Kommentar zum Kosovo

Die Gewalt nicht belohnen

Von Georg Paul Hefty

22. Juli 2007 Der kriegerische Kosovo-Konflikt ist erledigt, der diplomatische treibt auf einen neuen Höhepunkt zu – und was kommt dann?

Die Vereinigten Staaten und einige europäische Regierungen haben das Kräftemessen mit Russland und Serbien in den Vereinten Nationen abgebrochen, bevor Moskau mit einem formalen Veto das völkerrechtliche Scheitern des kosovarischen Separatismus besiegelt hätte. Nun scheint sich Washington an den Plan zu klammern, die Volksvertretung der Albaner im Kosovo solle im November die Abspaltung des Gebietes von Serbien verkünden – und dann werde Amerika die Eigenständigkeit anerkennen und so vollendete Tatsachen schaffen.

Was treibt Washington?

Es ist nicht ganz klar, welche Gründe Washington dazu treiben. Will es lediglich vollenden, was es in den neunziger Jahren begonnen hat, als es die albanische Untergrundarmee UÇK unterstützte, um das gewalttätige serbisch-jugoslawische Regime zu schwächen? Miloševic und seinen Staat gibt es so nicht mehr, Serbien ist auf dem Wege zur Demokratie – und wenn es die Kriegsverbrecher Mladic und Karadzic ausgeliefert oder das Haager Kriegsverbrechertribunal bei der Festnahme unterstützt haben wird, wird es auch noch den letzten Beleg dafür erbracht haben.

Befürchtet Washington, dass die damalige Nato-Intervention vollends delegitimiert wird, wenn die Militäraktion nicht in eine Separation mündet? Oder fürchtet es vielmehr, dass die UÇK zur großflächigen Gewalttätigkeit zurückkehrt, falls ihr Ehrgeiz nicht befriedigt wird?

Kommt Unruhe in die EU?

Europa hat bereits Anschauungsmaterial für die Probleme, die durch die einseitige Anerkennung einer Separation in der Folge einer Militärintervention erst geschaffen worden sind: Nordzypern. Ohnehin gibt es zum einen manches Streben, mit Gewalt Gebietsabtrennungen und „nationale“ Eigenständigkeit zu erreichen; zum anderen jedoch noch mehr Befürchtungen, dass nationalistische Minderheiten zu solchen Mitteln verführt werden, falls derlei Gewaltausbrüche letztlich doch zum Erfolg in ihrem Sinne führen.

Im Zuge der Bevölkerungsveränderungen in Europa kann niemand absehen, welche Minderheit plötzlich wo welche Ansprüche erhebt und Unruhe in die ganze EU bringt. Amerika hat mit seinen Versuchen, „nation-“ oder „state-building“ zu betreiben, nachweislich nicht überall eine glückliche Hand. Die Europäer sollten vorsichtig sein, ob sie ihre dazu reichen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, F.A.Z.

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