In der Endlosschleife von YouTube

Spielt es einmal, spielt es immer wieder

Was trugen Peter, Paul & Mary, als sie gegen den Vietnam-Krieg protestierten? Mit dem Videoportal YouTube steht uns ein Speicher für alle Auftritte unserer Idole parat, aber ihr Zauber wird dadurch zerstört. Von Dieter Bartetzko

Lesermeinungen zum Beitrag

03. Mai 2008 15:12

Gähn..es lebe die Kulturkritik, die sauertöpfische...schnarch..Teil II

Werner Erkelenz (DerAlteFritz)

...und eben auch jämmerliche Darbietungen damaliger Jugendikonen zu besichtigen sind, ist aus meiner Sicht ein wunderbarer Vorteil. Nein, ihr könnt uns eben nicht fortwährend von den ach so phantastischen alten Zeiten vorschwärmen, wenn über youtube und andere Kanäle eben auch eine Besichtigung der lapidaren, weinerlichen und insgesamt menschlich wenig erbaulichen Aspekte eurer Bewegung möglich wird. Bitteschön: Andersrum wird auch ein Schuh draus. Den jungen Cohn-Bendit kann man mit etwas Suchen im französischen Mai bewundern und ebenso gibt es Mitreißendes (und inhaltlich doch oft Fragwürdiges) von Rudi Dutschke zu sehen und zu hören. Aber bleiben wir mal bei der Musik: Obwohl ich eben viel zu jung war, um die Songwriterzeit mitzumachen, habe ich mich letztens mal eingehend mit Konzertmitschnitten von Dylan, Joan Baez und auch der unglaublichen Joni Mitchel beschäftigt. Das sind, lieber D. Bartezko, richtig große Künstler gewesen und wären es auch heute. Und zwar aufgrund ihrer überragenden musikalischen Qualitäten. Da stört auch kein peinliches Batikkleid - und DAS ist für mich das Wesentliche an der dauernden Zugänglichkeit via Clipprovider:DasGute ist immer noch gut und das Peinliche eben peinlich.Radikal demokratisch eben.

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03. Mai 2008 15:03

Gähn..es lebe die Kulturkritik, die sauertöpfische...schnarch..

Werner Erkelenz (DerAlteFritz)

Na da wird ja mal wieder ordentlich und rührselig ins Kulturkrikhorn gestossen, gelle? PetrOl bringt es in seiner klugen Replik auf den Punkt: Derartiges Gegreine legt implizit immer die Meßlatte eines veralteten Medienrezeptionsbegriffes an neue Inhalte an - ohne sich im mindesten mit den diesen Inhalten gemässen Rezeptionsweisen zu beschäftigen. Die Psychologie lehrt uns ja, daß die Alten die Jungen schon immer, auch vor 2000 Jahren schon für verkommen und kulturlos gehalten haben. Dieter beschwert sich also, daß der Zauber von PPM und anderen dahinschwindet, kaum daß man sie mit heutigen Augen besichtigt? Weil Wiedervorführung Entzauberung bedeutet? Falsch, mein Lieber, ganz falsch. Nichts gegen PPM, sie haben schön gesungen und zu einer gewissen Zeit Sinn gestiftet. Aber eben nur zu dieser. Anders als PetrOl bin ich zwar 15 Jahre älter, aber als 80ies Kid gehöre ich zur ersten, restlos von der anmaßenden Dauerpolitisierung und dem hohlen Revolutionspathos der echten 68er(zu denen D. B. zweifellos zu zählen ist) genervten Generation der ersten echten Nachkriegskinder-zu denen die 68er eben in ihrer Dauerreaktivität auf die Kriegsgeneration nicht wirklich zu zählen sind. Daß die Digitalität uns insofern eben auch greinende ....

