21. Juni 2008 Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohamed El Baradei, hat vor militärischen Angriffen auf Iran gewarnt. Ein militärischer Angriff wäre schlimmer als alles andere, sagte El Baradei mit Blick auf Drohungen aus Amerika und Israel. Er würde den Nahen Osten in einen Feuerball verwandeln, fügte der IAEA-Chef in einem Samstag ausgestrahlten Interview des Fernsehsenders El Arabija hinzu. Ein Regierungssprecher in Teheran wies derweil einen Vorschlag der Sechsergruppe zurück, der umfangreiche Unterstützung für den Golfstaat für eine Aussetzung der Urananreicherung zusagt.
Für Unruhe gesorgt hatte ein Zeitungsbericht, wonach die israelische Luftwaffe einen Großangriff auf Iran in einem Manöver geübt hatte. Manöver der Luftwaffe unter dem Namen Glorreicher Spartaner 08 hätten am 28. Mai und 12. Juni auf der griechischen Insel Kreta stattgefunden, hatte die New York Times am Freitag unter Berufung auf eine griechische Quelle berichtet. Mehr als 100 Kampfjets vom Typ F-16 und F-15 sollten sich demnach auf einen weitreichenden Einsatz vorbereiten.
Angriff würde in Iran Notfallplan auslösen
Auf den Bericht folgte nun die Warnung El Baradeis. Sollte es im Streit um das iranische Atomprogramm zu militärischen Auseinandersetzungen kommen, sei er nicht in der Lage, seine Arbeit an der Spitze der IAEA fortzusetzen, sagte El Baradei. Die UN-Behörde überwacht die friedliche und störungsfreie Nutzung der Atomenergie in ihren Mitgliedstaaten. Ein Angriff würde in Iran einen Notfallplan zur schnellen Herstellung einer Atombombe auslösen, und das mit der Zustimmung aller Iraner, selbst derjenigen, die im Westen leben, sagte El Baradei. Er sehe im iranischen Atomprogramm zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine unmittelbare Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen.
Auch die Vereinigten Staaten reagierten auf den Bericht über die Manöver und versicherten abermals, sie konzentrierten sich gegenwärtig auf eine diplomatische Lösung. Wir wollen eine diplomatische Lösung dieses Problems, sagte der amerikanische Botschafter bei der UN, Zalmay Khalilzad. Unsere Position ist bekannt, es wäre nicht hinnehmbar, dass Iran sich Atomwaffen beschafft, aber im Moment sind wir in der diplomatischen Phase.
Israel: Diplomatie gescheitert
Ein führender israelischer Politiker erklärte diese diplomatische Phase unterdessen allerdings schon für gescheitert. Die Maßnahmen des Westens gegen das iranische Atomprogramm sind gescheitert, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des israelischen Parlaments, Zahi Hanegbi, im staatlichen Hörfunk.
Die Bemühungen um eine diplomatische Lösung im Streit über das iranische Atomprogramm treten derzeit auf der Stelle. Die Frage der Aussetzung unserer Aktivitäten und der Anreicherung von Uran ist unlogisch und unannehmbar, sagte der iranische Regierungssprecher Gholamhossein Elham. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana war am vergangenen Wochenende nach Teheran gereist und hatte ein neues Verhandlungsangebot der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands vorgelegt. Dieses sieht umfangreiche Hilfen für Iran im Handel, den Finanzbeziehungen und in der Landwirtschaft sowie eine Unterstützung in der Atom- und Technologieentwicklung vor. Bedingung ist allerdings eine Aussetzung der Urananreicherung.
Der iranische Außenminister Manuschehr Mottaki hatte am Donnerstag die Bereitschaft seines Landes zu Verhandlungen über das neue Angebot bekundet. Regierungssprecher Elham betonte allerdings am Samstag: Die Fortsetzung der Verhandlungen wird nicht auf einer Aussetzung (der Urananreicherung) beruhen. Der Westen verdächtigt Iran, heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten, Teheran weist dies stets zurück. Der UN-Sicherheitsrat hat bereits mehrfach Sanktionen gegen die Islamische Republik beschlossen.
Text: FAZ.NET mit AFP
Bildmaterial: AFP, dpa