Von Christina Hucklenbroich
13. Mai 2008 Mehr als eine Woche nach dem verheerenden Zyklon dringen Hilfsorganisationen allmählich in entlegene Regionen des Katastrophengebietes in Burma vor. Zu einem Hilfszentrum entwickelt sich die zerstörte Hafenstadt Labutta in dem am schwersten getroffenen Irrawaddy-Delta. Die Lage in Labutta ist sehr, sehr dramatisch“, sagte Birke Herzbruch von Malteser International am Dienstag in Rangun. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind im Katastrophengebiet schon die ersten Ruhr-Fälle aufgetreten.
Sehr viel Militär, sehr angespannte Stimmung, zusammengepferchte Menschen“, beschreibt Ralph Dickerhof von der Deutschen Welthungerhilfe, was burmesische Helfer aus dem Delta berichten. Allein in der Stadt Bogaley sind etwa fünfzig Lager entstanden, die meisten spontan, drei sind von der Regierung eingerichtet worden.“ Die Lager entwickeln sich in erster Linie rund um Schulen oder andere größere Gebäude, die nicht allzu zerstört sind. Viele Menschen campieren außerdem am Straßenrand, weil sie hoffen, hier schneller an Lebensmittel und Informationen zu gelangen, wenn Hilfsteams durch die Ortschaften fahren.“
Ausländische Hilfe weiter unerwünscht
Die burmesische Staatspresse machte am Dienstag noch einmal deutlich, dass ausländische Helfer im Land nicht erwünscht sind. Die Bedürfnisse der Überlebenden des Wirbelsturms seien erst einmal gestillt, sagte Vizeadmiral Soe Thein laut einem Bericht der Zeitung Neues Licht von Burma“. Dem Junta-Vertreter zufolge brauche Burma derzeit keine ausländischen Helfer, sondern Hilfslieferungen und Geld. Weiterhin ist es für Ausländer sehr schwierig, innerhalb des Landes Reisegenehmigungen zu bekommen. Die Verteilung der Hilfsgüter übernehme das Militär, sofern die Spender keine einheimischen Mitarbeiter im Land hätten, teilte die Junta mit. Wir können nur unsere einheimischen Mitarbeiter ins zerstörte Irrawaddy-Delta schicken“, sagt Ralph Dickerhof, der seit Freitag in Rangun ist und die Stadt nicht verlassen kann.
Auf der Straße von Rangun nach Bogaley und damit ins Delta befinde sich ein Kontrollpunkt des Militärs, von wo aus am Dienstag sogar ein Wagen der UN mit einheimischen Helfern zurückgeschickt worden sei, berichtet Dickerhof. Beim zweiten Versuch konnten die UN-Mitarbeiter dann aber doch passieren.“ Insgesamt sei die Arbeit in Burma wegen der mangelnden Kooperation der Regierung ein ständiges Auf und Ab“.
Leichen und Kadaver verunreinigen das Wasser
Der Welthungerhilfe gelingt es nur über die Zusammenarbeit mit dem burmesischen Roten Kreuz, Hilfsgüter zu verteilen – darunter vor allem Reis, Linsen, Speiseöl, Salz und Zucker, aber auch Seife, Plastikplanen und Eimer, mit denen die Menschen Regenwasser auffangen können. In Frankfurt starteten am Montagabend Fachleute für Trinkwasser-Aufbereitung des Technischen Hilfswerks in Richtung Rangun. Die Menschen konnten die ganze Woche nur aus Brunnen trinken, in denen das Wasser durch die Flutwelle versalzen war. Hilfsorganisationen verteilten bislang Wasser aus Tanks und Tabletten zur Wasserentkeimung. Noch immer werden Leichen und Viehkadaver aus Flüssen geborgen.
Viele Gebiete sind aber immer noch völlig von Hilfe abgeschnitten. In den Dörfern kommt keine Hilfe an, weil auf den Straßen nichts transportiert werden kann“, schildert ein Einheimischer seine Eindrücke anonym auf der Website des in Norwegen ansässigen Exilsenders Demokratische Stimme Burmas“. Hunderte von Leichen trieben in den Flüssen. Nach aktualisierten Angaben der burmesischen Behörden kamen durch den Sturm mehr als 34.000 Menschen ums Leben. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der Toten dagegen auf bis zu 100.000.
Verwaiste Kinder von Menschenhändlern bedroht
Hilfsorganisationen nehmen an, dass mindestens 40 Prozent der Opfer des Wirbelsturms Kinder sind. Außerdem sind Tausende von Kindern während des Sturms von ihren Eltern getrennt worden. Unicef konnte bislang acht Kinderschutzzonen in Auffanglagern einrichten. Die Kinder werden dort betreut und vor Übergriffen geschützt. Nach Angaben der Vereinten Nationen bedrohen Kinderhändler die jüngsten Opfer der Katastrophe. Zwei Verdächtige seien bereits festgenommen worden, teilten die UN am Dienstag mit. Ein Zwischenhändler sei in der vergangenen Woche in eine Notunterkunft gekommen und habe versucht, Kinder abzuwerben. Die Polizei habe aber eingegriffen.
Die Vereinten Nationen haben die Einrichtung einer Luftbrücke gefordert. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte am Montag gesagt, er sei zutiefst besorgt und sehr frustriert über die unakzeptabel langsame Reaktion der Regierung Burmas. Das Welternährungsprogramm habe bisher lediglich 361 Tonnen Lebensmittel nach Burma schicken können, von denen noch nicht einmal die Hälfte verteilt worden seien, sagte die Sprecherin des UN-Büros für die Koordination humanitärer Angelegenheiten, Elisabeth Byrs, am Dienstag in Genf.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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