02. Juni 2008 Nach dem Anschlag auf die dänische Botschaft in Islamabad wird von bis zu acht Toten und 15 Schwerverletzten berichtet. Alle Opfer seien Pakistaner, teilte die Polizei am Montag mit. Die Bombe sei von einem Selbstmordattentäter gegen 13 Uhr (Ortszeit) in einem Auto vor dem Botschaftsgelände in der Hauptstadt Islamabad gezündet worden.
Unter den Toten ist auch ein pakistanischer Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung. Das teilte der dänische Außenminister Per Stig Møller in Kopenhagen mit. Weiter sagte er, ein weiterer örtlicher Mitarbeiter sei schwer verletzt worden; zwei Mitarbeiter wurden leicht verletzt. Die vier dänischen Diplomaten an der Botschaft blieben unversehrt.
Die Wucht der Detonation brachte eine Außenwand der Botschaft zum Einsturz, das Metalltor wurde nach innen gedrückt. Das eigentliche Botschaftsgebäude wurde jedoch nicht nennenswert beschädigt. Die Explosion hinterließ einen Krater von rund einem Meter Tiefe. Der Motor des mutmaßlichen Anschlagsfahrzeugs wurde von der Explosion 30 Meter weit geschleudert. Zahlreiche Fahrzeuge wurden beschädigt, überall lagen Trümmer.
Fanatiker und Terroristen
Møller verurteilte den Anschlag. Man habe es hier mit Fanatikern und Terroristen zu tun und muss einfach zusehen, dass man sich so gut wie irgend möglich schützt, sagte der Minister im Fernsehsender TV2 News. Es sei zu früh, über mögliche Hintergründe zu spekulieren, meinte der Minister. Es sei aber allgemein bekannt, dass nach den Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung Jylland-Posten auch Al-Qaida-Führer Usama Bin Ladin seit 2006 zu Terroraktionen gegen Dänemark aufgerufen habe. Man habe auch schon Aktionen gegen die Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul erleben müssen.
Bin Ladins Stellvertreter Aiman al Zawahiri hatte in einer Drohbotschaft Ende April abermals zu Anschlägen auf dänische Einrichtungen aufgerufen. Ein Geheimdienstmitarbeiter sagte, es habe in den vergangenen Monaten konkrete Hinweise auf einen möglichen Angriff auf die dänische Botschaft gegeben. Anfang 2006 hatten die in dänischen Medien veröffentlichten Karikaturen des Propheten Mohammed in Pakistan und weiteren islamisch geprägten en Ländern zu heftigen Protesten geführt. Der abermalige Abdruck der umstrittenen Karikaturen führte in diesem Februar abermals zu Protesten. Der Geheimdienst sprach von einem erhöhten Sicherheitsrisiko.
Botschaften in Algier und Kabul an geheimen Orten
Norwegen evakuierte seine nur wenige hundert Meter von der dänischen Vertretung gelegene Botschaft nach dem Anschlag. Es seien aber nur Glasscheiben zu Bruch gegangen, erklärte das Außenministerium. Auch Schweden schloss seine Vertretung.
Die dänische Botschaft war nach den ersten Veröffentlichungen der Mohammed-Karikaturen aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen worden. Die Vertretung ist in einem reichen, gesicherten Wohngebiet in Islamabad untergebracht, nicht im abgeriegelten Diplomatenviertel, in dem unter anderem die deutsche Botschaft liegt. In der Nähe der dänischen Botschaft liegen auch Büros der Vereinten Nationen.
Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den Anschlag auf das Schärfste. Ein Sprecherin wollte sich noch nicht dazu äußern, ob nun auch für die deutsche Botschaft in Islamabad ein erhöhtes Risiko bestehe. Von einer unmittelbaren Gefährdung sei aber nicht auszugehen.
Dänemarks Regierung hatte die Botschaften in Kabul sowie in Algeriens Hauptstadt Algier Ende April wegen konkreter Terrordrohungen an geheime Orte verlegt. Dänischen Bürgern wurde kurz nach dem Anschlag in Islamabad von allen Reisen nach Pakistan abgeraten.
Text: FAZ.NET mit dpa/AP/AFP
Bildmaterial: AFP, dpa, REUTERS