Basiswissen Optionsscheine

Optionsscheintypen: Fragen und Antworten

Die Emittenten generieren immer neue Arten von Optionsscheinen. Die wichtigsten Typen werden hier vorgestellt.

Grundsätzlich betrachtet können unter der Vielzahl der existierenden Optionsscheine zwei Typen unterschieden werden: Die so genannten traditionellen Optionsscheine, die in Kombination mit der Emission einer Optionsanleihe begeben werden und die so genannten „Naked Warrants“. Diese werden nicht mit einer Optionsanleihe begeben und stehen dadurch nicht in Zusammenhang mit Finanzierungsvorhaben von Unternehmen. Emittenten sind in der Regel Wertpapierhandelshäuser und Banken. Im Gegensatz zu traditionellen Optionsscheinen, bei denen die Lieferung des Basiswertes physisch erfolgt, ist bei „Naked Warrants“ anstelle der physischen Lieferung des Basiswertes in der Regel ein Barausgleich vorgesehen.

Eine Untergruppe der Naked Warrants bilden die so genannten Covered Warrants. Dieser Begriff hat sich mit der Entwicklung des Optionsscheinmarktes inhaltlich weiterentwickelt. Er wurde ursprünglich für Optionsscheine eingeführt, die das Recht zum physischen Bezug von Aktien verbriefen, welche bei dem jeweiligen Emittenten in einem gesonderten Deckungsbestand gehalten wurden. Seit geraumer Zeit wird jedoch auf die Haltung des Deckungsbestandes verzichtet. Mittlerweile beinhaltet der Begriff „Covered Warrants“ auch diejenigen Optionsscheine, die durch Cash Settlement (Barausgleich) erfüllt werden.

Optionsscheine, deren Basiswert keine Aktie, sondern ein Index ist, werden als Index Warrants oder Indexoptionsscheine bezeichnet. Liegt einem Optionsschein eine Währung als Basis zugrunde, spricht man von einem Currency Warrant oder einem Währungsoptionsschein. Den Bond Warrants, auch Zinsoptionsscheine genannt, liegen als Basiswert Anleihen zugrunde.

Nachfolgend werden weitere Unterarten an Optionsscheinen vorgestellt:

Was ist ein Plain-Vanilla-Warrant?

Der Begriff Plain-Vanilla-Warrant ist eine gängige Bezeichnung für Standardprodukte unter den Optionsscheinen, für Calls und Puts ohne besondere Konstruktionen. Sie haben standardisierte Ausstattungsmerkmale hinsichtlich Basiswert, Basispreis, Laufzeit und Bestimmung des inneren Wertes. Der Gegensatz dazu sind exotische Optionsscheine/exotic options.

Was ist ein Basket-Optionschein?

In so genannten Baskets wird ein Paket aus mehreren Aktien, die meist inhaltlich ähnlich gelagert sind, zusammengefasst. Das Paket kann dann aus Aktien des gleichen Sektors (zum Beispiel Banken,Chemie), der gleichen Region (zum Beispiel Emerging Markets) oder des selben Aktienmarktes (zum Beispiel Nasdaq) bestehen. In der Regel sind Baskets verglichen mit Optionsscheinen auf einzelne Aktientitel günstiger bewertet. Eine Anlage in einen Basketschein ist empfehlenswert, wenn der Anleger von einer leichten Aufwärtsbewegungen der im Paket gefassten Papiere ausgeht. Dabei wird das Anlagerisiko durch die Streuung auf verschiedene Werte reduziert. Der Ertrag kann jedoch geringer sein, als bei einer Anlage in den Einzelscheinen.

Was ist ein Power-Optionsschein?

PowerCalls oder PowerPuts sind Spezialformen der Capped Option (siehe Einsteiger-Seite) . Hier ergibt sich der maximale Auszahlungsbetrag aus einer Potenz der Differenz zwischen dem Kurs des Basisobjektes und dem Basispreis. In der Regel wird diese Differenz quadriert, jedoch sind auch andere Ausstattungen denkbar. Der Auszahlungsbetrag berechnet sich wie folgt :

wobei:
Bz = Bezugsverhältnis
Kb = Kurs des Basisobjektes am Verfallstag
So = Bezugskurs des Optionsschein
p = Potenzfaktor (in der Regel 2)

Es wird also entweder der Cap-Betrag oder die potenzierte Differenz ausgezahlt, je nachdem welches der geringere Wert ist.

Ist der PowerCall/Put aus dem Geld, das heißt der Kurs des Basisobjektes liegt unter dem Bezugskurs (Call), bzw. über dem Bezugskurs (Put), so ist der Auszahlungsbetrag Null!

PowerCalls/Puts wurden häufiger auf Währungen begeben. Heutzutage werden sie aber nur noch selten angeboten.

Was ist ein Simplex-Optionsschein?

In einem Simplex-Optionsschein ist immer eine Barriere vereinbart. Die Bedingungen des Scheines sehen entweder vor, daß eine bestimmte Barriere (zum Beispiel ein Aktienkurs) überschritten werden muß oder, im umgekehrten Fall, daß diese Barriere nicht durchschritten werden darf. Sollte diese Bedingung erfüllt werden, so wird der Schein mit einer vorher festgelegten Prämie bedient und ist damit automatisch ausgeübt. Wird diese Bedingung nicht erfüllt, so verfällt der Schein wertlos.

