
Der Westen regt sich - zum Teil zu Recht - über die brutalen und unangemessenen Reaktionen in Teilen der islamischen Welt über die Mohamedkarikaturen auf, spricht salbungsvoll von Menschenrechten und der Verteidigung der Freiheit. Die FAZ veröffentlicht unqualifizierte Beschimpfungen deutscher Migrationsforscher durch Herren Kaube und Frau Schwarzer - alles mit dem Ziel diejenigen die für einen ernsthaften Dialog der Kulturen eintreten zu diskreditieren.
Aber wo bleibt bei diesen "Kreuzrittern" der Menschenrechte, den Apologeten der westlichen Zivilisation der Aufschrei der Empörung, wenn im Namen der Zivilisation geprügelt, gefoltert, gemordet und die völkerrechtliche Ordnung eklatant gebrochen wird? Immer dann wird es seltsam still - man hört von all den Vertretern der "freien Welt" wenig bis nichts. Schweigen vor Verbrechen gegen Muslime als Zeichen der westlichen Welt? Ich hatte mir die westliche Welt, ihre Kultur der Aufklärung, des liberalen Diskurses und der Anerkennung internationaler Rechtsstandards weniger beliebig vorgestellt. Aber vielleicht ist das die Lehre aus dem forcierten "Kampf der Kulturen": Menschenwürde, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Toleranz gelten immer nur in Zeiten in denen sie niemanden etwas kosten - im Moment des selbsterklärten "Ausnahmezustands" verlieren sie für die überwältigende Mehrheit in Politik, Bevölkerung und Militär ihren Wert bzw. werden relativiert. Das dieses Verhalten Wut und Verzweifelung fördert ist logisch.