Pakistan

15 Tote nach Anschlag auf Aschura-Prozession

09. Februar 2006 Bei einem mutmaßlichen Selbstmordanschlag auf eine schiitische Prozession sind am Donnerstag im Nordwesten Pakistans laut Angaben der Polizei mindestens 15 Menschen getötet worden. Ein schiitischer Geistlicher sprach sogar von etwa 20 Toten. 25 Gläubige wurden laut Polizei verletzt.

Nach den insgesamt drei Explosionen kam es unter den Teilnehmern des religiösen Marsches aus Anlaß des Aschura-Festes zu Ausschreitungen. Die Schiiten sind in der Region in der Minderheit. Spannungen zwischen ihnen und der Mehrheit der Sunniten entladen sich immer wieder rund um das Aschura-Fest. Auch das Innenministerium vermutet einen religiösen Hintergrund des Anschlags.

Randale aus Wut über den Anschlag

Der schiitische Geistliche, der an der Prozession in Hangu in der Provinz North West Frontier teilgenommen hatte, sprach von einem Selbstmordanschlag. Der pakistanische Innenminister Aftab Ahmed Khan Sherpao äußerte sich vorsichtiger und bezeichnete das lediglich als möglich. Einer der Anführer der Prozession, Maulana Khurshid Anwar, sagte, eine der Explosionen habe sich in der Nähe einer Bühne ereignet, von der aus er zu den Gläubigen sprechen sollte.

Aus Wut über den mutmaßlichen Anschlag begannen Gläubige zu randalieren und setzten Läden sowie eine Bankfiliale in Brand. Die Polizei setzte laut Angaben ihres Chefs in der Provinz gepanzerte Fahrzeuge und Sonderkräfte ein, um die Unruhen unter Kontrolle zu bringen. Hangu liegt etwa 200 Kilometer westlich von Islamabad.

In Pakistan kommt es seit Jahren immer wieder zu religiösen Unruhen. Häufig richten sich die Angriffe gegen die schiitische Minderheit und werden von der sunnitischen Mehrheit verübt. Aschura ist das wichtigste Fest der Schiiten, deren Gemeinschaft sich in der Frühgeschichte des Islams im Streit um die rechtmäßige Nachfolge des religiösen Oberhaupts von den Sunniten getrennt hat. Zum Aschura-Fest gehören große Prozessionen, auf denen sich Gläubige geißeln, um ihrer Trauer über den Tod des Imams Hussein, eines Enkels des Religionsstifters Mohammeds, Ausdruck zu geben.



Text: Reuters
Bildmaterial: REUTERS

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