Von Horst Bacia
09. Juli 2008 Iran hat am Mittwoch während eines Militärmanövers nach eigenen Angaben neun Kurz- und Mittelstreckenraketen abgefeuert. Die Tests sollten der Abschreckung dienen, gegenüber den Feinden Irans Entschlossenheit demonstrieren und sie zu mehr Vorsicht bei ihrem politischen und militärischen Kalkül veranlassen, sagte der Befehlshaber des Luftwaffenkorps in den Revolutionsgarden, Brigadegeneral Hossein Salami, nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Unsere Hand wird immer am Abzug sein, drohte der General. Die Manöver finden seit Wochenbeginn an der Straße von Hormuz statt, durch die etwa vierzig Prozent des in der Welt geförderten Erdöls transportiert werden.
Ein Sprecher Präsident Bushs sagte in Tokayo, wo das Gipfeltreffen r G-8-Staaten zu Ende ging, Iran solle auf weitere Tests verzichten und die Arbeiten an der Entwicklung ballistischer Raketen einstellen. Ballistische Raketen seien auch als Träger für Atomwaffen geeignet. Außenministerin Rice sagte in Sofia, diejenigen, die behaupteten, es gebe keine Bedrohung durch iranische Raketen, sollten darüber vielleicht am besten mit Iran sprechen. Die Außenministerin hatte am Dienstag in Prag ein Abkommen über die Stationierung einer Radaranlage in der Tschechischen Republik unterzeichnet, die Teil des Rakenenabwehrsystems ist, das Amerika und die Verbündeten in Europa vor einer Bedrohung aus Iran und anderen Staaten des Nahen und Mittleren Ostens schützen soll. Die Verhandlungen mit Polen über die Aufstellung von zehn Abfangraketen sind noch nicht abgeschlossen.
Könnten iranische Raketen bald Amerika erreichen?
Zu den neun Raketen, die während des iranischen Manövers abgefeuert worden sein sollen, gehörten nach iranischen Angaben auch Mittelstreckenraketen des Typs Schahab-3, die in ihrer verbesserten Version eine Reichweite von etwa 2000 Kilometer haben sollen und demnach Israel erreichen könnten. Auch verschiedene Typen von Kurzstreckenraketen, die 200 bis 400 Kilometer weit fliegen, seien getestet worden. Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder von den Raketenstarts. Die einstufige Rakete Schahab-3 ist die Weiterentwicklung eines nordkoreanischen Modells (No-Dong).
Die Schahab-3 wird von einem Fahrzeug aus abgefeuert. Das Waffensystem wurde 2004 bei einer Militärparade zum ersten Mal gezeigt und 2006 angeblich zum ersten Mal getestet. Iran soll aber auch an der Entwicklung mehrstufiger Langstreckenraketen arbeiten. Die Pläne für das amerikanische Raketenabwehrsystem gehen von der Annahme aus, dass Iran um 2015 in der Lage sein könnte, die Vereinigten Staaten mit Raketen zu erreichen.
Kampfbereitschaft der iranischen Streitkräfte
Besondere Brisanz erhält die Raketenrüstung durch Hinweise auf ein heimliches iranisches Programm zur Entwicklung von Nuklearwaffen, das es nach Ansicht amerikanischer Geheimdienste zumindest bis 2003 gegeben hat und möglicherweise immer noch gibt. Wegen dieses Verdachts hat der UN-Sicherheitsrat Iran aufgefordert, alle mit der Anreicherung oder Aufarbeitung von Uran verbundenen Aktivitäten einzustellen, bis alle offenen Fragen über ein nicht ausschließlich friedlichen Zwecken dienendes Nuklearprogramm des Regimes in Teheran beantwortet sind. Da Iran dieser Aufforderung nicht nachgekommen ist, verhängte der UN-Sicherheitsrat in bisher drei Entschließungen Sanktionen. Gleichzeitig boten und bieten die fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat und Deutschland dem Mullah-Regime Verhandlungen und ihre Hilfe bei einem friedlichen Nuklearprogramm an.
Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Irna sollten bei dem Manöver an der Straße von Hormuz die Kampfbereitschaft der iranischen Streitkräfte und ihre Fähigkeit demonstriert werden, den Feind präzise und in der frühen Phase eines Angriffs auf die Islamische Republik zu treffen. Um zu verhindern, dass Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangt, hat Präsident Bush eine militärische Option nicht ausgeschlossen. In Israel ist in jüngster Zeit immer wieder von einem möglichen Eingreifen die Rede gewesen, möglicherweise noch vor dem bevorstehenden Amtswechsel im Weißen Haus.
Anfang Juni hatte Israel über dem östlichen Mittelmeer ein umfangreiches Manöver abgehalten, an dem nach Informationen der Zeitung New York Times mehr als 100 Kampfflugzeuge des Typs F-15 und F-16 sowie Tankflugzeuge und Hubschrauber teilnahmen. Geübt wurde angeblich der Einsatz über eine Reichweite von 1500 Kilometern. Das entspricht etwa der Entfernung von Israel zu der iranischen Urananreicherungsanlage in Natans, die sich zu einem großen Teil tief unter der Erde befindet.
Text: FAZ.NET