Kämpfer der radikalislamischen Taliban haben am Samstag im Osten Afghanistans einen Stützpunkt der amerikanischen Truppen angegriffen und diese in ein zwei Stunden langes Gefecht verwickelt. Zwei amerikanische Soldaten wurden dabei getötet, sieben wurden verwundet, wie das Militär mitteilte. Demnach zündeten die Taliban zuerst eine Lastwagenbombe vor dem Tor zu dem Stützpunkt in der Provinz Paktika, bevor sie diesen angriffen. Die amerikanischen Soldaten forderten schließlich Luftunterstützung an. Bei den Bombenangriffen wurden nach Militärangaben mindestens 30 Taliban getötet.
Die Internationale Schutztruppe Isaf sprach dagegen von 10 getöteten Taliban. Zivilisten seien nicht zu Schaden gekommen. Die Taliban hätten bei dem Angriff Mörser, Raketen, Schusswaffen und eine in einem Fahrzeug untergebrachte Sprengladung eingesetzt.
In der ebenfalls im Süden gelegenen Provinz Kandahar wurden sieben Polizisten bei der Explosion einer Bombe getötet. Das teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Kabul am Samstag mit. Den Anschlag im Bezirk Registan sollen die Taliban verübt haben. Bei einer weiteren Bombenexplosion in der nördlichen Provinz Dschosdschan wurden laut Innenministerium ein Zivilist getötet und ein weiterer verletzt.
Der Angriff auf den Stützpunkt in Paktika, an dem etwa hundert Taliban beteiligt gewesen sein sollen, ereignete sich in der Nähe der Grenze zu Pakistan - einige hundert Kilometer entfernt von der Großoffensive der Amerikaner gegen die Taliban im Süden des Landes. Beobachtern zufolge zeigte die Attacke, dass die Taliban durchaus in der Lage sind, den amerikanischen Truppen mit gezielten und gut vorbereiteten Angriffen Schaden zuzufügen.
Unter anderem deshalb hat Präsident Barack Obama auch eine Verstärkung der in Afghanistan stationierten Truppen um 21.000 Mann angeordnet. Bis Jahresende sollen dann 68.000 amerikanische Soldaten in Afghanistan sein. Das sind doppelt so viele wie noch im Jahr 2008, aber gerade einmal halb so viele wie derzeit im Irak.
Paktika gehört zum Regionalkommando Ost, das von den amerikanischen Truppen geführt wird. In der Provinz hatten Aufständische am Dienstag einen amerikanischen Soldaten entführt, dessen Schicksal ungewiss ist. Die Taliban haben bislang keine Forderungen gestellt.
Ebenfalls in der Provinz Paktika musste am Samstag ein von Truppen gepachteter Hubschrauber nach Angaben der Streitkräfte notlanden. Das amerikanische Militär teilte mit, es habe sich um mechanische Probleme gehandelt. Die Besatzung sei von einem zweiten Hubschrauber aufgenommen worden. Kurz danach hätten Unbekannte Gegenstände aus dem Hubschrauber entfernt und seien davongerannt. Dann sei der Helikopter samt Ladung in Flammen aufgegangen. Die Taliban behaupteten, sie hätten den Helikopter abgeschossen.
Im Rahmen der größten amerikanischen Militäroperation in Afghanistan seit der Invasion im Jahr 2001 waren am Donnerstag 4000 Marineinfanteristen in die Provinz Helmand eingerückt. Ziel war es, den radikalislamischen Aufständischen vor der Präsidentenwahl am 20. August einen schweren Schlag zu versetzen.
Text: FAZ.NET mit AP
Bildmaterial: AP, REUTERS