In Kolumbien hat sich eine Kaste von Reichen und Superreichen gebildet, die ihre Privilegien von alters her erworben haben, als ihre belesenen Vorfahren einem Heer von Analphabeten gegenüberstanden. Verteidiger ihrer Interessen ist das Militär. Das Militär seinerseits betrachtet sich als Eigentümer des Landes, die sich nichts entsteißen lassen wollen. Politiker des Landes können praktisch nur den Moderator spielen.
Außerhalb der Kreise von Reichen und Militärs haben sich die Guerillas gebildet. Darin hat vor allem die jüngere Intelligenzelite von Ärzten und vielseitig gebildeten Personen mit Hochschulabschlüssen ihre politische Heimat gefunden, weil ihnen die Vetternwirtschaft der Reichen einen Zugang zu öffentlichen Institutionen verwehrt. Die Guerilla ist folglich kein Heer von Ballermännern, sondern eine Art Spartakus-Aufstand seit dem Mord an dem Liberalen Eliecer Gaitán am 9.4.1948 und der Tötung des Jesuitenpaters Camilo Torres am 15.2.1966 und dem Kampf im Justizpalast am 6.11.1985.
Die Lösung des Konflikts könnte darin liegen, daß sowohl das Militär als auch die Guerillaführungen zu Gesprächen finden. Ohne Gespräche dieser Art geht das gegenseitige Provozieren und die Sprache der Waffen immer weiter.
