Bei EMI unter Vertrag: Kylie Minogue

Musikindustrie

Mit dem Schampus ist jetzt Schluss

Die Musikindustrie stirbt einen Tod auf Raten. Der kriselnde Musikkonzern EMI hat einen radikalen Sparkurs angekündigt. Vor allem die Marketing-Budgets sollen zusammengestrichen werden. Das ist an Absurdität kaum zu übertreffen. Von Richard Kämmerlings

Lesermeinungen zum Beitrag

08. Januar 2008 02:22

Frage an den Autor:

Normann Hillesheim (EinTon)

Welche Hits (sagen wir mal, Top-40- oder wenigstens Top-100-Hits) sollen denn in letzter Zeit konkret "im Schlafzimmer irgendwelcher Soundbastler" produziert und im Eigenvertrieb (dh. ohne Plattenfirma) vermarktet worden sein?

MFG,

Normann Hillesheim

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
07. Januar 2008 20:47

Extrem naive Sichtweise

Michael Kubert (kubert)

Die Größe der Firmen hat auch Vorteile: Warum soll denn jeder Künstler seinen eigenen Shop hochziehen, inclusive kostenintensiver Inkassofunktion und zig rechtlicher Fallstricke (zig unterschiedliche Verbraucherrechte bei internationalem Vertrieb, Abmahnfallen, Umsatzsteuerproblemen usw.)? Im positiven Sinne kann Größe auch Effizienz bringen. Wer als Einzelkünstler seine Kosten und sein Risiko erhöht durch eigenen Vertrieb, dem bleibt weniger Zeit für die Kunst.

Die Kalkulation im Plattengeschäft kenne ich nicht. Aus dem Buchbereich kenne ich jedoch folgende (grobe) Geldverteilung: 10,70 Kaufpreis = 0,70 Euro Umsatzsteuer + 4 Euro Verkäufermarge (Buchladen: Verkauf und Inkasso) + 2,5 Euro Grossist (Lagerhaltung/Distribution) + 1,50 Euro Herstellungspreis (Druckerei) + 1 Euro Autor(en) + 1 Euro Verlag (Lektorat, Vertrieb, Werbung gegenüber Distributoren und Buchläden, Rechteabklärung). Die "böse" Verlagsindustrie bekommt gerade einmal 10% und zahlt davon noch ihre Kosten.

Ferner unterschätzt der Autor die Studio-Kosten völlig. Zum Vergleich aus der eLearning-Literatur: 1 Stunde Kurs = 600 Stunden Erstellungsaufwand.

Und: gute Mitarbeiter wollen gutes Geld. Bei den heutigen Erwartungen der Kunden kommt kein Heimstudio mit.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
07. Januar 2008 17:59

Wer zu spät kommt...

Andreas Bächtle (Andreas_B.)

...den bestraft das Leben! Die Großkonzerne der Musikindustrie haben schlicht und ergreifend die Zeit verpennt, und die Entwicklung des Internets lange zeit Ignoriert, das rächt sich jetzt.
Hinzu kommt eine Preispolitik die niemand versteht, jedenfalls sind scheinbar sehr viele Konsumenten nicht mehr bereit, die von der Musikindustrie geforderten Preise zu bezahlen. Ob das nun an zu großen Marketing-Budgets, überhöhten Künstler Tantiemen, respektive Managergehältern oder an der Rendite der Gesellschafter liegt, sei dahingestellt. Ein Produkt lässt sich nur dann verkaufen, wenn der Preis angemessen ist bzw. die Kunden bereit sind diesen Preis zu bezahlen. Da helfen auch keine "Raubkopierer sind Verbrecher"-Spots, Kopiert wurde schon seit es Tonbänder und Mc`s gibt und nicht erst seit Napster. Die letzten Kunden die sie noch haben, vergraulen sie durch Kopiergeschützte Cd´s die nur noch zum basteln eines Mobiles taugen, da nicht mehr abspielbar, oder verseucht mit gefährliche "Root-Kits" wie sie Sony Musik auf ihren Silberlingen in Umlauf gebracht hat, die Hackergemeinde dürfte sich gefreut haben.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
07. Januar 2008 11:45

Musik ist teuer

Ralf Schelberg (ralfsb)

jedenfalls in Relation zu anderen Produkten und Dienstleistungen. Wenn man sich überlegt, das man für 5 Minuten Unterhaltung 1 Euro und mehr bezahlen soll kommt man im Kino wesentlich billiger weg. Vom Fernsehen / DVD ganz zu schweigen.
Ich glaube schon das die Plattenlabels eine Zukunft haben können, wenn sie sich auf ihre Stärken besinnen und die Preisschraube nicht ständig überdrehen würden.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
07. Januar 2008 07:46

Die Musikindustrie stirbt einen Tod auf Raten. ...

