09. Januar 2007 Erstmals seit Beginn des somalischen Krieges haben die Vereinigten Staaten direkt in die Auseinandersetzungen eingegriffen. Bei einem amerikanischen Luftangriff auf mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen im Süden Somalias sind nach Informationen der Regierung des ostafrikanischen Landes mindestens 30 Menschen getötet worden.
Amerikanische Kampfflugzeuge haben drei Dörfer im Grenzgebiet zu Kenia angegriffen, sagte Colonel Omar Addi am Dienstag in der Hafenstadt Kismayo. Die Angriffe waren mit uns abgesprochen.
Der stellvertretende somalische Ministerpräsident Hussein Aideed sagte am Dienstagmorgen, Ziel des Angriffs sei es gewesen, die Verantwortlichen für die Bombenanschläge auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania zu töten. Die somalische Regierung unterstütze dieses Vorgehen voll und ganz. Zuvor hatte bereits ein Regierungsbeamter in Washington den Angriff bestätigt.
Der amerikanische Angriff galt dem Dorf Hayo in dem südlichen Zipfel Somalias, in den sich die Islamisten nach der Aufgabe von Mogadischu vor zwei Wochen zurückgezogen haben. Die nächsten Gemeinden sind Afmadow und Doble. Truppen der somalischen Übergangsregierung verfolgen die versprengten Reste der Bewegung mit Unterstützung der äthiopischen Armee.
Angeblich Al-Qaida-Führer getötet
Washington hat die in dem Krieg zurückgeschlagenen Islamisten im Verdacht, Al Qaida zu unterstützen. Die Amerikaner sagen, dass sich dort unter den Islamisten ein Al-Qaida-Mitglied aufhält, das die Einsätze in Ost-Afrika befehligt, sagte ein Regierungsvertreter.
Somalia gilt seit langem als Zufluchtsort für Al Qaida. Das mehrheitlich von Muslimen bevölkerte Land befindet sich seit dem Sturz von Diktator Mohammed Siad Barre vor mehr als 15 Jahren im Zustand der Anarchie. Vor der Küste des Landes am Horn von Afrika patrouillieren im Rahmen des internationalen Kampfes gegen den Terrorismus auch deutsche Marinesoldaten. Rund 260 Soldaten sind im Einsatz.
Augenzeugen: Auch zivile Opfer
Nach Informationen der Zeitung Washington Post ist unter den Opfern auch einer der Verantwortlichen für die Anschläge auf die Botschaften im Jahr 1998. Damals kamen in Nairobi und Daressalam mehr als 250 Menschen ums Leben. Laut Augenzeugen war unter den Opfern auch sechs Mitglieder einer Familie, die eine Hochzeit feierten.
Die Vereinigten Staaten werfen den Ende Dezember aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu vertriebenen Islamisten vor, Terroristen der Al Qaida Unterschlupf gewährt zu haben. Die Islamisten-Bewegung hat Somalia im vergangenen Jahr vom Süden aus Stück für Stück aus den Händen der Übergangsregierung erobert und Mogadischu zuletzt ein halbes Jahr lang kontrolliert. Äthiopien griff an Weihnachten in die Kämpfe ein, um eine radikal-muslimische Herrschaft im Nachbarland zu verhindern. Die Regierung in Addis Abeba ist eng mit Washington verbunden.
Somalia als neues Schlachtfeld
Nach dem militärischen Sieg der Übergangsregierung mit Unterstützung äthiopischer Truppen haben sich die Kämpfer der islamistischen Miliz in das südliche Grenzgebiet zu Kenia zurückgezogen. Erst kürzlich hatte der zweite Mann an der Spitze des Terrornetzes Al Qaida, Ayman al Zawahiri, Somalia als neues Schlachtfeld bezeichnet. Eine Zawahiri zugeschriebene Stimme sprach in einer Botschaft, die am Freitag vergangener Woche im Internet veröffentlicht wurde, von einem Krieg, den die Vereinigten Staaten gegen den Islam und gegen Muslime führten. Zudem hätten die UN sich geweigert, die äthiopischen Soldaten zum Rückzug aus Somalia aufzufordern.
Das amerikanische Militär setzte vermutlich das Kampfflugzeug AC-130 ein, das für den Vietnam-Krieg auf der Basis eines Transportflugzeuges entwickelt worden war. Es hat einen Propeller-Antrieb und ist mit elektronischen Sensoren und schweren Geschützen ausgestattet, die gezielte Angriffe erlauben. Es gilt als sicher, dass die Maschine vom Stützpunkt der amerikanischen Eliteeinheit für Spezialeinsätze am Horn von Afrika in Dschibuti aus gestartet ist.
Die Attentäter der Bombenanschläge auf die Botschaften von Kenia und Tansania 1998 sollen Somalia als Basis benutzt haben. Nach den katastrophalen Erfahrungen Anfang der neunziger Jahre hatte es Amerika jedoch bislang vermieden, in dem Land abermals direkt einzugreifen. Mit einem Mandat der Vereinten Nationen (UN) hatten die amerikanischen Truppen damals in den Unruhen nach Barres Sturz einen Militäreinsatz angeführt. Sie zogen sich im März 1994 zurück, nachdem amerikanische Gefallene geschändet worden waren. Von den Ereignissen gab es schockierende Bilder
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z.