19. Juni 2004 Berühmte Wegbegleiter sowie rund 1500 Freunde, Fans und Angehörige haben der vor gut einer Woche verstorbenen Soul-Legende Ray Charles am Freitag in einem bewegenden Gottesdienst die letzte Ehre erwiesen.
In der gedrängt vollen Kirche der First African Methodist Episcopal (FAME)-Gemeinde von Los Angeles huldigten Musik-Ikonen wie Stevie Wonder und B.B. King dem Mitbegründer des Soul musikalisch, andere Weltstars wie Clint Eastwood erinnerten in kurzen Ansprachen, Präsident George W. Bush und sein Amtsvorgänger Bill Clinton sandten Trauerbekundungen.
Wir sind hier zum Feiern
Mit Gospel-Musik, zahlreichen Anekdoten und viel Gelächter war der zweistündige Gottesdienst für den blinden Musiker nicht nur eine Trauerfeier. Wir sind heute hier zum Feiern, also ist es in Ordnung, daß ihr mit den Füßen stampft und in die Hände klatscht, sagte Charles' Sohn, der Prediger Robert Robinson. Ein Schul-Gospelchor in blauen Gewändern sorgte für Stimmung in dem Gottesdienst, in dem kein Auge trocken blieb - etwa als Countrystar Willie Nelson von der Kanzel über Charles' Sarg dessen traurigen Titel Georgia on My Mind anstimmte. Auch der Country-Musiker Glen Campbell sowie der Jazztrompeter Wynton Marsalis würdigten Charles musikalisch.
Der Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood sagte über seinen Freund, er sei der am härtesten arbeitende Mensch gewesen, den er kannte. Alles was er angefaßt hat, war einfach brillant. Ein sichtlich bewegter B.B. King ließ unter heftigem Applaus einen seiner gefühlvollen Bluestitel auf der Gitarre erklingen. Wir haben einen der Größten verloren, sagte die Blueslegende vor dem Gottesdienst. Auch Stevie Wonder würdigte das Talent seines ebenfalls blinden Mentors.
Bis zum Schluß mit Sonnenbrille
Nach der Trauerfeier konnten Freunde und Angehörige am offenen Sarg nochmals persönlich Abschied von Charles nehmen, dessen Leichnam in einen schwarzen Anzug mit Krawatte gekleidet war. Auch nach seinem Tod trug er sein Markenzeichen, die schwarze Sonnenbrille. Anschließend stoppte die Beeerdigungsprozession ein letztes Mal vor den Aufnahmestudios der Soul-Legende. Charles wurde dann in einer privaten Zeremonie im Inglewood-Viertel von Los Angeles beigesetzt.
Der Mitbegründer des Soul war am 10. Juni im Alter von 73 Jahren einem Leberleiden erlegen. Hits wie What'd I Say oder Hit the Road Jack machten ihn weltweit berühmt.
Bush: ein amerikanischer Traum
Bill Clinton, selbst leidenschaftlicher Saxophonist, erklärte, das Multitalent Charles habe Generationen von Menschen während seiner 58jährigen Karriere unterhalten. Seine beseelte Stimme wird für immer in unseren Herzen und Gedanken bleiben, hieß es in einer von Charles' Manager verlesenen Botschaft Clintons. Auch eine Trauerbotschaft von Charles' Musikproduzent Quincy Jones wurde abgespielt.
Bush erinnerte daran, daß sich Charles mit seiner Musik in die Herzen von Millionen gespielt und damit Generationen, Kulturen und Rassen überwunden habe. Seine Lieder haben uns in traurigen Momenten Halt gegeben und uns in Augenblicken der Freude begleitet, so Bush. Charles habe hart gearbeitet, um eines der leuchtendsten Beispiele für den amerikanischen Traum zu werden.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, Reuters