14. Juni 2007 Die Musik von Bob Dylan ist ein Auszug, ist vielleicht die Quintessenz all dessen, was die amerikanische Volks- und Populärmusik im zwanzigsten Jahrhundert hervorgebracht hat. Dylan begann in der Folk-Welt der New Yorker Avantgarde der frühen sechziger Jahre, und schon hier suchte er sich der Geschichte zu vergewissern, indem er den Kontakt zum sozialkritischen Sänger Woodie Guthrie aufnahm, der der Arbeiterbewegung nahestand. Bald schon verwandelte sich Dylan ein erstes Mal, als er, zum Ärger mancher seiner Anhänger, statt der asketischen akustischen Gitarre das elektrische Instrument einzusetzen begann.
Dann, Ende der sechziger Jahre, kam eine Wendung zum Stil der Country- und Western-Musik, als er auch zusammen mit Johnny Cash sang. Und schließlich entdeckte er die Gospel-Tradition zugleich mit einem evangelikalen Christentum. Das waren nicht nur Wandlungen des Stils, es waren Erweiterungen der Stimme - vom juvenilen Näseln über das aggressiv-höhnische Schreien bis hin zum altersmürben Krächzen.
In diesem Jahr erhält Bob Dylan den mit 50.000 Euro dotierten Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Kunst. Die Auszeichnung würdigt, so heißt es, die dichterische Qualität der Lieder und das gesellschaftliche Engagement des Sängers - aber ob es damit wirklich so weit her ist? Dylans Einsatz für den inhaftierten Boxer Hurricane Carter, dem er ein schönes Lied widmete, liegt Jahrzehnte zurück. Ausgezeichnet mit fünf Grammys, einem Oscar und einem Golden Globe, gilt Dylan seit längerem auch als Kandidat für den Literaturnobelpreis. Er habe, so die Jury, einen außerordentlichen Einfluss auf die Jugendlichen der heutigen Zeit. Zu den früheren Preisträgern gehörten Helmut Kohl und - noch vor dem Nobelpreis - Günter Grass. Die Auszeichnung wird von Kronprinz Felipe im Herbst in Oviedo überreicht. Lucky, möchte man sagen - diesen Namen trägt Bob Dylan bei seinen Freunden.
Text: L.J. / F.A.Z., 14.06.2007, Nr. 135 / Seite 39
Bildmaterial: AP
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