New Kids on the Block im Interview

„Wir sind nicht neu, wir sind nicht jung, was soll's?“

14. Juli 2008 Sie waren die Mutter aller Boybands, die bestbezahlten Entertainer der Welt, sie haben achtzig Millionen Platten redigiert. Jetzt sind sie um die vierzig: Vierzehn Jahre nach der Trennung sind die New Kids on the Block zurück. Im Interview erklären Donnie und Danny, warum.

Um ehrlich zu sein, als ich gehört habe, dass es ein Comeback der New Kids on the Block gibt, dachte ich, das klingt tragisch.

Donnie Wahlberg: Warum?

Na ja, Sie sind nicht mehr New, Sie sind keine Kids mehr . . .

Die Beach Boys sind auch keine Boys mehr.

Nach vierzehn Jahren: Was treibt erwachsene Männer, wieder zu fünft nebeneinander einstudierte Choreographien vorzuführen?

Für mich persönlich war es so, dass ich nach der Auflösung der New Kids eine tolle Karriere hatte. Und für ein paar andere der Jungs gilt das auch. Ich habe mit einigen der besten Regisseure und Schauspieler der Welt gearbeitet, ich bin ein respektierter Schauspieler, ich möchte nicht wirken, als ob ich angebe, aber um Ihre Frage zu beantworten . . . Warum wir wieder zusammen sind? Ich habe eine Platte gefunden, in die wir uns verliebt haben. Ich habe die Musik gefunden, ich mochte sie, ich wollte sie singen . . .

Wie finden Sie Musik?

Ich drehte gerade mit Robert de Niro und Al Pacino in New York, und ich habe unseren alten Musikrechtsanwalt besucht, nur so, um hallo zu sagen. Und er gab mir eine CD, ein Demo-Tape von einem kanadischen Singer-Songwriter, und er sagte, hör's dir mal an, ich hab's selbst noch nicht gehört. Und es hat mich sofort berührt. So ein schöner Song.

Die Single „Summertime“?

Nein, der Song heißt „Click Click Click“.

Bisher hat man nur die Single hören dürfen.

Ich habe den Song Jordan vorgespielt, und er war einverstanden, mitzumachen, wenn ich die Aufnahme finanzieren würde. Und Joe und Danny und John waren auch einverstanden. Und dann hat es so viel Spaß gemacht, dass wir danach noch einen Song aufgenommen haben. Und dann entschied ich, dass ich ein ganzes Album vorfinanzieren würde, und wir haben dann ein halbes Jahr dran gearbeitet. Wir alleine. Ich habe Fotoshootings organisiert und finanziert, die Flüge, alles. Es war ein großes Risiko.

Haben Sie kurz darüber nachgedacht, Ihren Namen zu ändern?

Nein. Wir sind, wer wir sind. Wir sind nicht neu, und wir sind keine Kids, aber was soll's? Green Day sind auch nicht grün. Das ist nur ein Name. Und es ist ein Name, den Leute erkennen. Und ich will Sie nicht kritisieren, aber die Leute fragen doch auch andere Bands nicht nach deren Namen. Die Leute fragen uns, ob wir unser ganzes Geld durchgebracht haben, dass wir wieder Musik machen . . . Aber warum fragt das niemand die Rolling Stones? Die Leute fragen erwachsene Bands nicht danach . . .

Die Rolling Stones spielen Instrumente. Die Rolling Stones tanzen keine einstudierten Choreographien.

Sie spielen Instrumente? Und was hat das mit irgendwas zu tun? Ich habe Nummer-1-Platten geschrieben, ich habe Nummer-1-Platten produziert . . .

Danny Wood: Woher wollen Sie wissen, dass wir keine Instrumente spielen?

Keine Ahnung, spielen Sie?

Ja, ich spiele Gitarre.

Wie gesagt, bisher ist nur die erste Single bekannt, und da spielen Sie kein Instrument.

Wahlberg: Ich verstehe nicht, was daran so wichtig sein soll, ein Instrument zu spielen. Frank Sinatra hat kein Instrument gespielt, und er ist eine der größten Sängerlegenden aller Zeiten. Nicht dass ich uns mit Frank Sinatra vergleichen will . . . Ich bin selbst ein Instrument. Ich bin ein Entertainer. Ich schreibe Songs, ich produziere Songs, ich habe Hits geschrieben, ich habe Hits produziert, ich singe Hits . . .

Hatten Sie denn nach der Auflösung der New Kids on the Block nie den Wunsch, etwas ganz anderes zu machen? Vielleicht noch zu studieren? Sie waren so jung, als Ihre Band sich auflöste, Sie waren alle Anfang, Mitte zwanzig.

Wood: Ja, aber wir haben doch ganz andere Sachen gemacht. Ich habe vier Kinder. Eins von ihnen, ein Mädchen, habe ich in Russland adoptiert. Sie war elf Monate alt und hat elf Pfund gewogen. Ich meine, das Leben besteht doch aus mehr als Musik oder den New Kids.

Ich frage, weil ich es wirklich verstehen will: Fühlt es sich nicht wie ein Schritt zurück an, da weiterzumachen, wo Sie vor vierzehn Jahren aufgehört haben?

Das würde es, wenn wir es aus den falschen Gründen machen würden. So ist es ein Schritt nach vorne. Wenn Sie das ganze Album hören, werden Sie das verstehen.

Es geht also um die Musik dieses Mal.

Absolut. Sonst würden wir es nicht machen. Es ist wie früher, aber mit einer viel höheren musikalischen Qualität.

Bisher kenne ich ja nur das Video zur ersten Single. Und da, entschuldigen Sie, ist doch alles ganz genau wie früher. Sie tanzen mit nackten Oberkörpern am Strand, es sind hübsche Mädchen da, Sie sind braungebrannt, muskulös . . . Und die Musik, nun ja.

Wahlberg: Eigentlich hätte ein anderer Song die erste Single werden sollen, ein Song, in dem ich das Scheitern meiner Ehe verarbeite. Aber es schien nicht richtig für die Band, sich damit zurückzumelden. Da geht es um mein persönliches Leben, nicht um die Band als Ganzes. „Summertime“ war halt ein guter Song für den Sommer, um ehrlich zu sein. Man wird erst mit den nächsten beiden Singles sehen, wo wir heute stehen.

Das wird interessant sein, denn Sie waren sozusagen der Prototyp für all die Boybands, die nach Ihnen kamen, Take That, N Sync, Backstreet Boys . . . Jetzt könnten Sie der Prototyp für in die Jahre gekommene Boybands werden. Sagt man Menband?

Wahlberg: Ich kann Folgendes sagen: Man weiß nie, wie es richtig geht. Man kann nur versuchen, sein Bestes zu geben. Es gibt viele Leute, die das Video von „Summertime“ sehen und sagen, okay, die sind ehrlich. Und andere sehen es und sagen, die machen ja immer noch denselben Pop. Und wenn wir ein dunkleres Album gemacht hätten, hätte es Leute gegeben, die das blöd gefunden hätten. Wir können es nicht allen recht machen. Ich hätte irrsinnig gerne eine andere Single als erste ausgekoppelt.

Ich meinte etwas anderes. Sie sind jetzt eigentlich das Gegenteil von dem, was man sich unter einer Boyband vorstellt. Sie sind verheiratet oder geschieden, haben Kinder. Von Boybands wird erwartet, dass sie wirken, als wären sie frei. Sie sollen Projektionsflächen sein. Man hat Ihnen doch früher bestimmt gesagt, Sie sollten Ihr Privatleben geheim halten.

Nein, hat man nicht. Sehen Sie, in Amerika gab es nur die Backstreet Boys und N Sync, hier in Europa gab es viel mehr Boybands. Deshalb denkt man hier, es gäbe eine Formel, eine Blaupause, dass man denen sagen würde, wie sie sich zu geben hätten . . . Bei uns war das nicht so. Niemand hat uns damals gesagt, wie wir zu sein haben, denn niemand wusste, was man uns hätte sagen sollen. Verstehen Sie?

Wood: Für uns gab es keine Blaupause, wir waren die Blaupause. In jeder Hinsicht. Die Plattenfirma hat auf unseren Erfolg reagiert, sie hatte keinen Plan.

Und was für ein Erfolg: achtzig Millionen verkaufte Platten!

Wahlberg: Das war eher Zufall. Der Marketingplan der Plattenfirma war falsch. Die Plattenfirma wollte uns über die Urban-Radiostationen vermarkten. Ihr Plan war, dass wir weiße Jungs waren, die wie schwarze Jungs klangen - wir sollten alle narren, und das schwarze Publikum würde uns mögen, bevor es herausfinden würde, dass wir weiß wären. Das funktionierte nicht. Der Plan ging schief. Und dann spielte uns eine Popradiostation, und die Reaktion war umwerfend. Und so merkte die Plattenfirma, dass sie den Kurs ändern musste, sie vermarktete uns dann als Pop, und alle stürzten sich wie die Geier auf uns. Spätere Boybands wurden nach uns geformt. Da hieß es, lass es uns genauso machen, wir brauchen einen Coolen, einen Schüchternen, einen Guten, einen Starken und so weiter. Ich sollte bei uns wohl der Starke sein. Aber ich war einfach nur, wer ich war.

1990 waren Sie die bestbezahlten Entertainer der Welt, Sie waren mal unglaublich berühmt. Was ist schwieriger zu ertragen: Wenn ständig Fans das Haus belagern, oder wenn keine Fans mehr das Haus belagern?

Es ist alles Teil des Lebens, es gehört zum Erwachsenwerden. Manche Leute trinken viel, wenn sie jung sind, machen viel Party. Wenn sie damit aufhören, fehlt ihnen etwas. Man kann sich fragen: was ist besser, ein Leben mit Partys oder eins ohne? Keins von beiden ist die richtige Antwort. Im Leben geht es um andere Dinge.

Aber es muss doch schwierig sein, vom Gipfel des Ruhms wieder herunterzukommen. Ihre letzte Tour 1994 spielten Sie in viel kleineren Hallen als zuvor. Alles total egal?

