Fernsehen

Phoenix zeigt "Cat Stevens - Eine wahre Geschichte" des Pop

Von Edo Reents

Das Leben des Yusuf Islam ist voller Wunder. Phoenix zeigt “Cat Stevens - Eine wahre Geschichte“

Das Leben des Yusuf Islam ist voller Wunder. Phoenix zeigt "Cat Stevens - Eine wahre Geschichte"

13. Juli 2004 Er war ein ungewöhnlich schönes Kind, von dem man sich gut und ohne Neid vorstellen konnte, daß Gott mit ihm etwas Besonderes vorhabe. Eines Tages sagte sein Bruder David zu ihm, der eigentlich Maler hatte werden wollen: "Ich glaube, du wirst ein Star." Das wurde er. Aber er wurde auch so krank, daß ein Arzt ihm nur noch wenige Wochen zu leben gab. Er wurde wieder ganz gesund, sang weiter seine federleichten Lieder und schwamm eines besonders schicksalsträchtigen Tages im Pazifik, wurde aufs offene Meer hinausgetrieben und hatte Todesangst; da betete er zu Gott: "Wenn du mich rettest, will ich den Rest meines Lebens für dich arbeiten." Es kam, man muß sagen: wie gerufen, eine Welle und trieb den Entkräfteten an Land. Da könnte man glatt katholisch werden!

Das Leben Yusuf Islams ist also voller Wunder. Man könnte sich darüber lustig machen, genauso wie über seine Musik, die, wie es in weniger wohlwollenden Artikeln heißt, etwas naiv klingt und besonders von Frauen geschätzt wird. Man kann die Geschichte des Mannes, den wir alle unter dem Namen Cat Stevens kannten und, zumindest eine Zeit lang, sogar liebten, aber auch vorurteilsfrei und mit jenem Wohlwollen betrachten, das auch er jedem Menschen entgegenbringt.

Gott hat ihm seine Abgeklärtheit nicht in die Wiege gelegt

Die Dokumentation, die an diesem Dienstag auf Phoenix läuft, tut das. "Cat Stevens - Eine wahre Geschichte" setzt ganz richtig voraus, daß über diesen Mann viel Falsches im Umlauf ist. Etwa die Behauptung, er habe, als guter Moslem, der er im Dezember 1977 wurde, das vom Ayatollah Khomeini ergangene Todesurteil gegen Salman Rushdie gutgeheißen. Der Film läßt Yusuf Islam auch dazu zu Wort kommen und bestätigt, was dieser in einem Zeitungsinterview kürzlich glaubwürdig beteuerte: daß das nicht stimmt. Genützt hat ihm das wenig, besonders in Amerika wurde derart Stimmung gegen ihn gemacht, daß der Ruf dieses einstmals nahezu perfekten Popsängers immer noch lädiert ist.

In der Dokumentation von Jill Modabber tritt uns ein milde gewordenes Idol entgegen, das mit Wohltaten für andere nicht geizt und dessen Übertritt zum Islam auch äußerlich stimmig erscheint. Yusuf Islam verhehlt nicht, daß ihm Gott seine Abgeklärtheit nicht in die Wiege gelegt hat; der Weg von der Teenagersensation im Swinging London bis zur Erweckung war lang. Trotzdem gibt es so etwas im Musikgeschäft, ohne Wichtigtuerei, mit Ernst und Gelassenheit. Sympathisch.

An diesem Dienstag um 23 Uhr auf Phoenix.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2004, Nr. 160 / Seite 35
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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