Naher Osten

Israelischer Luftangriff auf Innenministerium in Gaza

Im Innenminsterium von Gaza

Im Innenminsterium von Gaza

30. Juni 2006 Israels Militär hat in der Nacht zum Freitag seine Angriffe im Gazastreifen weiter ausgedehnt. Ein Führer des Islamischen Dschihads wurde tödlich verletzt. Mohammed Abdel Al erlag laut Krankenhausangaben kurz nach dem Angriff in Rafah seinen Verletzungen. Der Angriff habe Männern gegolten, die eine Anti-Panzer-Rakete auf israelische Truppen abfeuern wollten.

Bei zahlreichen Luftangriffen auf Ziele in Gaza-Stadt und im übrigen Gazastreifen wurde auch das Büro von Innenminister Said Sejam getroffen. Ein Sprecher der israelischen Armee sagte dem Sender CNN, das Militär habe noch keine Großoffensive eingeleitet, um den Verhandlungen über eine Freilassung des entführten Soldaten eine Chance zu lassen. Laut einer Zeitung stimmte die radikale Hamas dem unter Bedingungen zu. Jedoch sei noch keine Einigung mit Israel erzielt worden, berichtete „Al-Ahram“ unter Berufung auf Ägyptens Präsident Husni Mubarak.

Mubarak: Alle Anstrengungen unternommen

Israel will noch Raum für Verhandlungen lassen, heißt es

Israel will noch Raum für Verhandlungen lassen, heißt es

Ägypten habe etliche Kontakte geknüpft, darunter auch zu ranghohen Mitgliedern der Hamas, die „positive Ergebnisse“ erbracht hätten, sagte Mubarak in einem Interview mit der Zeitung. Die Hamas sei zu Zugeständnissen bereit, „damit die Lage nicht eskaliert“. Israel habe diese Bedingungen aber „bislang nicht angenommen“.

Mubarak sagte, er habe alle nur möglichen Anstrengungen unternommen, „um eine Katastrophe zu verhindern, die die ganze Region verbrennen würde“. Er habe mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, Israels Ministerpräsident Ehud Olmert, dem syrischen Präsidenten Baschar al Assad und Frankreichs Präsident Jacques Chirac gesprochen. „Die israelische Führung hat versprochen, kein Blut unschuldiger palästinensischer Zivilisten fließen zu lassen“, sagte Mubarak.

Das israelische Außenministerium wies den Bericht über vermeintliche Zugeständnisse der Hamas inzwischen zurück. Ob der am Sonntag entführte 19 Jahre alte Soldat noch lebt, blieb unklar.

Hamas gibt sich unbeugsam

Neben dem Innenministerium wurde ein Bürogebäude getroffen, das die Fatah-Bewegung von Präsident Mahmud Abbas nutzte. Auch zwei Ausbildungslager der Hamas sowie eine Metallwerkstatt seien angegriffen worden, sagte ein Armeesprecher. In keinem der Gebäude seien Menschen gewesen.

Die Hamas gab sich unbeugsam. „Wir schwören bei Gott, daß wir - selbst wenn wir alle zerquetscht werden - Israel nicht anerkennen werden“, sagte der Abgeordnete Muschir al Masri am Donnerstag vor Tausenden Anhängern in Gaza, während über seinen Kopf israelische Kampfflugzeuge donnerten. Auch ihre Rechte würden die Palästinenser nicht aufgeben, sagte Masri.

Palästinensische Kinder am Boden, Israels Kampfjets in der Luft

Palästinensische Kinder am Boden, Israels Kampfjets in der Luft

Hamas-Minister muß Ost-Jerusalem verlassen

Unterdessen hat Israel am Freitag einem Minister der Hamas-Regierung und drei weiteren Hamas-Abgeordneten die Aufenthaltsgenehmigung für Ost-Jerusalem entzogen. Von der Maßnahme betroffen sind nach amtlichen Angaben der Minister für Jerusalem-Fragen, Chaled Abu Arafeh, sowie die Abgeordneten Mohammed Abu Teir, Ahmed Attun und Mohammed Totah. Sie stammen aus dem von Israel annektierten Ostteil Jerusalems. Ihnen droht nun die Ausweisung in die Palästinensergebiete. Israel hatte den Männern im vergangenen Monat eine Frist von 30 Tagen gesetzt, um aus der radikalen Palästinenserbewegung auszutreten und ihre Ämter niederzulegen.

Alltag, so gut es geht

Alltag, so gut es geht

Bei einem Gefecht mit israelischen Soldaten in Nablus im Norden des Westjordanlands wurde unterdessen ein Palästinenser getötet. Zwei weitere Palästinenser ergaben sich, berichteten palästinensische Ärzte.

Israel hatte am Donnerstag zahlreiche Mitglieder der Hamas-Regierung festgenommen. Sie sollen der Beteiligung an Terror-Akten angeklagt werden. (Siehe auch: Israel nimmt Minister und Abgeordnete der Hamas fest) Die Hamas stellt die Palästinenser-Regierung. Die Gruppe hat sich der Vernichtung Israels verschrieben.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, REUTERS

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