Ansingen gegen die Vitalität des Rock: “Tocotronic“

Die neue „Tocotronic“

Studienabbruch, Kündigung, Erlösung

Auf „Kapitulation“, der neuen Platte von „Tocotronic“, gibt es viel zu hören, was man so überzeugend selten zu hören bekommt: harmonieverweigernde Akkordbrechungen, Gitarren in feuchten Tüchern und Gesangesposen aus dem Musiktheater. Was bedeuten diese Posen? Dietmar Dath klärt auf.

Lesermeinungen zum Beitrag

07. Juli 2007 21:34

Aufklärung, Entzauberung, Platzrücken

Niv Chauwawa (cifrepus)

Der Dietmar ist ein alter Fuchs. In seinem Bau ist es meist unaufgeräumt, und dennoch findet er in unendlichfacher Lichtgeschwindigkeit die passenden Socken - jeden Morgen. Wäre es icht so entsetzlich abgedroschen, man würde meinen, ein Bilderbuch-Genie, das Ordnung im Chaos sieht.

Aber er lebt nicht nur in seinem wohligen Bau aus allerlei schlauen Büchern und anderen Dokumenten der Wissenschaftlichkeit und Hingebung, nein, er streckt sein helles Köpflein auch mal unter´s Sonnenlicht und schaut sich auf einer abgelegenen und nicht von menschlichem Abschaum aufgesuchten Wiese die Wolken an. Dann träumt er von der Übefrau, eine, die ihm die Grenzen zeigt, deren schwächlichen Abkömmlinge er den anderen je nach Bedarf aufzeigt. Zum Beispiel Gretchen. Sie darf erfahren, wie herkömmlich sie doch ist, wie uneigen, daß es ihr beispielsweise gar nicht möglich sei, hinter das Treiben solcher zu gelangen, die sie an der Nase umherführen, vor allem, wenn es sich dabei um ehemalige Boygroups aus dem ekelhaften Pop-Geschäft handeln, die nun zu verführerischen jungen Männern erwachsen sind, die ihr den Kopf mit absurd ausgewogener Sprachführung und sanftesten Stimmen verzaubern. Denn die Wahrheit muß siegen, so entleert sie auch sei. Gelle?

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06. Juli 2007 23:31

Gretchen macht blau

Michael Becker (manigja)

Ob Gretchen wohl die FAZ liest, um zu erfahren, daß nur Leute die ihre Sorgen nicht haben, überhaupt die Zeit finden, die Musik, die jene absurden und menschenunwürdigen gesellschaftlichen Ansprüche ans gegängelte Individuum im fetzigen Lied zurückweisen, im fetzigen Kommentar zurückzuweisen?

Und vielleicht überschätzt der Kommentator Gretchens Naivität. Mitunter vermag der angezeigte performative Widerspruch eine zeitgenössische Möglichkeit sein, ambivalente Konstellation musikalisch zu vermitteln. Ob Gretchen tatsächlich so naiv ist, drei Jobs zu machen? Vielleicht, aber dann wird das nichts mit fünf gerade sein lassen und enyoy the summer und Kapitulation und gutem Grass egal wo her.

Ach, Gretchen, so will er dich also haben, der Kommentator, als sklavische Vulgärmarxistin...



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06. Juli 2007 21:51

Erstklassig

Stefan Sedlaczek (sedlaczek1)

Der Schluß ist unstimmig, aber ein ansonsten toller Artikel! Gefällt mir außerordentlich gut. Kompliment.

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1 - 3 von 3 Lesermeinungen
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