Mexiko

Bundespolizei soll Unruhen in Oaxaca beenden

Lehrerprotest an der Einfallstraße nach Oaxaca

Lehrerprotest an der Einfallstraße nach Oaxaca

29. Oktober 2006 Nach Unruhen mit mehreren Toten hat der mexikanische Präsident Vicente Fox Bundespolizisten in die von Aufständischen besetzte Stadt Oaxaca entsandt. Die linksgerichteten Aktivisten verstärkten daraufhin am Wochenende ihre Barrikaden und blockierten die Einfallstraßen mit Baumstämmen und Sattelanhängern. Bei Schießereien kamen am Freitag drei Menschen ums Leben, darunter ein Journalist aus den Vereinigten Staaten.

Die Regierung forderte die Aufständischen auf, unverzüglich die besetzten Straßen, Plätze und öffentlichen Gebäude zu räumen. Die Bundespolizisten landeten am Samstag mit Transportmaschinen auf dem Flughafen von Oaxaca. Der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft, Daniel Rosas, sagte, man schätze, daß bis Samstag abend 4.000 Polizisten eingetroffen seien.

„Geboren, um zu sterben“

Anfahrt auf Oaxaca: Fahrzeuge der mexikanischen Bundespolizei

Anfahrt auf Oaxaca: Fahrzeuge der mexikanischen Bundespolizei

Die wichtigste Straße, die in die Stadt führt, war bis auf eine Spur abgeriegelt. Ein von Demonstranten besetzter Radiosender rief dazu auf, sich auf Straßenschlachten mit den Polizisten einzustellen. Die Aktivisten stapelten Sandsäcke auf und parkten Lastwagen und Busse auf den Straßen, die ins Stadtzentrum führen. „Wir haben keine Angst, wir sind geboren, um zu sterben“, sagte die 29 Jahre alte Iris Hernandez, die eine Straßensperre bewachte. Im Zentrum von Oaxaca waren fast alle Läden und Restaurants geschlossen. Die sonst so zahlreichen Straßenhändler waren verschwunden.

Den Unruhen fiel am Freitag auch ein Amerikaner zum Opfer. Der 36 Jahre alte New Yorker Brad Will berichtete für das Internet-Angebot indymedia.org über die Lage in Oaxaca. Er erlitt einen Bauchschuß und starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Zu dem tödlichen Zwischenfall kam es, als Bewaffnete eine Straßensperre beseitigen wollten. Staatsanwältin Lizbeth Cana sagte, aufgebrachte Bewohner hätten sich gegen die Gewalt und die Drohungen der Aufständischen zur Wehr gesetzt. Dagegen vermutete der amerikanische Botschafter Tony Garza, bei den bewaffneten Männern könnte es sich um Polizisten gehandelt haben. Die Demonstranten beschuldigten Gouverneur Ulises Ruiz, die Bewaffneten in die Stadt geschickt zu haben, um „unsere Leute zu massakrieren“.

Rücktritt des Gouverneurs gefordert

Ausgangspunkt des Aufstands war ein im Mai begonnener Streik der Lehrer, die mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen forderten. Ihnen schlossen sich im Juni Studenten und Teile der indigenen Bevölkerung an. Die Aufständischen verlangen den Rücktritt von Gouverneur Ruiz, dem sie Wahlbetrug und die Einschüchterung von Dissidenten vorwerfen. Am Donnerstag beschlossen die Lehrer ein Ende ihres Streiks. Die Hoffnung, dies könnte die Lage in Oaxaca entschärfen, erwies sich am Wochenende jedoch als falsch.

Oaxaca ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundeslands im Süden von Mexiko. Wegen seiner kolonialen Architektur, der nahe gelegenen historischen Ausgrabungsstätte Monte Albán und der indianischen Kultur ist Oaxaca ein beliebtes Reiseziel für ausländische Touristen.

Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: AFP, AP, dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sie suchen eine günstige Unterkunft für den nächsten Urlaub? Jetzt Ferienwohnungen und Ferienhäuser finden bei Immowelt.de und FAZ.NET!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche