Von Raymond Wiseman und Michael Spehr
09. März 2008 Dass die "grüne IT" wohl kaum als ernstzunehmendes Leitmotiv der Cebit 2008 taugt: das war allen Beteiligten in Hannover schnell klar. Da hätte man sich statt naiver Anbiederung an den Zeitgeist schon ein bisschen mehr Phantasie bei der Messegesellschaft erhofft. Aber es gab durchaus interessante Ansätze zu sehen.
Etwa das Null-Watt-Display von Fujitsu-Siemens. Statt im Standby-Betrieb 1 bis 6 Watt zu verbrauchen, sorgt ein Schaltelement im Netzteil dafür, dass das Gerät im Bereitschaftsbetrieb vollständig vom Netz getrennt und erst auf Befehl des Computers wieder angeschaltet wird. Wer solche Technik für alle externen Netzteile sucht, an denen Notebooks, Drucker und Scanner hängen, wird enttäuscht. Die Hersteller dieser Geräte setzen offensichtlich noch immer darauf, dass der Anwender bei Nichtbenutzung selbst den Stecker zieht. Nett gemeint, aber ebenfalls ein Öko-Flop: Das Bamboo-Notebook von Asus. Deckel und Handauflage des "Eco-Books" bestehen aus getrocknetem und verleimten Bambus.
Jetzt sind kleine internetfähige Geräte angesagt
Mehr Furore machte der Asus Eee-PC, der schon als Linux-Variante mit 7-Zoll-Bildschirm für 300 Euro begeisterte. Nun kommt der größere Bruder für 100 Euro mehr in gleicher Gehäusedimension mit 8,9-Zoll-Display, höherer Auflösung von 1024 × 600 Pixel, auf 1 Gigabyte verdoppeltem Arbeitsspeicher und wahrscheinlich auf 12 Gigabyte verdreifachtem Flash-Speicherplatz. Mit solcher Ausstattung bietet der Eee-PC 900 dann auch eine Plattform für Windows XP und Works. Der Funktionsumfang wird ergänzt durch Windows Live Services für E-Mail, Fotos und Sicherheitsprogramme.
Zu einem 400-Euro-Notebook will auch Medion in der zweiten Jahreshälfte vorstoßen. Abgesehen vom 10-Zoll-Display liegt die finale Konfiguration allerdings noch nicht fest, wird aber vermutlich statt der kleineren, doch teureren Flashdisk eine Festplatte mit größerem Speichervolumen aufweisen; Ausstattung und Vertrieb wenden sich an den privaten Nutzer.
Kleine, internetfähige Geräte sind allenthalben angesagt: Begrenzte interne Kapazitäten werden durch ins Web ausgelagerte Funktionen kompensiert. Intel hat für diese Geräte einen Prozessor namens Atom entwickelt. Die zugehörige Prozessortechnik besteht aus der Recheneinheit, einem energiesparenden Chipsatz mit integrierter Grafik und drahtloser Funkverbindung für ständigen Internetzugriff. Zum Einsatz kommt der Mini-Prozessor - etwa so groß wie eine 1-Cent-Münze - in sogenannten MIDs (Mobile Internet Device) oder UMPCs (Ultra Mobile PC). Entsprechende Geräte waren bei Asus in neuer und LG in erster Generation zu sehen sowie bei Panasonic - bekannt für seine Toughbooks - besonders robust.
Das Kind als Kunde
Aber nicht alle sehen die Notwendigkeit, für den mobilen Internetzugriff auf etwas anderes als Mobiltelefone zurückzugreifen: Marco Boerries, Vizepräsident von Yahoo, meint sogar, dass sich für viele Menschen der Internetzugang auf das Smartphone konzentriere. Hierfür hat Yahoo mit One Search und One Connect bereits Dienste vorgestellt, welche die Web-Suche und -Kommunikation aufs Handydisplay anpassen. Nun kommt One Place hinzu, mit der sich bevorzugte Internetinhalte auf dem Handy zentral verwalten und auf dem aktuellen Stand halten lassen.
Web.de zeigte sich mit einem speziellen E-Mail-Kinderschutz ausgesprochen initiativ und bietet im neuen Informationschannel "Fit fürs Web" unter anderem Eltern-Kind-Verträge zum Download. Wer mit dem 1&1 Mediacenter der multimedialen Unterhaltung frönen möchte, kann dies in Zukunft auch ohne einen hauseigenen DSL-Vertrag haben. 1&1 öffnet sein Mediacenter - unter anderem mit rund 12.000 Titeln im Maxdome-Angebot, Web-Radio und Music-Flat - für alle Breitbandkunden in Deutschland. Der Empfang erfolgt über die Settop-Box Fritz Media 8040. Der Nachfolger Fritz Media 8160, der dann auch einen HDMI-Ausgang hat, wurde vom Hersteller AVM vorgestellt. Eine Verdrahtung im Netz ist dank Wireless-Lan überflüssig. Und wer seine Box am Rande der Funkreichweite des Netzes hat, kann vom Herbst an mit dem Fritz W-Lan-Repeater N/G das Drahtlosnetz erweitern. In der Form ähnlich einem Kompaktladegerät für Akkus, wird er einfach in die Steckdose gesteckt.
Navigation und Telematik - zwei Cebit-Topthemen
In Sachen Navigation und Telematik war diese Cebit wirklich top. In gleich zwei Messehallen tummelte sich alles, was in der Branche Rang und Namen hat. Tom Tom will mit neuen Diensten aufwarten, die kürzere Fahrtzeiten (IQ Routes) und bessere Verkehrsinformationen bieten (HD Traffic). Beiden ist gemeinsam, dass sie nach dem Wikipedia-Prinzip arbeiten: Die Nutzer selbst sammeln die Daten. Navigon präsentierte sein neues Spitzengerät 8110 mit hochwertiger Einfassung und verbesserter Routenführung. Und Blaupunkt zeigte auf der Messe drei neue Geräte, die Travelpiloten 100, 200 und 300 (F.A.Z. vom 4. März).
Angekündigt ist ferner eine 5er- und 7er-Reihe mit spannenden Details: Die Entwickler aus Hildesheim verschaffen dem Navi einen Nebenjob, indem sie es mit Wireless-Lan und Office-Software ausstatten. So kann der Kopilot nach Feierabend als Surf-Station auf dem Sofa dienen, er hat einen Web-Browser und ein E-Mail-Programm und läuft unter Windows CE. Außerhalb des drahtlosen Funknetzes lässt sich diese Mischung aus Smartphone und Navigation via Bluetooth mit einem Handy verbinden. So kommt man dann auch auf dem Autobahn-Rastplatz an die elektronische Post. Das alles ist für den August angekündigt.
Ein Dino, dem USB-Daten und Speicherkarten schmecken
Merian macht mit seinem "Scout Navigator" Furore (F.A.Z. vom 17. Februar): ein Navi, das zugleich Reiseführer ist und unterwegs aus informativen Hörbüchern vorliest. Der traditionsreiche Verlag will sein System künftig auch als Handy-Software anbieten, damit man jederzeit interessante Orte, Sehenswürdigkeiten oder von der Feinschmecker-Redaktion empfohlene Restaurants findet. Die Darstellung mit "Tagwolken" wirkt schick und modern, wir konnten das Programm bereits auf einem Windows-Mobile-Gerät ausprobieren.
Auch manches liebevolle Detail konnte man in Hannover entdecken. Etwa Hamas neue Bluetooth-Maus. Das Schiebetier mit ausklappbarem Fuß passt in den PCMCIA-Slot eines Notebooks. Das beliebteste Kleinlebewesen der Cebit war in diesem Jahr aber keine Maus und kein Eisbär, sondern ein Dino namens Pleo. Er lässt sich mit USB-Daten und Speicherkarten füttern, ist niedlich und vor allem: Er ist grün. Ein echter Hoffnungsträger.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: AFP, ddp
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| Nikkei 225 | 13.655,34 | -2,06 |
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| Euro/Dollar | 1,55 | +0,16 |
| Bund Future | 115,07 | +0,37 |
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