Von Holger Schmidt
30. Oktober 2006 Das Wettrennen war knapp: Nur wenige Tage waren die Microsoft-Entwickler schneller als die Kollegen der Mozilla-Stiftung, als sie ihren neuen Browser Internet Explorer 7 zum Herunterladen zur Verfügung stellten. Als die Mozilla-Entwickler die zweite Version ihres Browsers Firefox kurz danach fertig hatten, sollen die Microsoft-Entwickler sogar mit einer Torte gratuliert haben.
Man kennt sich in der Branche, besucht sich auch schon mal. Hinter der Freundlichkeit stecken harte wirtschaftliche Interessen: Browser sind nicht nur das Zugangsfenster zum Internet, sondern legen heute bis zu einem gewissen Maß schon fest, welche Suchmaschine die Menschen nutzen. Denn moderne Browser haben oben rechts ein kleines Feld eingebaut, in das Suchbegriffe direkt eingegeben werden können, ohne die Seite einer Suchmaschine aufrufen zu müssen. Microsoft leitet seine Nutzer zu seiner neuen Suchmaschine Windows Live, während die Mozilla-Stiftung Google bevorzugt.
Kampf um die Voreinstellung
"Jedes Unternehmen kämpft dafür, daß seine Suchmaschine im Internet Explorer voreingestellt ist. Dabei vergessen die Menschen aber die Abhängigkeit von der Sucherfahrung. Wenn die nicht gut ist, ändern die Menschen den voreingestellten Browser. So einfach ist das", sagte Steve Berkowitz, oberster Internetmanager bei Microsoft, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Allerdings tauschen erfahrungsgemäß nur die technisch versierten Anwender die Suchmaschine aus. Die Mehrheit der Nutzer behält aus Bequemlichkeit die voreingestellte oder bei der Aktualisierung der Software vorgeschlagene Suchmaschine bei. Aus diesem Grund hat Google dem Computerhersteller Dell geschätzte eine Milliarde Dollar gezahlt, damit seine Suchmaschinen für das Internet und die eigene Festplatte (Desktop-Suche) auf allen verkauften Dell-Rechnern voreingestellt sind.
Da Microsoft seinen Internet Explorer fünf Jahre lang nicht modernisiert hat, sind in den vergangenen Jahren immer mehr Nutzer zum kostenlos verfügbaren und deutlich besseren Konkurrenzprodukt Firefox gewechselt. Dabei zeigten sich die Deutschen als besonders innovativ: Ein Drittel aller Internetnutzer hat den Internet Explorer gegen Firefox ausgetauscht, hat das Marktforschungsunternehmen Onestat ermittelt. In aller Welt beträgt der Firefox-Anteil rund 11,5 Prozent.
Browser-Krieg zweiter Teil
Der Erfolg der Mozilla-Stiftung hat den Platzhirsch Microsoft zum Handeln gezwungen. Denn Microsoft hatte sich im ersten Teil des "Browser-Krieges" gegen das Konkurrenzprodukt Netscape Navigator durchgesetzt - unter anderem mit der Kopplung an das herrschende Betriebssystem Windows von Microsoft. Netscape wurde an AOL verkauft, und Microsoft dominierte den Markt nach Belieben. Im Jahr 2002 hatte der Softwarekonzern einen Anteil von rund 97 Prozent am Browsermarkt; der einst dominante Netscape Navigator und der norwegische Browser Opera teilten sich den kläglichen Rest des Marktes.
Seitdem aber die Suche im Internet zu einem milliardenschweren Geschäft geworden ist, herrscht wieder Wettbewerb, in dem Microsoft stetig Marktanteile verloren hat. Neben Mozilla, deren Browser Firefox von einer freien Entwicklergemeinde mit Hilfe einiger Internet- und Computerunternehmen entstanden ist, versucht auch Opera mit seinem Edel-Browser zu punkten, indem das Programm nicht mehr verkauft, sondern verschenkt wird. Auch der Computerhersteller Apple hat dank steigender Marktanteile im Computergeschäft mit seinem Produkt Safari Boden gegen Microsoft gutgemacht.
Verbesserungen, die die Konkurrenz schon lange bietet
Um die wachsende Konkurrenz abzuwehren, hat Microsoft seinen Browser nach fünf Jahren komplett renoviert und dabei viele Mängel beseitigt. "Wir haben Sie verstanden: Sie wollen es einfacher und sicherer", wirbt Microsoft auf seiner Internetseite für sein neues Produkt. Und tatsächlich weist das Programm gegenüber seiner Vorgängerversion viele Verbesserungen auf, die Firefox und Opera allerdings zum Teil schon seit Jahren bieten.
Neben dem integrierten Suchfenster gehören dazu die "Tabs", also die Karteireiter, die das Öffnen mehrerer Internetseiten in einem Fenster ermöglichen. Diese Funktion ist vor allem für Dauersurfer unentbehrlich geworden. Microsoft ist auch mit einem Werbeblocker nachgezogen, der unerwünschte Pop-up-Fenster gar nicht erst auf dem Bildschirm erscheinen läßt. Komfortabel ist die neue Verwaltung der "RSS-Feeds", also abonnierter Inhalte, die ohne Aktualisierung automatisch beim Nutzer ankommen. Sehr viele Nachrichtenseiten und Online-Tagebücher (Blogs) bieten diese Funktion an, um neue Beiträge ohne Zeitverzögerung zum Nutzer zu transportieren. Die Verwaltung dieser RSS-Beiträge hat Microsoft dem Apple-Browser Safari nachempfunden.
Microsoft mit neuem Sicherheitskonzept
Ganz neu ist das Sicherheitskonzept bei Microsoft. Die Funktion soll Nutzer vor sogenannten Phishing-Seiten schützen, mit denen Betrüger sich geheime Kontodaten erschleichen wollen. Microsoft gleicht die aufgerufenen Seiten der Nutzer mit einer Liste bekannter Phishing-Seiten ab und zeigt bei Übereinstimmung eine Warnmeldung an. Zudem untersucht das Programm die angesteuerte Seite nach verdächtigen Elementen wie einem Eingabefeld für Konto-Transaktionsnummern.
Der Firefox 2.0 ist optisch kaum verändert, wartet aber mit einigen Verbesserungen: Das integrierte Suchfeld macht Vorschläge, die sich an der Eingabe orientieren. Zum Schutz vor Phishing-Seiten greift der Browser auf eine Funktion bei Google zu und warnt ebenfalls bei verdächtigen Seiten. Einen großen Vorteil hat sich der Firefox bewahrt: Viele Softwareentwickler stellen hilfreiche Erweiterungsprogramme ins Netz, mit deren Hilfe der Firefox sehr leicht an die eigenen Bedürfnisse angepaßt werden kann. Für ambitionierte Surfer bleibt der Firefox damit die erste Wahl.
Text: F.A.Z., 30.10.2006, Nr. 252 / Seite 19
Bildmaterial: F.A.Z.
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