07. Mai 2008 mrb. FRANKFURT, 7. Mai. In Beirut ist es am Mittwoch zu Schießereien gekommen, an denen Hizbullah-Kämpfer beteiligt waren. Die Gefechte konzentrierten sich auf drei gemischte sunnitisch-schiitische Stadtteile. Mitglieder der von Generalsekretär Hassan Nasrallah geführten schiitischen Parteimiliz besetzten während eines Generalstreiks zudem zwei Büros der sunnitischen Mustaqbal-Bewegung und riegelten die Straßen zum Flughafen ab. Bei der Explosion einer von Mustaqbal-Anhängern geworfenen Blendgranate gab es mehrere Verletzte.
Ein Sprecher der von Ministerpräsident Fuad Siniora und dem Mehrheitsführer im Parlament, Mustaqbal-Chef Saad Hariri, geführten 14.-März-Bewegung bezeichnete die Proteste gegenüber dieser Zeitung als „Versuch des Irans, im Libanon die Macht zu übernehmen“. Seit dem Rücktritt mehrerer schiitischer Minister aus dem Kabinett Sinioras im November 2006 stehen sich die von der Hizbullah geführte, von Iran wie Syrien unterstützte Opposition und die Regierung in einem Machtkampf gegenüber. Die Krise verschärfte sich, als im November vergangenen Jahres der Syrien-treue Präsident Emile Lahoud zurücktrat, ohne dass ein Nachfolger gewählt worden wäre.
Auslöser für die schwersten Ausschreitungen seit Januar, als sieben Oppositionsanhänger bei Gefechten mit der Armee getötet wurden, war eine Entscheidung der Regierung von Montag, den schiitischen Sicherheitschef des Flughafens abzusetzen. Zudem kündigte das Kabinett an, ein von der Hizbullah unterhaltenes illegales Telefonnetzwerk aufzulösen. Beide Entscheidungen werden von der Opposition als Versuch gewertet, den innerlibanesischen Machtkampf zu ihren Ungunsten zu beenden.
Aus Angst vor einer Eskalation der Gewalt hatte der Gewerkschaftsdachverband am Mittwochvormittag eine im Beiruter Stadtzentrum geplante Demonstration abgesagt. Gewerkschaftschef Ghassan Ghoson verkündete aber, dass ein Generalstreik wie geplant durchgeführt werde. Wie schon im Januar 2007 jedoch, als die Opposition während eines Generalstreiks den Verkehr mit Straßenblockaden lahmlegte, ging das Geschäftsleben auch gestern in von der Regierung kontrollierten Gebieten weiter.
Kommende Woche will das libanesische Parlament im 19. Anlauf versuchen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Angesichts des abermaligen Ausbruchs von Gewalt halten Beobachter ein Ende des Machtvakuums an der Staatsspitze für unwahrscheinlich.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS
