmentbankern. Aber er lernte das Kabelgeschäft nicht nur in den Vorstandsetagen kennen. Während seines Wirtschaftsstudiums verkaufte er Kabelabonnements und kletterte auf Telegraphenmasten. Nachdem er die Führung von Comcast von seinem Vater übernommen hatte, forcierte Roberts die Einkaufstour.
Legendäres Dinner mit Bill Gates
Legendär ist ein Dinner mit Bill Gates im Jahre 1997, als er den Chef des Softwareriesen Microsoft so beeindruckte, daß der umgehend 1 Milliarde Dollar in Comcast investierte. Seinen bislang letzten großen Coup landete der trotz seiner umgänglichen Art als knallharter Geschäftsmann geltende Roberts 2002 mit der Übernahme von AT&T Broadband. Diese Transaktion katapultierte den damals drittgrößten Kabelanbieter Comcast an die Spitze der amerikanischen Kabelbranche.
Dieser 72 Milliarden Dollar teure Einkauf galt damals als Meisterstück, das ihn endgültig aus dem Schatten seines Vaters heraustreten ließ. Die Übernahme von Disney hätte allerdings eine noch größere Dimension.
Eisners Kampf um Zukunft und Vergangenheit
Für Michael Eisner geht es hingegen um seine berufliche Zukunft und seine Hinterlassenschaft nach zwanzig Jahren an der Spitze des Medienkonzerns. In den achtziger Jahren war es Eisner gelungen, Disney zu einem glanzvollen Ruf und zu hervorragenden Ergebnissen zurückzuverhelfen. Leute wie der Gründerneffe Roy Disney, die ihn damals vom Filmstudio Paramount geholt haben, wenden sich aber mittlerweile von ihm ab. Roy Disney wirft Eisner Versagen beim Versuch vor, die schwachen Zuschauerzahlen beim Fernsehsender ABC zu steigern. Die Investionen in die Freizeitparks seien zu zögerlich gewesen. In Kalifornien, Paris und Hong Kong habe Eisner versucht, die Parks billig zu bauen, was von schwachen Besucherzahlen reflektiert werde. Das Unternehmen werde zudem weithin als "habgierig" und "seelenlos" wahrgenommen.
Text: nks., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2004, Nr. 36 / Seite 14
Bildmaterial: AP, Reuters