Atomstreit mit Iran

Ahmadineschad: „Erstickt an eurer Wut“

13. April 2006 Iran will trotz internationalen Drucks auch weiterhin Uran anreichern. Die Welt müsse sein Land als Atommacht behandeln, forderte Präsident Mahmud Ahmadineschad am Donnerstag. Die Kritik des Westens wies er barsch zurück. Die Anreicherung von Uran sei für Iran eine „rote Linie“, bei der es „keine Kompromisse mit wem auch immer“ geben werde, sagte Ahmadineschad.

Ahmadineschad reklamierte laut der amtlichen Nachrichtenagentur Irna abermals, sein Land sei „eine Atommacht und spricht mit anderen von der Position eines nuklearen Landes aus“. Am späten Mittwoch abend sagte er: „Für alle, die wütend sind darüber, daß Iran erstmals erfolgreich Uran anreichern kann, haben wir eine Antwort: Seid wütend und erstickt an eurer Wut.“

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed El Baradei, hat nach Gesprächen in Iran eine durchwachsene Bilanz gezogen. Die IAEA habe keine konkreten Hinweise darauf, daß die Iraner Nuklearmaterial von ihrem zivilen Atomprogramm für ein geheimes Atomwaffenprogramm abzweigten, sagte El Baradei am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Teheran. „Aber das Bild ist noch immer trüb und nicht sehr klar“, fügte der IAEA-Chef hinzu.

Zahlreiche Aktivitäten verheimlicht

El Baradei kritisierte, Iran habe seiner Behörde in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Aktivitäten verheimlicht. In seinen Gesprächen habe er auch auf die Forderung der Vereinten Nationen verwiesen, Iran sollte die besonders umstrittene Urananreicherung bis zur Klärung der offenen Fragen aussetzen, sagte der IAEA-Chef. Der bei der Pressekonferenz anwesende iranische Chefunterhändler für das Atomprogramm, Ali Laridschani, wies diese Forderung umgehend zurück. Erst am Dienstag hatte Iran bekanntgegeben, seinen Wissenschaftlern sei erstmals die Anreicherung von Uran für die Herstellung von Kernbrennstoff gelungen.

Der Chef der russischen Atomenergiebehörde, Sergej Kirijenko, wies unterdessen darauf hin, daß Iran von einer Urananreicherung in industriellem Umfang noch weit entfernt sei. Mit den 164 Zentrifugen, die nach iranischen Angaben bislang in der Atomanlage Natanz eingesetzt wurden, könne Iran nur „eine Anreicherung auf ein niedriges Niveau in unbedeutenden Mengen“ erreichen, sagte Kirijenko. Iran hat allerdings angekündigt, schon bis zum Jahresende sollten 3.000 Zentrifugen zum Einsatz kommen, langfristig sogar 54.000.

Sonderbotschafter aus China

Wladimir Jewsejew vom Moskauer Carnegie Center beurteilte Ahmadineschads Äußerungen als Versuch, seine Popularität in der islamischen Welt zu vergrößern. Er befürchte, der Westen werde die Urananreicherung „als das Überschreiten einer weiteren roten Linie betrachten, und das wird die Bemühungen Rußlands und Chinas behindern, einen Kompromiß herbeizuführen“. Die chinesische Regierung kündigte unterdessen an, sie werde an diesem Freitag einen Sonderbotschafter nach Iran und nach Rußland entsenden. Der Besuch werde bis zum kommenden Dienstag dauern. Die Regierung hoffe auf eine Lösung durch Dialog und Diplomatie, erklärte das Außenministerium in Peking.

Die französische Regierung kündigte eine harte Linie im UN-Sicherheitsrat an, sollte Iran die Forderungen der internationalen Gemeinschaft nicht erfüllen. In dem Fall werde das UN-Gremium seiner Verantwortung gerecht werden und die „notwendigen Maßnahmen“ ergreifen, erklärte Außenminister Philippe Douste-Blazy im RTL-Radio. Frankreich sei sehr beunruhigt über die Äußerungen Teherans zu den Erfolgen beim Ausbau des Atomprogramms, die den Forderungen der IAEA und des Weltsicherheitsrats diametral entgegenliefen. Keine zivile Nutzung der Kernenergie rechtfertige die Urananreicherung, sagte der Außenminister.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS

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