24. Juli 2008 Serbien hat eine Untersuchung der falschen Identität des verhafteten ehemaligen bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic eingeleitet. Dabei soll geklärt werden, wer Karadzic geholfen hat, die falsche Identität anzunehmen, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen in Serbien, Bruno Vekaric, am Donnerstag erklärte. Außerdem soll das Schicksal von Dragan Dabic geklärt werden, dessen Identität Karadzic angenommen hatte.
Dabic war 1993 in Sarajewo gestorben. Serbischen Medien zufolge war er ein serbischer Kämpfer, der im Krieg getötet wurde. Berichte aus Sarajevo hingegen besagten, dass Dabic ein gewöhnlicher Bürger der Stadt gewesen sei. Während der Belagerung Sarajevos durch Karadzics Truppen sei er getötet worden.
36 Millionen aus der Zentralbank Banja Luka
Karadzic wird voraussichtlich am Wochenende oder Anfang der kommenden Woche an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt.
Die Belgrader Zeitung Danas berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Polizeiquellen, dass die Personalpapiere auf den Namen Dragan David Dabic von der Polizei in der Stadt Ruma, gelegen 50 Kilometer nordwestlich von Belgrad, ausgestellt worden seien. Karadzic soll seine langjährige Flucht auch durch Geld finanziert haben, das er aus der Nationalbank der bosnischen Serbenrepublik entwendet hatte. Dem früheren Präsidenten der Serbenrepublik sei 1997 erlaubt worden, aus den Banktresoren insgesamt 36 Millionen D-Mark mitzunehmen, berichtete die in Sarajevo erscheinende Zeitung Dnevni avaz am Donnerstag.
Stolz auf sein Wirken
Das Blatt zitierte aus einem vor drei Jahren geführten Interview mit dem heutigen Regierungschef der Serbenrepublik, Milorad Dodik, Karadzic habe einmal Banknoten im Wert von 28 Millionen D-Mark (DM) und ein paar Tage später von acht Millionen DM in Taschen aus dem Bankgebäude in Banja Luka getragen. Er war damals schon vom UN- Kriegsverbrechertribunal angeklagt und ohne jede politische Funktion. Die DM war damals in allen ehemaligen jugoslawischen Staaten inoffizielles Zahlungsmittel.
Der mutmaßliche Kriegsverbrecher, dem das UN-Tribunal Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorwirft, ist stolz auf sein Wirken in Bosnien während des Bürgerkrieges (1992-1995). Das berichtete sein Anwalt Svetozar Vujacic nach einem Bericht der Zeitung Politika am Donnerstag in Belgrad. Karadzic wird in Den Haag erklären, dass er stolz auf alles ist, was er getan hat und dass er das serbische Volk in Bosnien-Herzegowina gerettet hat, sagte sein Anwalt: Er wird beweisen, dass die Anschuldigungen auf Lügen fußen und dass er nur angeklagt ist, weil er Serbe ist.
Rice hofft auf Verhaftung Mladics
Nach der Festnahme Karadzics hofft US-Außenministerin Condoleezza Rice darauf, dass auch sein Armeechef Ratko Mladic bald gefasst wird. Durch die Festnahme hätten die Serben einen großen Schritt gemacht beim Schließen eines der schwärzesten Kapitel ihrer Geschichte, sagte Rice am Donnerstag bei einem Besuch in Singapur. Ich hoffe, dass Mladic der nächste ist. Zugleich betonte die US-Außenministerin, dass Belgrad sich durch die jüngsten Entwicklungen klar Richtung Europa bewegt und seine europäische Identität gestärkt habe.
Mehrere hundert Anhänger des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic haben in der serbischen Hauptstadt Belgrad am Mittwochabend erneut gegen dessen Festnahme protestiert und wieder für Unruhen gesorgt. In der Innenstadt zogen starke Polizeikräfte auf, die vor allem die Botschaften mehrerer Staaten schützten. Der Demonstrationszug, angeführt von Radovans Bruder Luka Karadzic, zog vor den Präsidentenpalast im Zentrum. Dort bewarfen Demonstranten die Polizei mit Steinen, wie Medien berichteten. Am Protest beteiligten sich auch ranghohe Vertreter der oppositionellen extrem-nationalistischen Radikalen Partei, der stärksten Fraktion im serbischen Parlament.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS