02. Juni 2006 Nach monatelangem Streit zeichnet sich eine Einigung um die Verwertung der Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga ab. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus Verhandlungskreisen ist mittlerweile neben der Deutschen Telekom auch der Bezahlfernsehsender Arena kompromißbereit. Demnach will Arena darauf verzichten, sein Bundesliga-Programm auch über DSL-Telefonleitung zu verbreiten. Die Deutsche Telekom hätte damit für ihr geplantes neues Bundesliga-Internetfernsehen (IP-TV) über DSL Exklusivität. Bislang hielt sich Arena dagegen auch DSL als möglichen Verbreitungsweg offen.
Im Gegenzug will die Telekom ihr Bundesliga-Programm nicht über die von Arena genutzten klassischen Fernsehübertragungswege Kabel und Satellit verbreiten. Dies hat sich bereits am Mittwoch abgezeichnet. Die Telekom würde damit Forderungen von Arena und der Deutschen Fußball Liga (DFL) nachkommen. Der Telekom werden außerdem gute Chancen eingeräumt, den Zuschlag für Namens- und Mobilfunkrechte der Liga zu bekommen. Die Kompromißlösung dürfte am heutigen Freitag auch auf der Tagesordnung einer turnusmäßig stattfindenden Sitzung des DFL-Vorstands stehen. Eine endgültige Vereinbarung über die Rechteverwertung von Telekom und Arena wird erst nach Pfingsten erwartet.
Premiere als Verlierer
Hauptverlierer des Kompromisses wäre der Bezahlsender Premiere, der mit der Telekom kooperiert. Premiere hat die Bezahlfernsehrechte an der Bundesliga ab der kommenden Saison an Arena verloren. Via DSL kann Premiere nun voraussichtlich nur noch einem kleinen Teil seiner Zuschauer die Bundesliga anbieten. Denn das für das Internetfernsehen der Telekom vorgesehene neue V-DSL-Netz ist erst im Aufbau. Zur Jahresmitte können nur rund 3 Millionen Haushalte einen solchen Anschluß ordern. Das sind weniger als 10 Prozent der Fernsehhaushalte. Analysten warnen deshalb vor einer Kündigungswelle der Premiere-Abonnenten zur neuen Saison.
Auch die Telekom müßte deutlich zurückstecken. In einer jahrelangen Übergangsphase, bis das V-DSL-Netz besser ausgebaut ist, hätte die Telekom ihr eigenes Bundesliga-Programm via Kabel und Satellit mehr Kunden zugänglich machen können. Ohne diese reichweitenstarken Übertragungswege startet der Bonner Konzern mit einem klaren Wettbewerbsnachteil zu Arena ins Bundesligageschäft. Hinter Arena steht mit dem zweitgrößten deutschen Kabelnetzkonzern Unity Media ein direkter Telekom-Konkurrent.
Text: theu., F.A.Z., 02.06.2006, Nr. 127 / Seite 15
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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