Stephan Jansen (StephanJan)

...den sie selbst Anfang der 90er begründet hat. Gehen wir in der deutschen Historie des Tonträgermarktes zu dieser Zeit zurück. da gab es einen Herrn Fest von der EMI 'Mir ist egal, worauf (welches Medium) Musik veröffentlicht wird....und wenn es Bananenschalen sind', oder auch einen Herrn 'Onkel Thomas' Stein von der Ariola 'Wir müssen uns darauf einstellen, dass die CD über kurz oder lang 50DM (heutige ca. inflationsbereinigte 40€!!!) kosten wird'. Sprüche, die nunmal nicht auf ein besonders kreatives Managment schliessen liessen. Zuwachszahlen und Rendite wurden seit jenen Tagen ausschliesslich auf Grund des tödlichen Verdrängungswettbewerbes der Elektronikmärkte und der damit verbundenen unrealistischen, weil ihrer Wertschöpfung beraubten (unter Einstandspreis), Verkaufszahlen erzielt. Auf Grund des geänderten Freizeit- und Kaufverhaltens der - meist jugendlichen - Käufer geriet der Tonträger immer weiter ins Hintertreffen und war somit als Lockvogelangebot nicht mehr interressant. Als letzte in der Nahrungskette lernt nun mal die Tonträgerindustrie von heute, wie tödlich dieser Verdrängungswettbewerb tatsächlich war. Wir sollten sie, ohne übermässige Trauer, sterben lassen. Sie hat sich ihrer Lebensgrundlage selbst beraubt.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
07. Januar 2008 00:32

Hausaufgabe für EMI, WEA & Co.

Arnfried Reinisch (habe_nix)

Was will der Fan? Beispiel Paul McCartney :

Lp Wings London Town 1978 Vinyl 14 Songs; Preis ( in den 1980ern Umgerechnet) 10,- € mit Großem Poster, Songtexten und Bildern auf dem Innen-Cover Plus Kommentar von Macca persönlich ins Deutsche übersetzt.

CD; Wings London Town 1998 16 Songs; Preis bis zu 21,95 € Mageres Mini Booklet; alles winzig klein, keine weiteren zugaben ( wohlgemerkt 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung).

via Internet 2007; 14 Songs; a`0.99€ = 13,86 Ohne alles (kein Poster; keine Songtexte; kein Coverfoto.... u.v.m. 30 Jahre nach der Erstveröffentlichung.)
Hinzu kommt bereithalten eines PC's mit DSL-Anschluss plus Drucker mit Druckerfarbe und Fotopapier und Brenner; Software, Rohling mit Hülle.

Wobei die Herstellung einer Vinyl LP zehn mal Teurer war als die bei einer CD,
und kopiert wurde in den '70er auch schon auf hohem Niveau.

dazu kann ich nur sagen: Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse(Fan), aber nicht für jedermanns Gier (EMI, WEA & Co.).
Selbst Schuld Musikindustrie..........

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
06. Januar 2008 23:40

Die Plattenindustrie hat schon lange abgedankt

TOBIAS RÜGER (t.ruger)

Entdeckung und Aufbau junger Talente, das hatte die Plattenindustrie schon in den 80ern aufgegeben. Eigene Studios haben bei den Firmen seit dieser Zeit auch keine Rolle mehr gespielt. Das seit zwei Jahrzehnten gültige Modell ist der Bandübernahme-Vertrag, bei dem die Industrie das von den Künstlern bzw. deren Förderern produzierte musikalische Endprodukt lediglich mit einer Vermarktungsstrategie versieht und dann davon Tonträger herstellen und ausliefern lässt.
<br>Wenn aber die Kernarbeit sowieso nicht von der Plattenindustrie geleistet wird, liegt es für die Musikschaffenden nahe, auch den Vertrieb selbst zu betreiben. Vor dem Internet-Zeitalter war dies schlichtweg nicht möglich, heute ist es aber eine überschaubare Aufgabe.
<br>Die Musikindustrie wird dieses, ihr, Problem nur mit einer langfristigen Strategie bewältigen können. Zunächst einmal muss sie für kompetenteres Personal sorgen. Die Mehrzahl der Entscheider verfügt nur über Qualifikation im wirtschaftlichen bzw. Vermarktungsbereich. Kenntnisse von Musik- und Kulturgeschichte sind die Ausnahme, kaum einer kann selbst ein Instrument spielen. Auf diesem Humus kann nichts dauerhaftes wachsen.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
06. Januar 2008 22:41

Musikalischer Einheitsbrei ist nur noch schwer zu ertragen...

Björn Bierström (bierstroem)

Das Problem sind ja auch nicht nur die Qualität der Songs, sondern die Tatsache, daß gerade die "Hits" am Tag bis zu einem dutzend mal im Radio hoch- und runtergedudelt werden. Das hält doch kein Mensch mehr aus.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
06. Januar 2008 22:13

Naiv !

Klaus P. Lücke (microplan2002)

'Um neue Musiker zu entdecken, bedarf es heute nur noch einiger Mausclicks' - ach ja !? 'In Zeiten, da Hits im Schlafzimmer irgendwelcher Soundbastler produziert werden, fallen teure Studios ebenfalls kaum mehr ins Gewicht...'- tatsächlich !? '...den Vertrieb organisiert heute selbst der letzte Hippieklampfer ..'. Wie bitte !?

Das meinen Sie doch wohl nicht ernst !??? Hoch lebe der Dilettantismus !? Jedenfalls, den Schrott, der aus der geschilderten Kreativitätsfolge kriechen wird, möchte ich mir nicht anhören müssen ...

P.S.: Im Sinne der Finanzanalyse wäre nach den FAZ-Theorien die Musikszene damit ein völlig 'effizienter Markt'. Alles wäre entdeckt und richtig bewertet. Wer's glaubt, wird selig.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
1 - 9 von 9 Lesermeinungen
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche