Mikroelektronik

Dresden verliert Kampf um neues Halbleiterwerk

Asiaten produzieren Siliziumscheiben billiger

Asiaten produzieren Siliziumscheiben billiger

07. Juli 2006 Dresden hat den Kampf um die Ansiedlung eines neuen Halbleiterwerkes verloren. Der französischen Halbleiterhersteller und AMD-Zulieferer Soitec baut seine Wafer-Fabrik in Singapur und nicht in der sächsischen Landeshauptstadt, wie eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Freitag in Dresden bestätigte. Dresden hatte es unter 24 Bewerbern bis unter die letzten zwei geschafft.

Laut einem Bericht der „Sächsischen Zeitung“ waren am Ende die „Billigargumente“ für den Standort in Asien ausschlaggebend. Soitec will demnach 350 Millionen Euro in seine neue Fabrik investieren und 500 Jobs schaffen.

Mit mehrjähriger Steuerbefreiung gelockt

Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) nannte die Entscheidung „sehr bedauerlich“. Letztlich handele es sich aber um eine unternehmerische Entscheidung von Soitec, die akzeptiert werden müsse. Laut dem Zeitungsbericht hatten sich sächsische Wirtschaftsförderer knapp ein Jahr lang um die Franzosen bemüht. Alles habe auf einen Dresdner Erfolg hingedeutet, zumal Soitecs Großkunde AMD gerade erst verkündet hatte, eine weitere Milliarde Euro zu investieren und seine Produktion in Dresden zu vervierfachen. Aber neben dem vermeintlichen amerikanischen Hauptkonkurrenten East Fishkill seien neue Konkurrenten aufgetaucht, die in Fernost mit mehrjähriger Steuerbefreiung gelockt hätten. Nach Angaben von Insidern seien die Franzosen auch durch die hohen Energie- und
Wasserpreise verschreckt worden.

„Silicon Saxony“

Wafer sind wenige Millimeter dicke Siliziumscheiben, auf der in der Halbleiterindustrie elektronische Bauelemente oder integrierte Schaltkreise (Chip) gefertigt werden. Die Soitec SA ist 1992 aus dem Forschungszentrum Leti in Grenoble hervorgegangen und sitzt im nahen Bernin. Die Franzosen bieten dem Bericht zufolge eine Produktionstechnologie an, welche die Hersteller in die Lage versetzt, Chips mit höherer Leistungsfähigkeit bei geringerem Strom zu produzieren. Im vergangenen Geschäftsjahr kletterte der Soitec-Umsatz laut Bericht um 90 Prozent auf 263 Millionen Euro.

Die Mikroelektronik ist in Sachsen einer der wichtigsten Industriezweige. Der Standort Dresden wird in Anspielung auf das kalifornische Silicon Valley auch „Silicon Saxony“ genannt. Nach Angaben der Landesregierung sind im Bereich der Informationstechnologie in Sachsen rund 1500 Unternehmen mit rund 43.000 Mitarbeitern aktiv. Davon seien mehr als 200 Unternehmen mit mehr als 20.000 Arbeitnehmern der Mikroelektronik zuzurechnen. Sie kommen auf einen Jahresumsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Allein die sieben größten Unternehmen Infineon, Qimonda, AMD, ZMD, AMTC, Toppan und Photronics beschäftigen direkt mehr als 9000 Mitarbeiter.

Text: AFP
Bildmaterial: AP

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