Atomstreit

Ahmadineschad weiht umstrittene Schwerwasserfabrik ein

26. August 2006 

Trotz internationaler Warnungen hat Iran sein umstrittenes Atomprogramms weiter vorangetrieben. Präsident Mahmud Ahmadineschad weihte am Samstag eine Fabrik zur Produktion von so genanntem schwerem Wasser ein. Ein solcher Reaktor würde Plutonium abwerfen, das zum Bau von Atomwaffen genutzt werden kann.

Die Fabrik soll dem geplanten Schwerwasserreaktor dienen, der in Arak bis zum Jahr 2009 gebaut werden soll. Ein solcher Reaktor würde Plutonium abwerfen, das zum Bau von Atomwaffen genutzt werden kann. Der amerikanische Präsident George W. Bush will einem Zeitungsbericht zufolge bei einer Ablehnung von Sanktionen gegen den Iran im UN-Sicherheitsrat auch ohne die Vereinten Nationen gegen Teheran vorgehen.

„Iranische Volk wird seine Rechte verteidigen“

„Kein Volk kann seiner Rechte beraubt werden“, sagte Ahmadineschad bei der Einweihung der Fabrik rund 230 Kilometer südwestlich von Teheran. „Und das iranische Volk wird mit aller Macht seine Rechte verteidigen.“ Der Staatschef spielte damit auf das Recht seines Landes auf die Nutzung der Atomkraft zur Stromerzeugung an. Iran wird allerdings von den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Ländern verdächtigt, unter dem Deckmantel ziviler Forschung am Bau von Atomwaffen zu arbeiten.

Auch den Druck der internationalen Gemeinschaft auf sein Land wies Ahmadineschad zurück. „Sie können uns einige Probleme bereiten, aber sie können niemals den wissenschaftlichen Fortschritt aufhalten.“

Brisanter Betrieb

Die mehrere Hektar große Fabrik für schweres Wasser liegt bei dem Dorf Chondab, etwa 50 Kilometer nordwestlich von Arak. Sie wird von Dutzenden Flugabwehrgeschützen gesichert. Das schwere Wasser soll in dem geplanten Reaktor zur Kühlung und als Hilfsmittel bei der Atomreaktion eingesetzt werden. Schweres Wasser enthält statt zweier normaler Wasserstoff-Atome die Wasserstoff-Variante Deuterium. In einem Schwerwasserreaktor kann deshalb Uran in seiner natürlichen Zusammensetzung verwendet werden. Es muß also nicht wie bei einem Leichtwasserreaktor durch Anreicherung verändert werden.

Doch auch der Betrieb eines Schwerwasserreaktor ist brisant. Denn wie die Urananreicherung kann auch dieser Prozeß sowohl zum Bau von Atomkraftwerken als auch für den Bau von Nuklearwaffen verwendet werden. Denn beim Betrieb eines Schwerwasserreaktors fällt atomwaffenfähiges Plutonium an.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat Iran deshalb in einer Resolution im Februar dazu aufgefordert, den Bau des Reaktors zu überdenken. Die Einweihung der Fabrik dürfte vom Westen deshalb als weitere Provokation verstanden werden. Eigentlich hatte der UN-Sicherheitsrat Iran bis zum 31. August Zeit gegeben, um seine umstrittene Urananreicherung auszusetzen.

Teheran hatte am Dienstag lediglich weitere Verhandlungen über das Atomprogramm angeboten, hatte die Urananreicherung aber weitgehend ausgeklammert. Bush wolle bei einer Weigerung von Rußland und China, Sanktionen gegen ran zu verhängen, den UN-Sicherheitsrat außen vorlassen, berichtete die „Los Angeles Times“ unter Berufung auf amerikanische Regierungskreise. Nur gedeckt durch amerikanische Anti-Terror-Gesetze wolle der Präsident dann die Sanktionen gegen Teheran verschärfen. So sollten dann finanzielle Beschränkungen verhängt und gegen die Lieferung von Gütern an den Iran vorgegangen werden, die für den Bau von Raketen oder Atomanlagen verwendet werden könnten, hieß es weiter.

Text: AFP

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