27. Oktober 2006 Mexikos designierter Präsident Felipe Calderon hat mit harscher Kritik auf die Entscheidung der Vereinigten Staaten reagiert, die illegale Einwanderung aus dem südlichen Nachbarland mit einem Grenzzaun einzudämmen. Der konservative Politiker, der Ende des Jahres sein Amt als Präsident antritt, verglich die Sperranlage am Donnerstag mit der Berliner Mauer.
Die Menschheit hat mit dem Bau der Mauer einen schweren Fehler begangen. Ich bin sicher, daß die Vereinigten Staaten mit dem Bau dieses Zauns einen schweren Fehler begehen, sagte Calderon bei einem Besuch im kanadischen Ottawa. Der scheidende Präsident Vicente Fox sprach am Donnerstag von einer peinlichen Affäre für die Vereinigten Staaten.
Wir haben die Pflicht, unsere Grenzen zu schützen
Der amerikanische Präsident George W. Bush hatte das Gesetz zum Bau eines mehr als 1100 Kilometer langen Grenzzauns als Maßnahme gegen den Zustrom von Einwanderern aus Mexiko wenige Stunden zuvor unterzeichnet und das Vorhaben gegen Kritik verteidigt: Wir haben die Pflicht, unsere Gesetze durchzusetzen. Wir haben die Pflicht, unsere Grenzen zu schützen. Diese Pflicht müssen wir ernst nehmen.
Bereits vor drei Wochen hatte Bush 1,2 Milliarden Dollar für den Bau der Anlage bewilligt. Kritiker bemängelten, daß die tatsächliche Summe um ein Mehrfaches höher liegen werde.
Zehntausende überqueren jedes Jahr die Grenze
Der Senat hatte im Mai die Pläne mit klarer Mehrheit gebilligt. Zugleich nahmen die Senatoren einstimmig eine Gesetzesvorlage an, mit der Einwanderern ohne Papiere die Aufenthaltsgenehmigung verwehrt bleiben soll, wenn sie gegen Gesetze verstoßen haben. Bisher sind lediglich 112 Kilometer der insgesamt 3200 Kilometer langen Grenze durch einen Zaun gesichert. Die neuen Abschnitte sollen in den vier Bundesstaaten Kalifornien, Arizona, Neu-Mexiko und Texas entstehen.
Jedes Jahr überqueren Zehntausende, überwiegend aus Lateinamerika stammende Menschen ohne Erlaubnis die Südgrenze der Vereinigten Staaten. Die amerikanischen Sicherheitskräfte bemühen sich seit Jahren mit wachsendem Aufwand, die Einwanderer an der 3200 Kilometer langen Grenze zu Mexiko abzufangen - ohne größeren Erfolg. Allein im vergangenen Jahr kamen an der Grenze 472 Menschen ums Leben, in den meisten Fällen, weil sie sich im unwegsamen Wüstengelände verirrten.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, Reuters