16. April 2007 Jeder kennt so eine Geschichte von seinen Bekannten: Wie sie einen neuen, günstigeren DSL-Anschluss haben wollten und dann wochenlang ganz ohne Internet auskommen mussten. Die Verlockungen zum Wechsel sind schließlich groß. Im Wochentakt unterbieten sich die Telefonfirmen mit immer billigeren Angeboten. In den vergangenen Monaten ist der Preis für den Internet-Zugang um fünf Prozent gesunken. Wer einen neuen DSL-Anschluss bestellt, kann mehr als 100 Euro im Jahr sparen.
Doch oft bringt der Wechsel erst mal nicht die erhoffte Ersparnis - sondern eine Menge Ärger. Sechs oder acht Tage ohne DSL seien bei einem Anschluss-Wechsel derzeit ganz normal, sagt eine Sprecherin von 1 und 1. Und manchmal bleibt das Internet noch länger weg. Es kann passieren, dass man monatelang ohne DSL-Anschluss auskommen muss, sagt die Telekommunikations-Expertin Anke Kirchner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Kunden müssen die Sache selbst anpacken
Die Verbraucherzentralen empfehlen in solchen Fällen den juristischen Weg: Dem neuen Anbieter eine Frist von rund zwei Wochen setzen - und wenn er bis dahin noch kein DSL liefert, vom Vertrag zurücktreten. In der Praxis hilft das allerdings wenig. Denn wer den Vertrag annulliert, bekommt erst recht kein DSL mehr. Und dass es bei einem anderen Anbieter schneller geht, ist unwahrscheinlich: Dort landet man in der Warteschlange erst mal ganz hinten.
Die Telefonfirmen kennen das Problem seit Jahren, es besteht trotzdem noch. Darum müssen die Kunden die Sache selbst in die Hand nehmen: Wer weiß, woran es beim Wechsel oft hakt, der kann auch selbst etwas dafür tun, dass alles glatt läuft.
Durchkämpfen an der Hotline
Am Anfang steht ein Telefonat mit dem alten DSL-Anbieter. Wer wechseln will, sollte darauf achten, dass seine Vertragsdaten stimmen - selbst dann, wenn auf der Rechnung alles gut aussieht. Es kommt nämlich nicht auf die Rechnungsadresse an, sondern auf den Anschlussinhaber, und die Angabe kann völlig veraltet sein. Diese Information bekommt der Kunde selten zu Gesicht, man sollte sie vor dem Wechsel trotzdem sorgfältig bei der Hotline überprüfen. Die Namen müssen hundertprozentig übereinstimmen, sagt ein Telekom-Sprecher. Wenn ein Karl-Heinz Müller angemeldet sei, aber der Wechsel-Auftrag von Karl Müller komme, sei das schon ein Problem.
Und wer sich an der Hotline schon mal durchgekämpft hat, kann auch gleich eine zweite Frage stellen: die nach dem nächsten möglichen Kündigungstermin. Auf viele Tarife müssen sich die Kunden ein oder zwei Jahre lang festlegen. Das übersähen die Kunden später oft, erzählen die Telefonfirmen.
Wenn alle Vertragsfragen geklärt sind, kommen die Techniker ins Spiel. Sie müssen den Anschluss umschalten. Auch da kann viel schiefgehen. Derzeit drohen Telekom-Mitarbeiter mit Warnstreiks in einigen Regionen - wer davon betroffen ist, muss möglicherweise eine Weile warten.
Zwei unterschiedliche Arten von DSL-Angeboten
Doch es spielt auch eine Rolle, wohin der Kunde wechselt. Denn es gibt zwei unterschiedliche Arten von DSL-Angeboten, den Komplett- und den Resale-Anschluss (siehe Tabelle). Beim Komplettanschluss kommen DSL und Telefon aus einer Hand. Resale heißt Wiederverkauf, und der Anschluss wird deshalb so genannt, weil alle Anbieter ihren Kunden dabei letztlich die DSL-Leitung der Telekom weiterverkaufen. Die Resale-Anbieter werben oft mit Preisen unter 20 Euro. Im Kleingedruckten steht dann aber: Ein Telefonanschluss von der Telekom ist nötig. Und der kostet noch mindestens 16 Euro zusätzlich.
