„Popstars“-Band Monrose

„Von nun an ging's bergab“

Von Stefan Niggemeier

12. März 2007 Vermutlich war es so, dass all die siebzehnjährigen Mädchen, von denen jeder annahm, dass sie Monrose zum Grand Prix telefonieren würden, sich an die Gruppe einfach schon nicht mehr erinnert haben. Monrose? Die sind doch total 2006! Mann, damals war ich sechzehn!

Über vier Monate ist es her, dass aus Mandy, Senna und Bahar in der Pro-Sieben-Show „Popstars“ Monrose wurde, und Popstarjahre sind Hundejahre, und „Popstars“-Jahre Goldhamsterjahre. Die Produzenten wussten, warum sie die größten Verrenkungen anstellten, damit die Single bereits eine Woche nach dem Finale auf dem Markt sein konnte. Dank kollektiver Aufmerksamkeitsdefizitstörung bedeutet jeder Tag Verzögerung, dass viele Millionen Fanzellen in den Gehirnen der Zielgruppe längst wieder unwiderruflich umprogrammiert sind.

„Jetzt geht's lohos“

Aber die Monrose-Produzenten waren schnell, und so haben junge Menschen im Dezember massenhaft Monrose-Platten gekauft. Dann war aber auch gut. Seit den Premieren-Siegern No Angels und Alexander Klaws hat es kein deutscher Castingshow-Gewinner geschafft, mit mehr als einer Single an die Spitze der Charts zu kommen.

Man müsste all den Kandidaten sagen, dass sie den Moment genießen sollen, in dem sie das Casting gewinnen, weil es der Höhepunkt ihrer Karriere sein wird. Aber anstatt zu singen „Von nun an ging's bergab“, grölt das ganze Umfeld „jetzt geht's lohos“. Beim Grand-Prix-Vorentscheid wurde wieder offenbar, wie schlimm das ist.

Es reicht eben nicht, ganz fest an sich zu glauben

Wie sehr die frischgebackenen „Popstars“ den Versprechungen glauben. Dass diese jungen, auf Star geschminkten und geföhnten Frauen das wirklich meinen, wenn sie sagen: „Du kannst alles in deinem Leben erreichen, du musst nur dran glauben.“ Sie hatten, das sah man, ganz fest daran geglaubt, sie hatten überhaupt nicht die Möglichkeit eingeplant, nicht gewinnen zu können, und es ist trotzdem passiert.

Natürlich haben diese Mädchen, wie sie dann heulend auf der Bühne standen, Mitleid verdient und keine Häme. Aber vielleicht tun sich all die, die auf Detlef D. Soost und Dieter Bohlen und ihre Versprechungen hereingefallen sind, irgendwann zusammen und brüllen ihnen ins Gesicht, dass es in dieser Welt eben nicht reicht, ganz fest an sich zu glauben, nicht einmal, wenn man dazu noch ganz hart an sich arbeitet. Und über diesen komischen Grand-Prix-Wettbewerb kann man ja sagen, was man will: Als öffentliche Entzauberungsmaschine funktioniert er gut.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: ddp, dpa

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