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03. Mai 2008 10:01

Die Perspektive bestimmt das Bild (Teil 2)

Andreas Binder (Petr0l)

Im übrigen hat man bei Youtube auch die Möglichkeit, den Begriff Noam Chomsky einzugeben. Man kann sich dann Videos eines Mannes ansehen, der von der NY Times mehrfach als der größte lebende Intellektuelle bezeichnet wurde und die Antikriegsbewegung in Vietnam begründet hat. Er ist leider immer noch unbequem, wird daher nicht gesendet und findet sich leider auch nur selten in Tageszeitungen. Das schließt die FAZ mit ein. Es freut mich Ihnen mitteilen zu können, dass viele junge Leute Youtube beileibe nicht nur dazu nutzen sich MTV Videos anzuschauen, sondern durchaus auch Interviews und Reportagen gefragt sind, die das herrschende System kritisieren, ergo nicht im Fernsehen zu sehen sind. Manufacturing Dissent sozusagen. Dies gilt ebenso für google.video. Hier eine Auswahl beliebter Videos mit kurzer Zusammenfassung: - Money as Debt (knappe Zusammenfassung marxistischer Geldtheorie in Comic Form) - Zeitgeist (kontroverse, dreiteilige Betrachtung des Weltgeschehens) - Power of Nightmares (Gegenüberstellung Neokonservativer und islamistischer Ideen, BBC Reportage) Würde mich freuen, wenn Sie sich ein wenig damit befassen und mir Ihre Meinung dazu mitteilen. Mit freundlichen Grüßen, Andreas Binder andreas.p.binder@gmx.net

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03. Mai 2008 09:49

Die Perspektive bestimmt das Bild (Teil1)

Andreas Binder (Petr0l)

Sehr geehrter Herr Bartetzko, ich nehme an, dass Sie ca. 55 Jahre alt sind und die 68er Bewegung aktiv miterlebt haben. Sonst wären Ihre Ausführungen zu Dylan, Baez etc. und der Vergleich zu den heutigen sogenannten Ikonen der Mediengesellschaft mehr als hinfällig, denn dann hätten Sie diese Personen auch nur über Fernsehen und evtl. Videokassetten kennengelernt. Ebenso wie ich. Mit 26 hat man eine Ahnung was sich damals zugetragen hat und wie die Stimmung in der Gesellschaft war. Und natürlich hat man auch schon mal an Revolution oder Protest gedacht. Kurz vor dem Abitur zum Beispiel. Nun, ich werde nicht den allgegnwärtigen Plural verwenden, der sich durch Ihren Artikel zieht. Ich habe Recht schnell erkannt, dass offener Protest nur selten wirklichen Einfluss hat, der mehr als plakativen Charakter hat. Siehe Bob Geldof, der Ihnen wohl auch gefallen haben wird. Auf Youtube werden jeden Tag über 100.000.000 Videos abgerufen und die Zielgruppe liegt zwischen 14 und 28. Ich bezweifle, dass diese Zielgruppe sich jeden Tag darüber ereifert, dass der Mythos ihrer großen Idole Peter Paul and Mary entzaubert werden.

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02. Mai 2008 21:39

Tja

Owe Jessen (owe.jessen)

Nostalgie ist auch nicht mehr, was sie mal war.

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02. Mai 2008 20:32

Wird hier ein Zauber zerstört, ...

TOBIAS RÜGER (t.ruger)

... oder legt die Mega-Mediothek YouTube lediglich die durch unsre Vorstellungskraft versüßte Diskrepanz zwischen Fakten und Erinnerung bloß?

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02. Mai 2008 15:52

Lieber Hirnforscher :-)

gisbert heimes (gisbert4)

Die neuere Hirnforschung will uns - vereinfacht ausgedrückt - dartun, wie der Geist an die Materie unserer Hirne gebunden ist und daß er erlischt, wenn jene tot sind. Rein gefühlsmäßig wäre das allerdings zunächst einmal eine ziemlich betrübliche Feststellung am Ende eines langen Evolutionsprozesses. Außer natürlich für jene, die ohnehin nicht an ihren gesunden Menschenverstand glauben, weil sie ihn nicht vor sich auf den Tisch legen können (frei nach Einstein). Beim Beethovenfest 1970 in Bonn soll es zu einem Augenblick hoher emotionaler Verdichtung zwischen Ausführenden, Auditorium und dem Genius loci gekommen sein, als der greise Otto Klemperer in einem seiner letzten Dirigate die Eroica interpretierte. Augen- und Ohrenzeugen behaupten es jedenfalls und erzählen es nachschöpferisch weiter :-). Schade, Youtube hätte diesen Moment für die Nachwelt retten können. Wie PPM.

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