Großbritannien

Frauen dürfen Bischöfe werden

Von Johannes Leithäuser, London

Oh, Gott! Der Erzbischof von York, John Sentamu, bei der Bischöfinnendebatte

Oh, Gott! Der Erzbischof von York, John Sentamu, bei der Bischöfinnendebatte

08. Juli 2008 Die anglikanische Kirche in England und Wales, die vor rund 450 Jahren bloß deswegen entstand, weil die römisch katholische Kirche zu macht- und glaubensorthodox war, um dem englischen König Heinrich VIII. eine Scheidung zu bewilligen, hat in der Nacht zum Dienstag einen wichtigen identitätsstiftenden Schritt getan. Die Synode der „Church of England“, jene durch königlichen Trotz eher denn durch Bekennermut ihrer Gläubigen zustande gekommene Gemeinschaft, beschloss, künftig die Einsegnung weiblicher Bischöfe zuzulassen, ohne dem männlichen Klerus großzügige Ausweichmöglichkeiten zu bieten, sollte er nicht unter Frauen im Bischofsamt dienen wollen.

Zwar war dieser Schritt eigentlich unausweichlich, nachdem die Anglikaner schon seit fast zwei Jahrzehnten Frauen zum Priesteramt zulassen, doch entwickelten die Traditionalisten innerhalb der anglikanischen Kirche genügend Einschüchterungsmacht, um ihn als gewagt und riskant erscheinen zu lassen. Im pragmatischen England, wo eben schon vor Jahrhunderten einfach neue Kirchen gegründet wurden, wenn die alte Glaubensheimat den Weg zu einer Scheidung verbaute, wurden auch dieses Mal in der anglikanischen Gemeinschaft praktische Auswege ersonnen.

„Katholische Anglikaner“ gingen zu weit.

Eine Idee lautete, eigene Diözesen für jene männlichen Gläubigen und Priester zu gründen, die die Weihe von Bischöfinnen für eine Abweichung von den Vorschriften der Bibel hielten. Eine andere Idee lautete, Gemeinden oder Priester, die eine weibliche Oberhirtin ablehnten, dürften sich künftig direkt an andere, eigens dafür ausgewählte Oberbischöfe wenden. Diesen Unfug hat die Synode der Church of England nicht mitgemacht. Es soll zwar Ausnahme- und Verfahrensregeln für Traditionalisten geben, die mit Bischöfinnen nicht verkehren wollen, aber jene Sonderregeln sollen nicht in die Kirchenverfassung aufgenommen werden.

Die Traditionalisten, die sich selber mitunter als „katholische Anglikaner“ bezeichnen, sind womöglich mit ihrem Unwillen vor der Abstimmung zu weit gegangen. Als auf der Synodaltagung in York Gerüchte aufkamen, einige Bischöfe der Church of England hätten angeblich mit dem Vatikan in Kontakt gestanden, um Wege zu einer Rückkehr zum Katholizismus zu erkunden, da hatte das offenkundig keinen einschüchternden, sondern einen Trotz-Effekt.

Die Gefahr der Spaltung, in der die Anglikaner nicht nur in England, sondern weltweit stehen, ist mit der Entscheidung der englischen Synode zwar nicht gebannt, sondern eher gewachsen, aber diese Gefahr ist ohnehin akut wegen der strittigen Einstellung der Anglikaner zur Frage gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und homosexueller Priester- und Bischofsweihen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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