02. Juli 2006 Die israelische Offensive gegen den Gazastreifen hat weiter an Schärfe zugenommen. Kampfflugzeuge feuerten in der Nacht zum Sonntag zwei Raketen auf den Amtssitz des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija in Gaza. Das Gebäude ging in Flammen auf, ein Passant wurde leicht verletzt. Hanija sprach von einem systematischen Angriff auf ein Symbol des palästinensischen Volkes.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte am Sonntag, die Streitkräfte seien angewiesen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den eine Woche zuvor entführten Soldaten Gilad Shalit zu befreien. Beobachter äußerten daraufhin die Erwartung, daß die am Mittwoch begonnene Militäraktion ausgeweitet werden könnte. Mit einer größeren Offensive auch am Boden hatte sich Israel vorerst zurückgehalten, um internationalen Vermittlungsbemühungen, insbesondere von Seiten Ägyptens, eine Chance zu geben.
Luftangriff auf Schule
Die israelische Luftwaffe flog am frühen Sonntag morgen auch Angriffe auf eine Schule in Gaza sowie auf mehrere Einrichtungen der militanten Hamas-Bewegung im Norden des Küstenstreifens. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben ein Hamas-Aktivist getötet und ein weiterer verletzt. Es handelte sich um das zweite Todesopfer der Militäraktion, die bislang vor allem auf die Infrastruktur des Autonomiegebiets abzielte.
Der israelische Kabinettsminister Roni Bar-On sagte, Ziel der Offensive sei es, die Handlungsfähigkeit der Hamas-Regierung einzuschränken, damit sie und ihre Anhänger kein Unheil mehr anrichten könnten. Mit derselben Begründung hält Israel weiterhin 64 Hamas-Funktionäre fest, darunter acht Minister der Autonomiebehörde. Hanija erklärte, das palästinensische Volk werde sich nicht in die Knie zwingen lassen.
Abbas: Uneinigkeit in der Hamas
Hinter den Kulissen wurden die Bemühungen um eine Beilegung der Krise fortgesetzt. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas räumte allerdings ein, daß Uneinigkeit innerhalb der Hamas sich als großes Hindernis erwiesen habe. Es sei nicht klar, wer die Entscheidungskompetenz habe, so daß es keinen konkreten Ansprechpartner für die ägyptischen Vermittlungsversuche gebe.
Der militärische Flügel der Hamas-Bewegung sowie die Volkswiderstandskomitees und die Armee des Islams, die Verbindungen zur Hamas unterhalten, haben sich zur Entführung Shalits am 25. Juni bekannt. Sie verlangten am Samstag eine Einstellung der Militäraktion sowie die Entlassung von 1000 Häftlingen aus israelischen Gefängnissen. Letzte Forderung erstreckte sich auch auf nicht-palästinensische Muslime beziehungsweise Araber. Beobachter sahen darin einen Versuch, in der arabischen Welt Sympathien zu gewinnen.
Forderungen, aber kein Zugeständnis
Erneuert wurde eine frühere Forderung nach der Freilassung sämtlicher weiblicher und minderjähriger Palästinenser. Auf das Schicksal des Soldaten Shalit gingen die radikalen Gruppen indessen nicht ein. Israel bekräftigte derweil seine Position, daß der Soldat sofort und ohne Vorbedingungen freizulassen sei. Allerdings erklärte sich die Regierung bereit, den Grenzübergang Karni für den Warenverkehr in den Gazastreifen wieder zu öffnen. Internationale Hilfsorganisationen hatten vor einer Krise gewarnt, weil die Stromversorgung infolge der Luftangriffe auf Elektrizitätswerke weitgehend zusammengebrochen ist.
In einer Sondersitzung des Weltsicherheitsrats lieferten sich die Vertreter Israels und der Palästinenser einen heftigen Schlagabtausch. Der palästinensische UN-Beobachter Rijad Mansur rief dazu auf, die israelische Offensive zu verurteilen und die Freilassung der Hamas-Politiker zu fordern. Trotz intensiver Debatte wurde keine Resolution verabschiedet.
Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: AP, Reuters