11. Februar 2008 Nach ihrer Krise wegen Drogenproblemen hat sich die britische Soul-Sängerin Amy Winehouse bei der Grammy-Verleihung mit gleich fünf Auszeichnungen eindrucksvoll zurückgemeldet. Die 24 Jahre alte Musikerin wurde bei der Gala am Sonntag (Ortszeit) in Los Angeles unter anderem für die CD und den Song des Jahres geehrt. Der amerikanische Rapper Kanye West, mit acht Nominierungen der Favorit, wurde mit vier Trophäen bedacht. Zahlreiche Legenden der Rock- und Popgeschichte verliehen der Veranstaltung zum 50-jährigen Jubiläum der Grammys Glanz.
Winehouse, die derzeit eine Entziehungskur macht, nahm an der Gala nicht persönlich teil. Sie wurde aus London live zugeschaltet. Es ist eine Ehre, hier zu sein. Danke Ihnen sehr, sehr, sagte sie mit tonloser Stimme. Die britische Sängerin war insgesamt für sechs Grammys nominiert. Nur den Preis für das Album des Jahres erhielt sie nicht - er ging stattdessen überraschend an amerikanische Jazzlegende Herbie Hancock für seine CD River: The Joni Letters. Sie wissen ja, dass es 43 Jahre her ist, seit ein Jazz-Künstler zum ersten und einzigen Mal diesen Preis bekommen hat, sagte Hancock überwältigt.
Drei Preise für Bruce Springsteen
Die CD Graduation von Rapper Kanye West wurde zum besten Rap- Album gekürt, der Song Stronger zum besten Soloauftritt eines Rappers und Good Life zum besten Rap-Song. West ehrte seine vor kurzem gestorbene Mutter Donda mit dem emotional vorgetragenen Song Mama. Er hatte sich das Wort auch in den Hinterkopf rasiert.
Altrocker Bruce Springsteen erhielt drei Preise, unter anderem für die beste Rocksingle Radio Nowhere. Zum besten Rockalbum des Jahres wurde Echoes, Silence, Patience & Grace von der Band Foo Fighters ernannt.
Einen umjubelnden Auftritt zum 50. Jubiläum der wohl bedeutendsten Musikpreise der Welt hatten Rock-Legende Tina Turner und R&B-Star Beyoncé Knowles. In eng anliegenden, silberfarbenen Outfits sangen sie Turner-Klassiker wie What's Love Got To Do With It. Auftritte hatten auch Aretha Franklin, Ringo Star, Stevie Wonder, Cindy Lauper und Tony Bennett.
Ein Grammy geht nach Berlin
Alicia Keys nahm den Preis für ihren Hit No One als beste R&B-Single aus den Händen von Popstar Prince entgegen. Sie hatte den Galaabend im Staples Center mit dem Duett Learnin' the Blues eröffnet - gemeinsam mit einer schwarz-weißen Videoprojektion von Frank Sinatra. Frank Sinatra sah gut aus für seine 150 Jahre, oder?, scherzte Prince.
Das Klassik-Album Brahms: Ein Deutsches Requiem unter der Leitung von Sir Simon Rattle erhielt ebenfalls einen Grammy für die beste Chor-Aufführung. Der Preis ging an Rattle und den Chefdirigenten des Rundfunkchors Berlin, Simon Halsey. An der Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern wirkten auch Bassbariton Thomas Quasthoff und die Sopranistin Dorothea Röschmann mit.
Rätselraten um Auftritt von Amy Winehouse
Um den Auftritt von Amy Winehouse hatte es im Vorfeld ein langes Rätselraten gegeben. Zunächst war unklar, ob sie aus gesundheitlichen Gründen überhaupt reisen sollte. Zudem verweigerten ihr die amerikanischen Behörden wegen ihrer Drogenabhängigkeit anfänglich ein Einreisevisum. Obwohl sie die Papiere schließlich bekam, blieb sie - wie es hieß - aus logistischen Gründen in London.
Von dort wurde sie aus einem plüschig-roten Club mit Fanpublikum zugeschaltet. Blass und in sich gekehrt gab sie den Hit Rehab zum Besten - ihre trotzige Absage an eine Entziehungskur. Als ihr fünfter Preis für die CD Back To Black bekanntgegeben wurde, verlor sie beinahe die Fassung.
Trotz des Jubels im Publikum wandte sie sich ab und vergrub den Kopf erst an der Schulter eines Musikers, später lehnte sie sich lange an ihre Mutter. Für meine Mutter und meinen Vater, für meinen Blake, meinen eingesperrten Blake, und für London, sagte sie mit Hinweis auf ihren Mann Blake Fielder-Civil, der derzeit wegen Körperverletzung im Gefängnis sitzt.
In insgesamt 110 Kategorien wurden Preise vergeben. Die Gala-Veranstaltung wurde im Fernsehen übertragen. Sie war von dem noch laufenden Streik der Hollywood-Autoren ausgenommen.
Text: dpa
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS