27. November 2008 Die Geiselnahme im Luxushotel Taj Mahal in Bombay ist nach mehr als 24 Stunden gewaltsam zu Ende gegangen. Die letzten drei Extremisten in dem Gebäude seien erschossen worden, teilte ein Behördensprecher mit. Bei den Überfällen von Terroristen auf zehn verschiedene Gebäude der indischen Metropole kamen mindestens 120 Menschen ums Leben, darunter auch ein deutscher Geschäftsmann. Dabei handelt es sich um den Münchner Medienunternehmer Ralph Burkel. Etwa 300 Menschen wurden verletzt.
Schwarz gekleidete Kommandotruppen stürmten am Donnerstag das Taj Mahal. In dem Fünf-Sterne-Hotel konnten sich einige Geiseln selbst befreien, andere wurden von der Polizei gerettet. Allerdings wurden auch mehrere Leichen aus dem Gebäude getragen. Aus den oberen Stockwerken schlugen am Donnerstag erneut Flammen, nachdem das Gebäude bereits am Mittwochabend in Brand geraten war. Das 1903 erbaute Taj Mahal gilt als eines der Wahrzeichen von Bombay.
Gezielte Jagd auf Briten und Amerikaner
In einem zweiten Luxushotel, dem Oberoi, haben Spezialeinheiten laut Polizeiangaben 39 Menschen befreit. Unter den Befreiten seien auch mehrere Ausländer, sagte ein Polizeisprecher am frühen Freitagmorgen (Ortszeit). Die Menschen hätten sich in ihren Zimmern versteckt gehalten, seit die Islamisten am Mittwochabend das Luxushotel angegriffen hatten. Dem Polizeisprecher zufolge dauerte der Polizeieinsatz in dem Hotel an, Spezialbeamten suchten Zimmer für Zimmer nach weiteren Menschen, die sich dort möglicherweise noch versteckt hielten. Noch sei unklar, ob sich auch noch
Terroristen in dem Gebäude verschanzt hielten. Ein polnischer Hotelgast sagte, er habe in dem Hotel viele Tote gesehen.
Ein weiteres Angriffsziel war die Zentrale der jüdisch-orthodoxen Organisation Chabad Lubavitch. Zum Zeitpunkt des Überfalls hielten sich nach Angaben der Organisation acht Israelis in dem Haus auf, unter ihnen der Rabbiner Gavriel Noach Holtzberg mit seiner Frau. Alle wurden als Geiseln genommen und nach Angaben der Behörden bis zum Abend befreit. Am frühen Freitagmorgen waren dort zwei laute Explosionen zu hören, wie ein
Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. In dem Gebäude sollen sich weiterhin mehrere Angreifer verschanzt halten.
Krisenstab im Auswärtigen Amt
Noch können wir nicht ausschließen, dass weitere deutsche Staatsangehörige unter den Opfern sind, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Abend in Berlin. Das Auswärtige Amt habe einen Krisenstab gebildet, das Generalkonsulat in Bombay sei über Nacht verstärkt worden. Zudem sei ein psychologisches Beratungsteam auf dem Weg, um Opfern und Angehörigen zu helfen.
Zu der beispiellosen Angriffsserie bekannte sich die bislang unbekannte islamistische Gruppe Deccan Mujahedeen. Einer der Angreifer sagte dem Sender India TV am Telefon, seine Gruppe fordere ein Ende der Angriffe auf Muslime in Indien.
Drei Männer festgenommen
Indische Sicherheitskräfte nahmen am Donnerstag in dem von bewaffneten Angreifern besetzten Taj-Mahal-Hotel in Bombay drei Männer fest, unter ihnen einen Pakistaner. Wie die Nachrichtenagentur Press Trust of India am Abend unter Berufung auf amtliche Angaben meldete, handelte es sich bei dem Pakistaner um einen Mann aus der pakistanischen Stadt Multan. Er und seine Mitkämpfer seien Mitglieder der in Pakistan ansässigen Rebellengruppe Lashkar-e-Taiba, die für die Unabhängigkeit Kaschmirs kämpft.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS