10. April 2007 Iran ist nach eigenen Angaben bei seiner Uran-Anreicherung einen wichtigen Schritt vorangekommen. Gleich darauf hat das Land den Ton im Streit um sein Atomprogramm weiter verschärft. Ich verkünde stolz, dass Iran seit heute zu den Nationen gehört, die in industriellem Maßstab Kernbrennstoff herstellen, sagte Präsident Mahmud Ahmadineschad am Montag in der Anreicherungsanlage Natans vor Journalisten. Am Dienstag gab der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Gholamresa Aghasadeh, laut der Nachrichtenagentur Irna dann bekannt, dass in Natans bis zu 50.000 Zentrifugen zur Urananreicherung installiert werden sollen.
Iran geht damit demonstrativ auf Konfrontationskurs zum UN-Sicherheitsrat, der wiederholt einen Stopp der Arbeiten gefordert hat. Ahmadineschad stellte zugleich Irans Einbindung in den Atomwaffensperrvertrag in Frage. Die Vereinigten Staaten erklärten am Montag, sie seien sehr besorgt über die Erklärungen. Der Weg zu Verhandlungen über das Atomprogramm stehe aber weiter offen. Atom-Chefunterhändler Ali Laridschani sagte, es sei mit der Einspeisung von gasförmigem Uran in die Zentrifugen der Anlage in Natans begonnen worden.
Verlässt Iran den Atomwaffensperrvertrag?
Die Anreicherungstechnologie steht im Zentrum der internationalen Kritik am iranischen Atomprogramm, weil damit Spaltmaterial auch für Atomwaffen hergestellt werden kann. Westliche Regierungen verdächtigen Iran, mit seinem Atomprogramm heimlich die Herstellung atomarer Sprengköpfe anzustreben. Die Regierung in Teheran bestreitet dies anhaltend. Weil Iran trotz der Aufforderungen des UN-Sicherheitsrats einen Stopp seiner Uran-Anreicherung ablehnt, haben die Vereinten Nationen inzwischen zwei Mal Sanktionen gegen das Land verhängt.
Ahmadineschad betonte, die Islamische Republik werde sich keinem Druck des Auslands beugen. Iran hat bislang einen absolut friedlichen Weg verfolgt und will dies auch weiterhin tun, sagte er. Sie sollten sich hüten, etwas zu tun, das diese Nation zwingt, ihr Verhalten zu überdenken. Laridschani zufolge bezog er sich dabei auf die Mitgliedschaft Irans im Atomwaffensperrvertrag. Falls der Druck auf sein Land wegen des Nuklearprogramms anhalte, werde die Regierung keine andere Wahl haben, als diese zu überprüfen, sagte der Atom-Unterhändler.
Amerika: Neue Zweifel an Absichten Irans
Vor rund einem Jahr hatte Iran verkündet, erstmals Uran angereichert zu haben. Dabei handelte es sich aber nur um geringe Mengen, die nur für Testzwecke geeignet sind. Die Anlage in Natans umfasste Diplomaten zufolge zuletzt knapp 1000 Zentrifugen. Als ersten Schritt zur Anreicherung in großem Stil hat Iran eine Aufstockung auf 3000 Zentrifugen angekündigt. Damit ließe sich Experten zufolge innerhalb eines Jahres genug hoch angereichertes Uran für eine Atombombe herstellen.
Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Sean McCormack, bezeichnete die iranischen Ankündigungen als verpasste Gelegenheit und weiteres Signal, dass Iran sich der internationalen Gemeinschaft widersetzt. Dies wecke neue Zweifel an den Absichten des Landes. Die politische Führung in Teheran könne sich immer noch für den Verhandlungsweg entscheiden, habe dies aber offenkundig bislang nicht getan.
Kommt es zu direkten Gesprächen?
Gelegenheit zu direkten Gesprächen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran könnte es bei einer Irak-Sicherheitskonferenz Anfang Mai geben. Der Irak kündigte am Wochenende an, das ursprünglich für Anfang April in der Türkei vorgesehene Treffen mit seinen Nachbarstaaten und Weltmächten solle nun in Ägypten stattfinden.
Unterdessen kritisierte auch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft die Ausweitung des iranischen Atomprogramms. Die Europäische Union bedauere, dass Teheran nicht die von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mehrfach geforderten Schritte unternommen habe, erklärte der deutsche Vertreter bei der Genfer Abrüstungskonferenz, Bernhard Brasack.
Die internationale Gemeinschaft steht zusammen
Sein chinesischer Kollege Cheng Jingye bekräftigte, sein Land setze weiter auf Diplomatie zur Lösung der Krise. Er rief alle Seiten zu Geduld und Zurückhaltung auf. Nun müssten die diplomatischen Bemühungen verstärkt werden, um die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen, sagte der Diplomat.
Das britische Außenministerium forderte Teheran am Montag auf, die Urananreicherung unverzüglich einzustellen. Iran müsse beweisen, dass er die Nukleartechnik lediglich für die Energiegewinnung nutzen wolle. Die internationale Gemeinschaft steht zusammen, um sicherzustellen, dass Iran nicht die Mittel entwickelt, in den Besitz von Atomwaffen zu kommen, hieß es in der in London verbreiteten Erklärung.
Text: FAZ.NET mit Material von Reuters und AP
Bildmaterial: dpa, REUTERS