Von Klaus-Dieter Frankenberger
Warum das Regime in Iran im Atomkonflikt nicht die schlechtesten Karten hat, kann man am Ölpreis ablesen. Die jüngste rhetorische Eskalation treibt den Preis in die Höhe, spült so Iran (und anderen Krisengewinnlern) zusätzlich Geld in die Kasse, belastet die Weltwirtschaft und mindert die allgemeine Bereitschaft, Teheran in Form von Sanktionen die Kosten für sein Atomprogramm vor Augen zu führen.
Der Ölpreis ist sozusagen der monetäre Beleg dafür, daß es in diesem Konflikt wenig gute und viele schlechte Optionen gibt, wenn verhindert werden soll, daß Iran unter dem Deckmantel der zivilen Atomnutzung militärische Fähigkeiten erwirbt.
Dilemma des Westens
Dieses Dilemma besonders des Westens ist der iranischen Führung natürlich bekannt; es ermuntert den Präsidenten Ahmadineschad zu immer neuen Ausfällen - wobei seine martialische Sprache auch in die Kategorie von Maulheldentum fällt, die die Furcht vor einem Militärschlag bannen soll.
In dieser Situation wäre viel gewonnen, wenn die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates und Deutschland zusammenhielten und sich auf eine realistische Strategie einigten, statt Gemeinplätze auszutauschen wie die Moskauer Standardformel, zu einer Verhandlungslösung gebe es keine Alternative. Genau das hatten die drei europäischen Regierungen ja drei Jahre lang erfolglos versucht, während Rußland sich als Zulieferer Irans für Atomtechnik (und Rüstungsgüter) betätigt und die dem iranischen Programm innewohnende Gefahr verharmlost hat.
Arg komisch
Gelegentlich hat man den Eindruck, Moskau sei mehr an seiner Rolle als Patron Irans und an seinem macht- sowie geopolitischen Wiederaufstieg (und deswegen an einem hohen Ölpreis) interessiert als daran, Teheran die Kontrolle über einen geschlossenen Atomkreislauf zu verwehren. Dabei wäre es dieser Zugewinn an weltordnungspolitischer Stabilität, an dem Rußland und China tatsächlich interessiert sein müßten.
Aber vielleicht wird gegenwärtig doch noch ein direkter amerikanisch-iranischer Gesprächskanal geöffnet. Die Darstellung, ein Mitglied des iranischen Sicherheitsrates halte sich nur privat in Washington auf, hört sich arg komisch an. Gar nicht komisch klingt dagegen der israelische Ausruf, Iran bringe mit Syrien und der palästinensischen Hamas die Saat für den ersten Weltkrieg des 21. Jahrhunderts aus. Das zeigt, wie viel auf dem Spiel steht.
Text: F.A.Z., 19.04.2006, Nr. 91 / Seite 1
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