Grönemeyer wird fünfzig

Weil er wärmt, wenn er erzählt

“Bleibt alles anders“, auch nach dem Fünfzigsten - Grönemeyer 1998 in München

"Bleibt alles anders", auch nach dem Fünfzigsten - Grönemeyer 1998 in München

12. April 2006 „Der nuschelt nur, der singt nicht“, warfen Kritiker Herbert Grönemeyer anfangs vor. Doch sein spezieller Gesangsstil wurde schnell sein Markenzeichen - und der Sänger zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Künstler überhaupt. Grönemeyer verkaufte bislang rund 15 Millionen Alben, „Mensch“ wurde im Jahr 2002 seine erste Nummer-Eins-Single. Seine großen Klassiker schrieb er aber schon in den 80er Jahren - unter anderem „Männer“, „Was soll das“ und die Ruhrgebiets-Hymne „Bochum“. Geboren wurde er am 12. April 1956 allerdings in Göttingen: An diesem Mittwoch wird Grönemeyer 50 Jahre alt.

Derzeit soll der Künstler, dessen vollständiger Vorname Herbert Arthur Wiglev Clamor lautet, in seiner Wahlheimat London über den Songs für sein nächstes Album brüten. Ersten Musiknachschub bekommen seine Fans aber bereits am 12. Mai, wenn Grönemeyers WM-Hymne „Celebrate The Day“ auf dem offiziellen Album zur Fußball-Weltmeisterschaft, „Voices“, erscheint. Am 9. Juni soll er den Song zudem unmittelbar vor dem Eröffnungsspiel in München live präsentieren, wie es auf der offiziellen WM-Homepage heißt.

Musik nicht nur, wenn sie laut ist

Der Musiker wuchs in Bochum in einer strengen protestantischen Familie auf. „Ich würd' sicher nicht dorthin zurückziehen“, sagte er einmal in einem Interview der „Zeit“ über seine Heimatstadt, „aber mich als Kind des Ruhrgebiets bezeichnen.“ Bereits als Zwölfjähriger gründete er seine erste Band.

Die Karriere als Solo-Sänger begann Grönemeyer 1979 mit einem nach ihm benannten Debüt-Album, das allerdings wie seine drei nächsten Werke noch nicht zum großen Erfolg führte. Der Durchbruch kam erst 1984 mit dem Kult-Album „4630 Bochum“: Fast 80 Wochen hielt sich die Erfolgsplatte in den Charts, die Hit-Single „Männer“ machte den Sänger bundesweit bekannt. Mit den folgenden Werken „Sprünge“ und „Ö“ knüpfte er an den Erfolg an, schuf Klassiker wie „Kinder an die Macht“ oder das Liebeslied „Halt mich“.

Immer wieder bezog Grönemeyer in seinen Liedtexten auch politisch Stellung, kritisierte die Zustände in Deutschland und hatte lange Zeit auch den Ruf eines Moralapostels. Er schreibe einfach über die Themen, die ihn interessierten, sagte er einmal, er mache sich Gedanken über das Land. 1994 lud man ihn als ersten deutschsprachigen Künstler zu einem Konzert in der Reihe „MTV unplugged“ ein, das ihm internationale Aufmerksamkeit bescherte. Mehrfach wurde Grönemeyer mit dem „Echo“, dem „Comet“ und diversen anderen Musikpreisen ausgezeichnet, bereits 1988 erhielt er den Adolf-Grimme-Preis mit Gold für die Filmmusik zu „Sommer in Lesmona“.

Stillstand ist der Tod

Bevor er sich ganz der Musik zuwandte, hatte Grönemeyer sich bereits als Schauspieler einen Namen gemacht: Seine bekannteste Rolle spielte er als Leutnant Werner in Wolfgang Petersens Erfolgsfilm „Das Boot“ an der Seite von Uwe Ochsenknecht, Martin Semmelrogge und Heinz Hoenig. Schon vor seinem Abitur 1975 hatte er für das Schauspielhaus Bochum gearbeitet, nach dem Schulabschluß wurde Grönemeyer dort Musikalischer Leiter und spielte unter anderem unter der Regie von Peter Zadek in Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“. In Zadeks Film „Die Geisel“ erhielt er 1977 ebenfalls eine Rolle - zu dieser Zeit war Grönemeyer Musikalischer Leiter am Hamburger Schauspielhaus. Später arbeitete er unter anderem am Württembergschen Staatstheater und am Kölner Schauspielhaus.

Wenige Monate nach dem Erscheinen seines neunten Studioalbums „Bleibt alles anders“ im Jahr 1998 trafen den Sänger gleich zwei herbe Schicksalsschläge: In der ersten Novemberwoche starben zunächst sein Bruder Wilhelm und dann seine Ehefrau, die Schauspielerin Anna Henkel, die zuvor jahrelang gegen den Brustkrebs gekämpft hatte. Grönemeyer brach seine laufende Tournee ab und zog sich in den folgenden Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, konnte aber mit seiner Konzert-DVD „Stand der Dinge“ die erste Platin-Auszeichnung für eine Musik-DVD überhaupt gewinnen.

Weil er kämpft und weil er hofft

2002 feierte Grönemeyer mit dem bis heute rund drei Millionen Mal verkauften Album „Mensch“ eine erfolgreiche Rückkehr ins Rampenlicht. Er habe nach den Schicksalsschlägen Angst gehabt, die Fähigkeit zu verlieren, Musik zu machen, gestand er damals - doch das neue Werk erntete viel Lob, und bei der folgenden Tournee füllte der Sänger zahlreiche Hallen und Stadien.

Neben der eigenen Gesangskarriere hat Grönemeyer inzwischen auch sein eigenes Musik-Label „Grönland“, mit dem er junge Künstler und Bands fördert. Im vergangenen August erschien seine Vertonung von Georg Büchners „Leonce und Lena“ als CD mit von ihm gesprochenen Zwischentexten. Zudem setzt sich der Künstler in der Aktionsgemeinschaft „Deine Stimme gegen Armut“, dem deutschen Ableger von Bob Geldofs Initiative „Make Poverty History“, für einen Schuldenerlaß für die ärmsten Länder Afrikas ein.

Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: AP, CINETEXT, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/GAL, picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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