Irak

Al Qaida bekennt sich zu Anschlägen vom Wochenende

Eine der Autobomben von Bagdad

Eine der Autobomben von Bagdad

13. September 2004 Bei amerikanischen Luft- und Artillerieangriffen auf die irakische Rebellenhochburg Falludscha sind am Montag nach Angaben von Krankenhäusern 16 Menschen getötet und zwölf weitere verletzt worden.

Ein Krankenhaussprecher sagte, unter anderem sei ein Krankenwagen von einer Bombe getroffen worden. Der Fahrer, ein Sanitäter und fünf Patienten seien getötet worden. Eine andere Bombe habe einen Markt getroffen, als Aussteller gerade ihre Stände aufbauten, berichteten Augenzeugen. Die amerikanischen Streitkräfte teilten mit, Kampfflugzeuge hätten ein mutmaßliches Versteck der Terroristengruppe um Abu Mussab al Zarkawi angegriffen. Nach Geheimdienstinformationen hätten sich dort mehrere Mitglieder der zum Terrornetzwerk Al Qaida gehörenden Gruppe getroffen, die für zahlreiche Angriffe auf irakische Zivilisten, Sicherheitskräfte und die multinationalen Truppen verantwortlich sei.

Nach Augenzeugenberichten wurde das Viertel Al Shurta von Kampfflugzeugen und mit Artillerie angegriffen. Gebäude seien beschädigt worden. Rettungswagen und Privatautos hätten Verletzte ins Krankenhaus gebracht. Der Arzt Adel Chamis vom Allgemeinen Krankenhaus sagte, unter den 16 Toten seien auch Frauen und Kinder.

Bekenntnis Zarkawis auf einer Islamisten-Seite

Unterdessen hat sich die Gruppe um den Terroristen Zarkawi zu den jüngsten Autobomben-Anschlägen und Gefechten im Irak bekannt. Seit Sonntag starben dabei mehr als 80 Menschen - es war das blutigste Wochenende im Irak seit langem. Das Gesundheitsministerium in Bagdad berichtete am Montagmorgen, in den Krankenhäusern von Bagdad, Ramadi, Hilla und Mosul seien seit Sonntagmorgen 77 Tote und 202 Verletzte gezählt worden.

Auf einer Islamisten-Seite im Internet tauchte unterdessen eine weitere Erklärung auf, die mit dem Namen der Gruppe des jordanischen Top-Terroristen Abu Mussab al Zarkawi, „Al Tawhid wa Al Dschihad“, unterzeichnet war. Darin brüsteten sich die Extremisten mit ihren „siegreichen“ Anschlägen vom Sonntag. Dazu stellten sie Fotos, auf denen ein am Sonntag an der Haifa-Straße im Zentrum von Bagdad zerstörter amerikanischer Panzer zu sehen ist. Darauf stehen Männer, die eine Fahne mit der Aufschrift „Al Tawhid wa Al Dschihad“ schwenken.

Im April hatten sich die amerikanischen Streitkräfte aus Falludscha nach einer dreiwöchigen Belagerung zurückgezogen, bei der hunderte Menschen getötet wurden. Seitdem haben Aufständische ihre Kontrolle über die Stadt wieder ausgeweitet.

Powell: Irakischer Widerstand bis Januar eingedämmt

Der Außenminister der Vereinigten Staaten, Colin Powell, rechnet unterdessen mit einer weitgehenden Eindämmung des Aufstands im Irak bis Anfang kommenden Jahres. Die militärische und politische Strategie für die nächsten Monate sei, alle Städte wieder unter die Kontrolle der Übergangsregierung zu bringen, „so daß Wahlen abgehalten werden können“, sagte Powell am Sonntag dem Fernsehsender Fox.

Bagdad: Soldaten schleppen einen ausgebrannten Panzer ab

Bagdad: Soldaten schleppen einen ausgebrannten Panzer ab

Der irakische Ministerpräsident Ijad Allawi sei entschlossen, die für Januar terminierte Abstimmung durchzuführen. Im Kampf gegen aufständische Extremisten arbeiteten die im Irak stationierten amerikanischen Soldaten eng mit irakischen Sicherheitskräften und der Übergangsregierung zusammen, betonte Powell. Es gehe darum, „weiterzumachen und die Arbeit, die wir begonnen haben, zu beenden“. Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari erklärte indes, entscheidend für die planmäßige Durchführung der Wahl im Januar sei eine Verbesserung der Sicherheitssituation. „Der Zeitplan hängt letzten Endes wirklich von der Sicherheitslage ab“, sagte Sebari in Kairo.

Text: FAZ.NET mit Material von AP und dpa
Bildmaterial: dpa, dpa/dpaweb

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