E-Book-Reader

Txtr bietet Amazon und Sony die Stirn

Von Marco Dettweiler

„Super simpel, nur eine Sache, immer online und noch reduzierter als der Kindle“ soll der Txtr sein

„Super simpel, nur eine Sache, immer online und noch reduzierter als der Kindle“ soll der Txtr sein

16. Oktober 2009 Auf der Buchmesse begegnet der Besucher digitalen Büchern und Lesegeräten zwar immer nur am Rande. Aber es ist deutlich spürbar, dass E-Books nicht nur eine Modeerscheinung sind, sondern eine Alternative zum gedruckten Buch werden können. Die Beispiele von zwei jungen Start-up-Unternehmen aus Berlin und Zürich zeigen, dass es durchaus unterschiedliche Vorstellungen gibt, wie die digitale Zukunft des Buches aussehen könnte.

„Wir starteten vor zwei Jahren mit einer weißen Seite“, sagt Kuno Jung. Der Chef von Blankpage erklärt mit diesen Worten in starkem Schweizer Akzent, wie das Unternehmen mit seinen gerade mal fünf Mitarbeitern zu seinem Namen gekommen ist. Was Jung in Frankfurt den Besuchern präsentiert, sind keine beschriebenen Seiten, wie man sie von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen kennt. „Akilibooks“, wie er sein Produkt nennt, sind bunt. Sie enthalten Bilder, Links, Hörbeispiele und kurze Videofilme. Ausgangsmaterial für das Konzept sind bestehende Bücher, die in elektronische Akilibooks umgesetzt werden sollen. Jung denkt zunächst vor allem an Lehrbücher. Cambridge University Press und andere Verlage konnten als Partner bereits gewonnen werden.

Lehrer oder Professoren könnten die Lernschritte verfolgen

Mit 319 Euro wird der Txtr dann teurer sein als der Kindle oder die Touch Edition von Sony

Mit 319 Euro wird der Txtr dann teurer sein als der Kindle oder die Touch Edition von Sony

Um das Lehrmaterial multimedial und interaktiv aufzubereiten, benutzen die Verlage spezielle Software, die Blankpage zur Verfügung stellt. Ein Biologie-Lehrbuch über Vögel enthält dann nicht nur Bilder der verschiedenen Arten, sondern im E-Book abspielbare Audio-Dateien mit den Stimmen der Tiere. In Videos wird das Flugverhalten erklärt. Hinweise verweisen auf externes Material. Dazwischen können die Lernenden ihr Wissen überprüfen, indem sie Fragen beantworten. Lehrer oder Professoren könnten die Lernschritte ihrer Schüler und Studenten direkt verfolgen – oder gar kontrollieren.

Um dieses Lehr-Lern-Verhältnis so umsetzen zu können, ist eine besondere Infrastruktur notwendig. Die auf Akilibooks.com gekauften Bücher können Kunden auf bis zu fünf Endgeräte verteilen. Der Lernende lädt sich also ein Lehrbuch etwa auf seinen Heimrechner, Notebook und iPhone. Damit ist er flexibel, wann und wo er seine Hausaufgaben macht. Alle Aktionen wie Markierungen, Fußnoten oder Antworten werden „in the cloud“ auf Servern gespeichert.

Eine nahezu erotische Ausstrahlung

Das Berliner Unternehmen Txtr unterscheidet sich von Blankpage nicht nur im Konzept, wie man mit E-Books Geld verdienen will. Christophe F. Maire, seit wenigen Wochen Vorstand bei Txtr, wirkt mit seinen grauen Haaren und dem französischen Akzent international und professionell, fast wie ein Verkäufer – und ist somit so ziemlich das Gegenteil von Kuno Jung. Maire hat Erfahrung mit digitalem Inhalt. Er war Mitgründer der Gate5 AG, die von Nokia übernommen wurde, um die Navigationssoftware weiterzuentwickeln. Bei der Txtr GmbH wirbt er nun für Hardware. Der E-Book-Reader, der erstmals auf der Buchmesse vorgestellt wurde, zieht das Interesse der Besucher deutlich auf sich. Anders als der Kindle (von Amazon) oder der Sony-Reader hat dieses Lesegerät eine nahezu erotische Ausstrahlung.

Offensichtlich haben sich die Entwickler im Vorfeld genügend Gedanken gemacht, wie ein digitales Lesegerät aussehen sollte und was es können muss. „Super simpel, nur eine Sache, immer online und noch reduzierter als der Kindle“ soll der Txtr sein, sagt Maire. Und sein Minimalismus geht auf. Das Gerät wirkt viel kleiner als andere Lesegeräte, obwohl es auch ein 6-Zoll-Display hat. Zudem gibt es nur drei Bedientasten. Auf die Touchscreen-Funktionalität wurde verzichtet, um bessere Lesbarkeit zu garantieren. Bei der Vorführung der Prototypen auf der Buchmesse hakte es noch etwas an verschiedenen Stellen. Aber bis November wollen die Entwickler noch daran feilen. Auf die Software können sich Programmierer schon einmal freuen. Denn die wird offen sein.

Die „einzige komplette Lösung“

Am 1. Dezember startet der Verkauf. Mit 319 Euro wird der Txtr dann teurer sein als der Kindle oder die Touch Edition von Sony. 20.000 deutschsprachige Bücher stehen zur Verfügung. Ein Buch kann auf zwei Wegen auf dem Txtr gelanden: Entweder kauft der Kunde via integrierter Edge-Funkverbindung im Txtr-Store ein – ähnlich wie mit dem Kindle auf amazon.com. Oder er besorgt sich den Titel im Internet und zieht ihn per USB-Verbindung auf das Lesegerät.

„Akilibooks“ enthalten Bilder, Links, Hörbeispiele und kurze Videofilme

„Akilibooks“ enthalten Bilder, Links, Hörbeispiele und kurze Videofilme

Um sich gegenüber der Konkurrenz gut positionieren zu können, bietet Txtr laut Maire die „einzige komplette Lösung“ an. Auf txtr.com können die Besitzer des Readers nicht nur ihre Bücher online speichern, sondern auch Word-Dokumente, PDF-Dateien, Excel-Tabellen oder Powerpoint-Präsentationen mit anderen Nutzern teilen. Txtr.com fungiert dann wie eine Art private Tauschbörse – für die der Nutzer allerdings monatlich mindestens 10 Euro bezahlen muss.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Anna Jockisch, dpa, Hersteller

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