12. Oktober 2006 Der amerikanische Präsident George W. Bush hat eine Studie als unglaubwürdig bezeichnet, laut der seit Beginn der Invasion im Irak 655.000 Menschen gewaltsam ums Leben kamen. Am Mittwoch hatten amerikanische und irakische Gesundheitsfachleute einen Bericht veröffentlicht, der besagt, daß bei dem von den Vereinigten Staaten geführten Einmarsch im Jahr 2003 und bei der folgenden Gewalteskalation zweieinhalb Prozent der irakischen Bevölkerung ausgelöscht wurden.
Die Todesrate habe sich seit Kriegsbeginn mehr als verdoppelt, hieß es in der Studie, die die medizinische Fachzeitschrift The Lancet im Internet veröffentlichte. Die bei direkten Befragungen erhobenen Daten ergaben eine deutlich höhere Todesrate als die offizielle irakische Totenstatistik. Die häufigste Todesursache waren laut den Experten Schußverletzungen; die meisten Getöteten waren Jugendliche oder Männer. Die Zahlen beruhen auf einer Befragung von etwa 13.000 zufällig ausgewählten Menschen im Irak zwischen Mai und Juni.
Neben Bush wies auch das Pentagon den Bericht zurück. Es habe keinesfalls mehr als 50.000 Tote gegeben, sagte der Kommandeur der multinationalen Streitkräfte im Irak, General George Casey, in Washington.
Schwarzenegger geht auf Distanz
Unterdessen hat der republikanische kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger mitten im Wahlkampf Bushs Irak-Politik kritisiert. Schwarzenegger sagte am Mittwoch in der Tonight-Show des amerikanischen Fernseh-Talkmasters Jay Leno, im Irak seien eine Menge Fehler gemacht worden. Es müsse so schnell wie möglich eine Strategie für den Abzug der Truppen gefunden werden.
Der Frage, ob Verteidigungsminister Donald Rumsfeld entlassen werden sollte, wich Schwarzenegger aus. Es war dennoch seine bisher deutlichste Kritik an der Irak-Politik des Präsidenten. Die Republikaner befinden sich mitten im Wahlkampf: Für Bush geht es im kommenden Monat bei Zwischenwahlen um die Mehrheit im Kongreß, Schwarzenegger stellt sich in Kalifornien der Wiederwahl als Gouverneur.
Bush zeigte sich am Mittwoch offen für neue Taktiken, um der anhaltenden Gewalt im Irak Herr zu werden. Wenn die gegenwärtigen Pläne nicht funktionieren, müssen wir sie ändern, sagte Bush zu abweichenden Einschätzungen republikanischer Politiker über die Lage im Irak. Einen vorzeitigen Truppenabzug schloß er jedoch aus.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, Reuters