Das wird jeder aus der Band unterschiedlich beantworten. Bei mir war es so: Ich habe das akzeptiert. Klar gibt es Momente, da fühlt man sich wie in einer Achterbahn. Eben noch war man im höchsten Hoch, und dann geht es runter, und die Welle der Energie ist weg, und du bist plötzlich allein und denkst, und jetzt? Dann muss man sich daran erinnern, dass es nicht um Ruhm ging. Man muss dann etwas anderes finden, mit dem man sich wieder auf eine Achterbahnfahrt begeben kann. Ob das nun als Klempner ist, als Vater, als Schauspieler . . . Etwas Neues zu finden, das einen wieder so fesselt, das ist die Herausforderung.

Wenn Sie jetzt wieder als Band Fotos machen, posieren, tanzen - fühlt sich das nicht an wie ein schreckliches Déjà-vu?

Manchmal. Aber da stehen wir drüber.

Mussten Sie Ihren Tanzstil Ihrem Alter anpassen, damit es nicht albern wirkt? Oder werden Sie auf der Bühne wieder genauso tanzen wie früher?

Wir sind heute besser.

Im Tanzen?

Wir sind besser. Wir sind alle in super Form. Keiner ist fett geworden.

Sie sind heute in besserer Form als mit Anfang zwanzig?

Wood: Ich ja.

Wahlberg: Gucken Sie seine Muskeln an!

Wood: Ich bin vor drei Jahren den Miami Marathon gerannt, ich bin nie einen Marathon gelaufen als ich noch bei den New Kids war. Ich bin heute besser in Form. Wir wissen heute sehr genau, was wir tun, wissen aber auch, wie diese jugendliche Energie zu kontrollieren ist. Wir sind heute alle reif.

Haben Sie alle aufgehört zu rauchen, zu trinken wie der Rest der Welt?

Wood: Ich habe nie viel getrunken.

Also waren Sie nie eine wilde jugendliche Boygroup?

Wahlberg: Wir hatten unsere Momente, oh ja. Aber es ist nie außer Kontrolle geraten. Wir hatten Glück.

Ist nicht einer von Ihnen einmal verhaftet worden, weil er einen Hotelteppich in Brand setzte?

Wahlberg: Ich. Aber ich habe keinen Teppich in Brand gesetzt.

Wood: Er hat mit dem Feuerlöscher herumgespritzt. Es sollte ein Streich werden. Ich war da. Da war kein Feuer.

Wahlberg: Da war so viel Feuer in dem Raum, wie in diesem Raum hier gerade Feuer ist, und man hat mir gedroht, mich für zwanzig Jahre ins Gefängnis zu stecken. Es war kompletter Pferdemist. Das war eine traurige Zeit.

War das die einzige Verhaftung?

Ach, was weiß ich.

Okay, sprechen wir über etwas anderes. Stimmt, was im Internet zu lesen ist - Sie werden mit Michael Jackson ins Studio gehen?

Michael Jackson?

Sie hätten ihn letzte Woche getroffen, heißt es.

Nein. Ich sollte ihn am 4. Juli in Las Vegas treffen, aber das kam nicht zustande, und es hätte auch nichts mit unserer Platte zu tun gehabt. Einer unserer Produzenten arbeitet mit ihm, und ich habe irgendeinen Witz darüber auf unserer Pressekonferenz gemacht. Es ist lustig zu sehen, wie man jetzt wieder alles sagen kann oder nicht, und es geht herum. Ich habe auch gelesen, wir würden mit Madonna arbeiten.

Ja, und mit Timbaland.

Timbaland stimmt.

Wie viel müssen Sie Timbaland zahlen, damit er mit Ihnen arbeitet?

Wood: Das wissen wir noch nicht.

Wahlberg: Ich weiß es, aber ich sage es Ihnen nicht.

Was muss passieren, damit Sie das Comeback als Erfolg werten?

Wood: Das ist schon passiert.

Wahlberg: Die US-Tour ist schon fast ausverkauft, es ist unglaublich. Wir haben eine großartige Platte gemacht, wir haben eine Plattenfirma gefunden, die diese Platte wollte. Alles Weitere ist ein Geschenk. Lassen Sie mich noch Folgendes sagen, einfach wegen der Richtung, in die dieses Interview ging: Die Preise für unsere Konzertkarten sind so niedrig wie möglich. Wir wollen niemanden ausnutzen, wir wollen uns an niemandem bereichern. Man hat uns oft ausgenutzt. Wir waren erfolgreich, wir haben viel Geld gemacht, wie hatten Hits, aber - man hat oft nicht in unserem Interesse gehandelt. Wir wollen das jetzt anders machen: Wir wollen etwas machen, das genauso in unserem Interesse ist wie in dem des Publikums. So. Vielen Dank.

Interview Johanna Adorján

Die Single „Summertime“ wird im August bei Universal veröffentlicht, das Album dann im September.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: AP, Associated Press, dpa, Olaf Heine/Universal, REUTERS

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