Warum klingen diese Nörgeleien am Rock nur immer so beleidigt und gleichzeitig so ratlos? Gestattet der Autor dem „Untoten“ (ich finde, eine unglaubliche Unverschämtheit!) Herrn Dylan die von ihm attestierte „unermüdliche Umschreibung und Neuinterpretation des eigenen Werks“ oder ist er sauer auf diese „Stillstandsmaschine“? Wenn (Rock-) Musiker im Pensionsalter ganz einfach Spaß daran haben, ihre eigenen Stücke zu spielen, was daran ist absurd, mit den Mitteln der Vernunft nicht zu begreifen, was obszön, ekel- oder schmerzerregend? Diese Rockmusik, die genussvoll ohne verkrampftes Bedürfnis nach Neuerung und manisch avancierter Reflexion auskommt, braucht keine „unnötige?“ Aufwertung. Ihr mussten weder Independent-Leute etwas entgegenstellen, noch haben die das jemals vermocht, ebenso wenig wie Punk, Grunge und weiß der Geier was noch, Techno schon lange nicht. Wer nicht aufhören kann, sollte gar nicht erst anfangen – was für ein Blödsinn. Wer mit so etwas Tollem wie dem Rock „angefangen“ hat der soll von mir aus so lange und unermüdlich sein eigenes Werk umschreiben und neu interpretieren wie er nur mag und hoffentlich noch kann: „Stillstandsmaschine, verweile doch, Du bist so schön!...“ Danach wird dann nur noch gecovert!
Das hier in Kommentaren der Jugend von heute eine eigenständige Musikkultur, die über den genannten Gangsterrap und die Casting-Konserven hinausgeht, spricht von einer gehörigen Portion Ignoranz. Wie schon erwähnt scheint es eher so, als ob die ältere Generation in ihrem Musikgeschmack stagniert und nicht mehr die Lust / Muse hat neue Stilrichtungen oder auch nur Künstler für sich zu entdecken. Daraus zu schließen es gebe keinen neuen Elton John oder Bob Dylan ist vermessen und ignoriert völlig die Wandlung des Musikgeschäfts hin zu einer rasenden Schnelllebigkeit (mit allen daraus resultierenden Phänomenen). Nichts desto trotz gibt es Künster und Bands die mit ihrer Art Musik sehr erfolgreich sind und so auch von ihren Fans wahrgenommen werden. Vielleicht ist es der Lauf der Dinge, dass sich die Oldie-Popmusik von heute irgendwann auf dem Samstags-Abends-Sendeplatz des ZDF widerfindet, wo man dann in aller Abgeschottetheit die alten Stars hochleben lässt und Neues und Innovatives völlig aussen vor lässt.
Das die alten Künstler und Musiker mit ihren alten Songs noch einmal Geld verdienen ist verständlich und nachvollziehbar und ich gönne es Ihnen! Also her mit den Songs... Denn der Mensch sagt doch immer, ach was war das für eine schöne Zeit! Allerdings sollte man mit den Worten Comeback und Reunion sehr vorsichtig umgehen. Oftmals werden auch Bands so bezeichnet die sich nie aufgelöst oder getrennt haben, sondern einfach nur eine schöpferische Pause eingelegt haben. Mir fallen auf die schnelle 2 Bands, die ich auch sehr liebe: Ace of Base und No Doubt. Bei beiden Bands wird es neue Alben geben und auch wird man von Reunion oder Comeback reden. Doch so stimmt das nicht... Ace of Base, die Begründer des Reggae-Pop Anfang der 90er, gehen 2008/2009 auf Tour bzw. sind schon auf Tour und feiern tollte ausverkaufte Konzerte - auch nach Deutschland werden sie demnächst kommen. Natürlich mit alten und neuen Hits. Doch Vorsicht sie kommen nicht als Comeback, denn sie gibt es seit 1992 und hatten ständig Veröffentlichungen... Bei No Doubt, den Ska-Weltmeistern aus den USA, war es zwar die letzten Jahre ruhig, nur Gwen Stefani ließ als Solist aufhorchen, doch auch diese Band arbeitet an einem neuen Album... auch dies kein Comeback
Es gibt in Pop und Rock nur wenig Lichtblicke in der Gegenwart. Ein neuer Phil Collins oder Elton John ist jedenfalls nicht in Sicht. Stattdessen hirnloser Kleinmädchenrap pseudocooler Möchtgerngangster und mit Hilfe des Unterschichtenfernsehens hochgepushtes, trostloses Castingshowelend. Soviel zur heutigen Jugendkultur. Da ist es doch gut, daß es so viele zeitlose Klassiker des Genres gibt, von den Beatles bis zu den sehr produktiven 80s. Daß die Herren jetzt älter sind und doch nochmal etwas durch ihre Jugendtaten verdienen wollen kann man ihnen nachsehen. In der Erinnerung derjenigen, die mit ihnen und ohne Unterhaltungsindustrie groß geworden sind, bleiben sie sowieso immer 20.
Warum fokussieren Sie Ihren Beitrag so auf die Künstler und blenden dabei das Publikum aus? Das Publikum ist mit seinen Stars alt geworden und will sie nicht missen. Es ist auch grösstenteils irgendwann mal stehen geblieben bei der Rezeption neuer Stile, Interpreten oder Gruppen und peppt die Oldie-Endlosschleife auf der heimischen Anlage mit einem Konzertbesuch bei den alten Recken auf. Wie Sie selbst schreiben, neues Material dürfen die dabei gar nicht bringen. Nur Oldies but Goldies.
Es ist nicht verwunderlich, dass nach der Selbstdemontage der Musikindustrie, die sich mehr als ein Jahrzehnt fast ausschließlich auf die Jugend konzentriert hat und die Erwachsenen, die sogenannten Sleepers verschlafen hat, nicht alte sondern erstklassige Musik wieder gefragt ist und die *Alten Gruppen* mit ihrer Musik wieder Chancen haben. Die Gehirnerschütterungsmusik, geboten von den Companies, hat ihre Grenzen erreicht und die älteren Musikhöhrer haben ihre Geduld verloren. Sie wollen nicht alte , sondern gute Musik. Das kann die Industrie heute nicht bieten, oder wird jemand zugeben, dass ihn ein Text mit entsprechend gekoppelter Musik, die eher vom Darm eine Kuh stammen könnte wie - du hast den schönsten A.. der Welt - begeistert? Also kommt dann doch irgendwann die Sehnsucht und der Wunsch der nicht durch Geschmacksverirrung geschädigten schweigenden Mehrheit nach Befreiung vom Joch des untersten Kreativitätspegel und wirft ihr Augenmerk auf die Epoche, in der noch geniale Kompositionen zugelassen waren. Obendrein auch geniale Künstler. Da kann man nur sagen: Weiter so.