Bei diesen Scheinen ist zusätzlich die Unterscheidung in amerikanische oder europäische Ausübung wichtig. Bei der europäischen Ausübung ist nur entscheidend, daß die Bedingung am Verfallstag erfüllt ist. Sollte die Bedingung während der Laufzeit ein- oder mehrmals erfüllt worden sein, am Verfallstag jedoch nicht, so ist der Schein wertlos. Im Fall der amerikanischen Ausübung kommt bei der ersten Erfüllung der Bedingung die Auszahlung zum Tragen.

Die Benennung als Simplex-Optionsschein ist kein fest definierter Begriff. Verschiedene Emissionshäuser nennen Scheine dieser Art Binär- oder Simplexoptionsscheine, wenn es sich um Scheine europäischer Ausübung handelt. Wenn es sich um Scheine amerikanischer Ausübung handelt, so wird oft von Hit-Optionscheinen gesprochen.

Was ist ein Average-Rate-Optionsschein?

Im Gegensatz zu Standard-Optionsscheinen wird der Auszahlungsbetrag bei Average-Rate-Optionen nicht aus der Differenz zwischen Strike des Scheines und Kurs des Basisobjektes errechnet, sondern es wird zunächst ein Durchschnitt des Kurses des Basisobjektes gebildet und daraus dann die Differenz mit dem Strike gebildet. Dieser Durchschnitt kann der des letzten Monats, der letzten Woche oder irgendeiner anderen Zeitspanne sein, die in den Bedingungen des Scheines spezifiziert ist. Das Anlagerisiko wird durch die Durchschnittbildung reduziert, da sich ein (gleitender) Durchschnitt naturgemäß weit weniger schwankend (volatil) verhält. Die Anlage in einen solchen Schein ist vor allem für Anleger interessant, die sehr langfristig spekulieren.

Was ist ein Lookback-Optionsschein?

Das wesentliche Merkmal eines Lookback-Optionsscheins ist der gleitende Basispreis (strike). Während der Laufzeit passt sich der strike automatisch den Niedrigstständen (Call), bzw. den Höchstständen (Put) an. Der Schein wird also unter allen Umständen "am Geld" sein. Ein solcher Schein ist besonders empfehlenswert, wenn in der nahen Zukunft große Kursbewegungen des Basisobjektes erwartet werden.
Erwartet der Anleger eine Kurserholung nach einem Einbruch des Basisobjektes, so behält der Lookback-Call den Tiefststand der Aktie als strike und läuft bei einer tatsächlichen Kurserholung schnell ins Geld.
Erwartet der Anleger eine Konsolidierung nach einem hitzigen Kursanstieg, so bleibt der erreichte Höchstkurs der strike eines Lookback-Puts.

Was ist eine Chooser-Option?

Eine Chooser-Option (englisch. to choose - wählen) ist ein Schein im Schein. Der Chooser hat selbst eine bestimmte Laufzeit. Am Ende der Laufzeit des Choosers wandelt er sich, je nach Kursentwicklung des Basisobjektes, entweder in einen Call (wenn der Kurs über dem strike des Choosers liegt) oder einen Put (wenn der Kurs unter dem strike des Choosers liegt), deren Laufzeit ebenfalls bereits im Chooser festgelegt ist. Eine Anlage in einen Chooser ist dann empfehlenswert, wenn der Anleger starke, vom Markt noch nicht antizipierte, Schwankungen erwartet. Der Chooser ist sehr stark von der Volatilität des Basisobjektes abhängig.

Was ist ein Cliquet- oder Ratchet-Optionsschein?

Ein Cliquet- oder Rachetschein ist einem Lookback-Schein ähnlich. Hier wird der strike des Scheins in bestimmten Intervallen (zum Beispiel monatlich) an den aktuellen Kurs des Basisobjektes angepasst. Ungleich dem Lookback-Schein wird jedoch in beide Richtungen angepasst.

Wird der neue strike des Scheins zum Beispiel um 20 Euro nach oben gesetzt, so werden diese 20 Euro (abhängig vom Bezugsrechtsverhältnis) als Auszahlung garantiert und werden somit Teil des inneren Wertes des Optionsscheins. Fällt danach der Kurs des Basisobjektes und wird der strike um 30 Euro gesenkt, so bleiben dem Anleger die bereits garantierten 20 Euro erhalten. Diese Form der Anlage ist ideal um sich gegen spätere Verluste abzusichern.

Einen Cliquet- oder Ratchetschein kann man auch als eine Kette von aufeinander folgenden Calls oder Puts betrachten, bei denen jedoch die Transaktionskosten zur Anschaffung eines neuen Calls entfallen.



Text: @JüB

 
NamePunkteProzent
Dax 6.536,09 +1,45
TecDax 746,70 +2,21
DowJones 11.632,38 +0,26
Nasdaq 2.325,88 +0,95
STOXX 50 3.387,50 +1,84
Nikkei 225 13.312,93 +0,97
S&P 500 Zert. 12,80 +2,40
Euro/Dollar 1,57 +0,12
Bund Future 110,11 +0,03
Gold 923,20 +0,16
Öl 126,52 -4,27
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