11. November 2004 Staatsgäste aus aller Welt nehmen an diesem Freitag an der Trauerfeier für den palästinensischen Präsidenten und PLO-Chef Arafat in Kairo teil. Nach langem Leiden war Arafat in der Nacht zum Donnerstag in einem Krankenhaus in Paris gestorben und am Abend nach Kairo geflogen worden.
Arafats Witwe begleitete den Leichnam, der auf dem streng gesicherten Militärflughafen von Kairo aufgebahrt wurde. An diesem Freitag nachmittag soll Arafat nach Ramallah ins Westjordanland überführt werden. Israel sperrte unterdessen den Gaza-Streifen und das Westjordanland rigoros ab; Ramallah wurde mit weiteren Kontrollpunkten umgeben. Freiwillige verstärken die Sicherheitskräfte.
Nur Stunden nach der offiziellen Todesnachricht war in Ramallah der bisherige Parlamentspräsident Rawhi Fatouh als Übergangspräsident vereidigt worden. In seiner Antrittsrede sagte er, er wolle auf dem Pfad weitergehen, den unser Symbol einschlug. Auch er fühle sich dem Friedensprozeß mit Israel verpflichtet. Binnen 60 Tagen sind eigentlich Neuwahlen vorgesehen.
Historische Wende in Nahost?
Doch schon gibt es offenbar Bemühungen, demnächst das Grundgesetz zu ändern, um zunächst ohne Wahlen und auf längere Frist einen Präsidenten zu bestimmen. Auch Fatouh tritt dafür ein. Strittig sei nur, ob der Autonomierat den Präsidenten wählen solle oder ein Gremium der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), heißt es. Als Kandidaten gelten der jetzige PLO-Chef Mazen und der frühere Sicherheitschef Dahlan.
Der israelische Ministerpräsident Scharon sieht in Arafats Tod die Chance für die historische Wende in Nahost. Israel sei ein nach Frieden strebendes Land, sagte der Ministerpräsident. Er hoffe, die neue Führung in Ramallah werde darauf hinwirken, den Terror zu beenden. Israel werde sich bemühen, rasch eine friedliche Lösung auszuhandeln. Aber offenbar soll es erst nach erkennbaren Zeichen des Kampfes gegen die Gewalt israelische Friedensgesten geben. Oppositionsführer Peres sagte, nun seien in Ramallah neue Partner, und ich habe keinen Zweifel, daß sie Frieden wollen. Er forderte die eigene Regierung auf, diese neue Führung zu unterstützen.
Wie in den vergangenen Tagen vorbereitet, wählte das Exekutivkomitee der PLO am Donnerstag den früheren Ministerpräsidenten Mahmud Abbas zum Vorsitzenden. Neuer Generalsekretär der Fatah-Organisation wurde Faruk Qadumi, der im Exil lebt. Ahmed Qurei bleibt Ministerpräsident, verwahrt die PLO-Finanzen und ist Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates, der das Kommando über alle Sicherheitskräfte führt.
Unruhe unter Palästinensern
Derweil kam es nicht nur in verschiedenen palästinensischen Lagern im Exil zu Unruhen. In Ramallah marschierten etwa hundert maskierte und bewaffnete Palästinenser auf, die der neuen Führung im Falle von Konzessionen gegenüber Israel mit dem Tod drohten. Hierzu hieß es im Radio, die Führung unter Abbas werde jetzt rasch unter den Druck der von der Hizbullah finanzierten Fatah-Milizen geraten. An verschiedenen Kreuzungen im Westjordanland warfen jugendliche Palästinenser Steine auf israelische Siedler und deren Wagen.
Der Sprecher der islamistischen Hamas, Meschal, behauptete, Israel habe Arafat vergiftet. Diese Beschuldigung wies der israelische Außenminister Schalom als skandalös und falsch zurück. Meschal hatte darauf verwiesen, daß Israel 1997 versucht hatte, ihn mit einer Giftspritze zu töten. Er habe nur überlebt, weil Israel auf Druck des damaligen jordanischen Königs Hussein das Gegenmittel zur Verfügung stellte.
Trauerfeier in Kairo
Die ägyptischen Behörden ergriffen am Donnerstag strenge Sicherheitsmaßnahmen rund um den Flughafen von Kairo, wo am späten Donnerstag die französische Armeemaschine mit Arafats Leichnam eintraf. Zuvor hatte es auf dem Rollfeld des Flugplatzes in Villacoublay unter Beteiligung hochrangiger französischer Kabinettsmitglieder eine kurze Trauerzeremonie gegeben. Arafats Witwe Suha verneigte sich auf dem Rollfeld weinend vor dem in eine Palästinenserfahne gehüllten Sarg.
Direkt neben Suha standen Frankreichs Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin und Außenminister Michel Barnier. Acht Soldaten trugen den Sarg dann in das bereit stehende Flugzeug, das danach auch Suha bestieg. Eine Formation der republikanischen Garde Frankreichs erwies dem Verstorbenen mit gezogenem Säbel eine letzte Ehrenbezeugung.
Zu der Trauerfeier am Freitag sagten sich Politiker aus aller Welt und mehrere Staatschefs an. Als Vertreter der EU-Ratspräsidentschaft wird der niederländische Außenminister Bot erwartet. Auch der EU-Außenbeauftragte Solana sagte seine Teilnahme zu. Bundesaußenminister Fischer wollte ebenso nach Kairo reisen wie die Außenminister aus Frankreich, Großbritannien, Spanien und der Türkei.
Die Vereinigten Staaten schicken William Burns, Abteilungsleiter im Außenministerium, nach Kairo. Zudem sagten sich der tunesische Präsident Ben Ali, König Abdullah II. von Jordanien, der indonesische Präsident und Bangladeshs Präsident sowie der südafrikanische Staatschef Mbeki an.
Beisetzung in Ramallah
Direkt nach der Trauerfeier in Kairo soll der Leichnam am Nachmittag mit einem ägyptischen Armeehubschrauber nach Ramallah geflogen werden. Dort wird der Leichnam in Arafats Hauptquartier aufgebahrt. Von drei Uhr an kann dort das Volk von ihm Abschied nehmen. Gegen 16 Uhr soll ein Totengebet gesprochen werden. Anschließend soll Arafat im Hof des Gebäudes zur letzten Ruhe gebettet werden.
Wie der palästinensische Minister für kommunale Angelegenheiten, Schubaki, sagte, wurde für die Beisetzung eigens Erde aus Jerusalem herantransportiert. Arafat werde in einem Betonsarg beigesetzt, der zu einem späteren Zeitpunkt nach Jerusalem gebracht werden könne. Arafat hatte den Wunsch geäußert, in Jerusalem bestattet zu werden, das die Palästinenser zur Hauptstadt eines unabhängigen Staates machen wollen. Israel hatte dies abgelehnt.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, dpa/dpaweb, REUTERS