Bei einem Resale-Anschluss verliert die Telekom weniger Geld als bei einem Komplettanschluss. Claas Voigt, der die Internet-Zugangssparte bei Freenet leitet, vermutet, Telekom-Techniker gäben einen Kunden darum schneller ab, wenn er zu einem Resale-Tarif wechselt, als wenn er den kompletten Telekom-Anschluss aufgibt. Voigt kann das vergleichen, denn Freenet bietet beide Anschlussarten an. Es geht aber nicht nur um die Bereitschaft der Telekom, sondern auch um den Ablauf beim Umschalten: die Absprachen und technischen Umstellungen. Die sind bei einem Wechsel von der Telekom zum Resale-Anbieter oft einfacher als zu einem anderen Komplettanschluss.
Viel Raum für Missverständnisse
Doch Vorsicht: Wer schon so einen Resale-Tarif hat, bei dem kann der Wechsel zu einem anderen Resale-Anbieter schwierig werden. Denn dabei müssen sich drei Firmen koordinieren: die alte, die neue - und die Telekom, der ja immer noch die Technik gehört. Da ist viel Raum für Missverständnisse und Absprachefehler.
In solchen Fällen empfiehlt Voigt, einen Komplettanschluss zu wählen. Die Preisunterschiede sind meist klein. Bei einem Wechsel zum Komplettanschluss ist die Kommunikation einfacher, und der neue Anbieter hat seine DSL-Anschlüsse selbst unter Kontrolle. Aber wer gleich den ganzen Telefonanschluss wechselt, hat auch mehr zu verlieren. Wenn es Schwierigkeiten gibt, liegt nicht nur der Internetanschluss lahm, sondern auch noch das Telefon.
Manchmal spielt nämlich auch die Technik nicht mit. Dann kann der Kunde gar nichts tun. Diese Gefahr besteht zum Beispiel, wenn der DSL-Anschluss schon vor dem Wechsel gelegentlich Probleme gemacht hat, wie Experten erzählen. Oder dann, wenn der neue Anbieter eine andere Geschwindigkeit verspricht als der alte. Wer dann den alten Anschluss zu früh gekündigt hat, hat ein Problem. Anke Kirchner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt deshalb, den alten Anschluss nicht selbst zu kündigen, sondern das den neuen Anbieter machen zu lassen - der kann besser abschätzen, wann das nötig ist.
So wechseln Sie Ihren DSL-Anschluss
1. Neuen Anbieter aussuchen
Ungeeignet sind ganz frische Tarife, für die gerade viel Werbung gemacht wird. Oft sind die Anbieter dann mit dem Ansturm der Kunden überlastet. Besser ist es, zwei oder drei Wochen zu warten oder einen anderen Anbieter zu wählen. Wer von der Telekom kommt, sollte eher ein Resale-Angebot nehmen. Wer so eines schon hat, sollte lieber den kompletten Anschluss wechseln. Wer einen Komplettanschluss hat, aber nicht von der Telekom, bei dem ist das egal.
2. Schätzen, wie schwierig der Wechsel wird
Je wackeliger die Leitung heute schon ist, desto eher gibt es Probleme beim Wechsel. Verspricht der neue Anbieter eine andere Internet-Geschwindigkeit als der alte? Auch dann können Schwierigkeiten auftreten.
3. Mit dem alten Anbieter telefonieren
Drei Fragen sind wichtig: Zu welchem Termin darf ich kündigen? Stimmen alle Namen und Adressen, ist vor allem der richtige Anschluss-Inhaber eingetragen? Die Angabe muss in jedem Detail mit der beim neuen Anbieter übereinstimmen. Und hat der alte Anbieter ebenfalls einen guten Tarif im Programm, so dass man auf den Anbieterwechsel verzichten kann?
4. Den neuen Anschluss anmelden
Möglichst einen verbindlichen Termin für den Vertragsbeginn vereinbaren. Und: Der Kunde kündigt den alten DSL-Anschluss am besten nicht selbst, sondern überlässt das der neuen Firma. So lassen sich Kündigungs- und Liefertermine am besten aufeinander abstimmen.
5. Geduld haben
Eine Woche ohne Internet ist immer noch normal - auch wenn der Wechsel noch so gut vorbereitet ist.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.04.2007, Nr. 15 / Seite 45
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
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Grüner die Glocken nie klingen
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